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Zwöflter Band.
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970 Die orientalische Frage.

der Neformbill. O nein, es hatte gar viele Geschäfte, gar wichtige Geschäft«. ESmußte flehenden Fußes die holländischen Häfen blockiren. Es mußte zuschauen, wieder General Chasse von den Franzosen bombardirt ward. Am 21. Dec. schlugIbrahim die Türken bei Konich. Erst am 23. Dec. hat Antwerpen capitulirt. Wohätte ein englischer Minister die Zeit finden sollen, vorher an etwas Anderes, vollendsan die Türken, zu denken?

Daß man unter solchen Umstanden keine Zeit hakte, einen englischen Gesandte»für Konstantinopcl zu ernennen, begreift sich. Und Frankreich — wozu wol hätteFrankreich dem General Guilleminot einen Nachfolger geben sollen? Sebastians hattedie Türkei für einen Leichnam erklärt. Zwischendurch hatte er auch wieder vonErhaltung des Statusquo gesprochen. Den Statusquo eines Leichnams erhalten,heißt ihn einbalsamiren. Dazu ist ein Doctor oder Apotheker in alle Wege taug-licher als ein Diplomat. Es war reiner Luxus oder Vergeßlichkeit, daß man Hrn.von Varennes als Geschäftsträger noch dort hakte. Nichtig war er auch ohne alleJnstructionen.

Aber Hr. von Varennes machte sich selbst seine Instruclion. Die russischenAnerbietungen waren dringender, die Noth großer geworden. Frankreichs Interesseschien Hrn. von Varennes zu erfodern, daß die Nüssen womöglich vom Bosporusferngehalten würden und daß eine directe Verständigung zwischen dem Sultan unddem Pascha stattfinde. Letzteres war ein Mittel zu ersten» Zweck. Als solchesdurchschaute es der russische General Murawiew, der nach Alexandrien folgte, sobaldHalil-Pascha mit Vorschlägen des Sultans dahin abgegangen war. Jbrahim's Rück-zug war nicht auszuwirken. Vielmehr gab Ibrahim den gefangenen Großvezier freiund ließ durch ihn (um nicht aus der Rolle zu fallen) den Sultan um die Erlaub-niß bitten, bis Brussa vorzugehen, sein Heer laufe sonst Gefahr, Hunger zu sterben.Da ward die Angst im Serail groß. Der Sultan ließ (am 2. Febr. 1833) denKaiser Nikolaus um Hülfstruppen und eine Hülfsflotte bitten. Hr. von VarenneSward unter der Hand von einem ruffenfeindlichen Mitglied des Divans von diesemSchritt in Kenntniß gesetzt. Der Sultan hakte allen Halt verloren. Vier mal infünf Wochen hat er die Bitte vorgebracht; vier mal hat es ihn wieder gereut.

Inzwischen kam der Admiral Roussin (17. Febr. 1833) als französischer Ge-sandter in Konstantinopel an. Drei Tage später fuhr ein russisches Geschwader von10 Kriegsschiffen im Bosporus ein. Roussin erklärte, wenn das Geschwader nichtzurückgeschickt werde, so lasse er sein Gepäck gar nicht aus Land schaffen. DiePforte war bereit die Russen zurückzuschicken, wenn seinerseits der Gesandte Kon-stantinopel „vor Ibrahim retten" wolle. Er verpflichtete sich dazu schriftlich am21. Febr. und nahm auf sich, den Frieden unter den von Halil nach Alexandriengebrachten Bedingungen abzuschließen. Das ist die Darstellung von Louis Blanc,der ausdrücklich gesteht, der Admiral habe nur ein einziges Kriegsschiff zur Ver-fügung gehabt, dasjenige, das ihn hergebracht hakte.

Man erzählt von einem Dänen, der in Erinnerung unerquicklicher Zuständeseekrank geworden, so oft er einer Admiralsuniform ansichtig ward. Ob wol der Ad-miral Noussin glaubte, seine Uniform werde Ibrahim und die Russen zurücktreiben?Er schrieb an Mehemed-Ali einen „dringenden, trotzigen" Brief, und erhielt einefeste, gemäßigte, gänzlich abschlägige Antwort. Die Pforte ihrerseits hielt auch Wort;der Neis-Efendi schrieb Hrn. von Buteniew eine Note wegen Zurücksendung des Ge-schwaders. Schade nur, daß Buteniew gar nicht für gut fand, die Note anzuneh-men. Ob nun unter solchen Umständen der Admiral Roussin Koffer und Nachtsackam Bord seines Schiffs zurückgelassen, haben wir nicht in Erfahrung bringen können;.es wird aber vermuthlich in der osmanischen Ncichsgeschichke stehen.

Das Vermittelungsgeschäft kam nun wieder an Hrn. von Varennes, der sichein großes Verdienst erworben, schon indem er den Russen dies Geschäft aus derHand genommen. Er machte sich mit Reschid auf den Weg, der ihm gestand, derSultan habe beim Abschied gesagt: verständige dich mit Varennes, und bringt die