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Zwöflter Band.
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Die orientalische Frage. 971

Sache ins Reine so gut ihr konnt. Hr. von Varennes schloß aus dieser Nachgiebig-keit, ohne Zweifel mit Recht, auf den Vorsatz des Sultans, bei erster GelegenheitAlles wieder zurückzunehmen. Er ward von Ibrahim sehr gut, mit Spielen undAbsingen der Marseillaise durch Araber, empfangen. Vier Tage ward unterhandelt.Ibrahim bestand nicht allein auf den syrischen Paschaliks, sondern auch aus demPaschalik Adaiia, wodurch er Mehcmed-Ali's Vorposten bis Kleinasien vorschob; dennAdana bewacht zwei wichtige Gebirgspässe. Den Anspruch auf zwei Paschaliks inKleinasien selbst ließ Ibrahim fallen; den auf zwei Distrikte jenseit des Euphratstellte er der Entscheidung der Pforte anheim.

Dies ist, was man die Convention von Kutajah zu nennen pflegt. Lord Pal-mcrsto» hat (am 27. Juni 1839) im Unterhause die Notiz gegeben, ein förmlichesDocumenk sei nicht entworfen, das Ergebniß der Verständigung habe die Jahresliste! der Paschaliks (die am 13. April erschien) zur allgemeinen Kunde gebracht. Eswird dem Sultan widerstrebt haben, mit seinem Unterthan einen Vertrag einzugehen.Mehemcd-Ali wird, seiner Haltung getreu, es gar nicht verlangt haben. Er gabden Franzosen scheinbar noch ferner nach, indem er am 14. Mai, freilich unter einerBedingung, von der er wissen mußte, daß sie nicht werde eingegangen werden, aufAdana zu verzichten bereit war, wenn nämlich Frankreich ihm seine übrigen Er-werbungen gewährleisten wolle. Auch hatte bereits acht Tage vorher auf dringendesZureden der englischen und französischen Diplomaten die Pforte ihrerseits in die. Abtretung von Adana gewilligt; es ward an Ibrahim als Gencralpachtcr überkragen.

Das ist das unfehlbare Zeichen, daß die englische und französische Diplomatiean ihrem Platze sind, wenn der Pforte zugeredet wird, sie möge nachgeben, nach-geben, damit Friede werde — weil die europäische Diplomatie den Frieden will.

Auch Lord Ponsonby war noch zeitig genug von Neapel her eingetroffen, umWenigstens da zu sein, als (26. Juni 1833) der Vertrag von Unkiar-Skelessi unter-zeichnet ward. Seit der Mitte April, als Alles vorüber war, sah man auch einenglisch-französisches Geschwader auf der Höhe von Vurla einherspazicren; wahrschein-lich um den Türken zu zeigen, daß die Engländer und Franzosen Schiffe hatten^ und sie ihnen nur nicht hatten zu Hülse senden wollen.

Der Bertrag von Unkiar-Skelessi. Der Protest und dessen Berhvhnung.

' 38er kann es dem Sultan verdenken, wenn er ohne fernere Rücksicht auf Eng-

land und Frankreich sich den Russen in die Arme warf, den Russen, welche, einzigund allein, ihm Hülfe gebracht hatten? In Bezug auf England war die natürlichsteVoraussetzung (die Pforte kannte ja die russische Depesche vom 15. Nov. 1832),

! England sei mit Rußland ganz einig und habe Alles an Rußland zur Entscheidungüberlassen. Frankreich hatte seinen Credit eingebüßt durch den leeren Troß des Ad-mirals Nvussin und durch das Nachgiebigkcit-Predigen des Hru. von Varennes. Ruß-lands Stern stand hoch am Himmel; seine Flagge wehte im Bosporus. Möge manbei diesem Anlaß uns erlauben, eine Vorstellung zu berichtigen, die seinerzeit sehrgangbar gewesen, als hätten die Russen auf der europäischen Seite, neben der Haupt-stadt selbst, ihre Zelte aufgeschlagen. Sie waren auf der asiatischen Seite in Sku-tari. Das Erscheinen russischer Uniformen in Konstantinopel würde das Zeichen ei-! nes Volksanfstandes gewesen sein. Der Sultan selbst hat sich schwerlich eine Täu-' schung darüber gemacht, daß seine Tage gezählt sein würden, wenn er Dergleichen. wagte. Aber allerdings, Rußlands Diplomaten waren zur Stelle. Es schien alsI sollten England und Frankreich mitvertreten werden. Nacheinander erschienen Bu-teniew, Murawiew, Orlow.

> Sechs offene Artikel und ein geheimer enthalten Alles, was Rußland für sein«Mühwaltnng sich ausbedungen hat. Da man mit großem Geräusch schon im Jahre1841 verkündet hat, der Vertrag von Unkiar-Skelessi sei aufgehoben (was übrigen-! unsers Trachtens damals nicht der Fall war), so wollen wir uns begnügen, die bei-den Hauptpunkte anzuführen.