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Zwöflter Band.
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Die orientalische Frage»

David Urquhart, sein Einfluß in der Presse und auf Wilhelm lV.

Bald nach der Unterzeichnung des Vertrags von Unkiar-Skelessi befand sich inKonstantinopel zum dritten mal ein Mann, der die politische Lage erkannte, die öf-fentliche Meinung auf den britischen Inseln und auf dem Festland Europas wach-rief, und der bestimmt schien, der britischen Politik eine neue Richtung zu geben.David.Urquhart, aus einer alten, schottischen Familie, hakte einen eigenthümlichenBildungsgang, zum Theil unter dem Einfluß von Jeremy Bentham, in seiner Jugenddurchgelebt, war mit Lord Cochrane im Jahre 1827 nach Griechenland gegangen,und hatte lebhafte Sympathien für die Griechen im Lauf seiner Beobachtungen miteinem immer lebhafter» Interesse für den Volkscharakter und die Institutionen derTürken vertauscht. Die Überzeugung, daß in der Türkei ein lebensfähiges politi-sches Element liege, lief allen hergebrachten Vorstellungen zuwider. Wie, wenn diegangbare Anschauung der türkische^ Dinge auf einem Vorurtheil beruhte? Wie,wenn eine Macht aus diesem Vorurtheil aller übrigen Cabinete steten Gewinn ge-zogen hätte?

Man muß gestehen, unter allen Vorgängen der östlichen Politik sind es vor-zugsweise die zuletzt dargestellten, die zum Vertrag von Unkiar-Skelessi führten, unddie dem dritten Eintreffen Urquhart's in Konstantinopel unmittelbar vorangegangen,welche zum Nachdenken in dieser Richtung auffoderten und mit Nothwendigkeit zudem Ergebniß leiten mußten, daß Rußland thätig und wohlunterrichtet sei, die übn-gen Cabinete aber, das englische so gut wie nur irgendeines, gleichgültig und blind.

Selbst wenn man den lebhaften Eindruck bewahrt, den jedem Denkenden dieSchriften Urquhart's bei ihrem ersten Erscheinen geben, so bleibt es doch schwer,vielleicht unmöglich, sich in die Stimmung Desjenigen zu versetzen, dem diese Wahr-nehmungen zum ersten mal als die Frucht des eigenen, selbständigen Nachdenkens, dernicht ganz mühelosen Combination zerstreutliegender Thatsachen sich entgegendrängten.

Urquhart's Auffassungen, seine Anschauungen der östlichen Politik, sind in demMaße Gemeingut geworden, daß Keiner, wenn er auch von dem Mann niemals,oder nur ganz Verkehrtes vernommen hätte, davon unberührt geblieben sein kann.Die wichtigsten Ergebnisse, die unzweideutig feststehen, werden heute von den Dächerngepredigt. Seine Gegner, Diejenigen, die ihn verhöhnen, Diejenigen selbst, derenAufrichtigkeit er mistraut und deren Stillestehen auf halbem Wege er mit unerbitt-licher Schärfe geißelt, sie stehen unter dem Einfluß der von Urquhart in Umlaufgesetzten Ideen, welche die ganze gesittete Welt durchdrungen und überall einen Bo-den gefunden haben, wo man nicht grundsätzlich den Zaren als den Retter dermenschlichen Gesellschaft betrachtet.

Fragt man nach den Mitteln, deren Urquhart bei seinem Wirken sich bedientso ist vor allem das ernste Studium hervorzuheben, mit welchem er bemüht war,die Anschauung des Orientalen, die Art, wie in dessen Auge die Welt sich spiegelt,sich zu eigen zu machen. Sein lange ununterbrochenes Leben in türkischen Familienbot ihm in dieser Hinsicht einen noch viel größern Schatz als die Vertraut-heit, die es ihm mit der Sprache des Landes verschaffte. Durch .dies Leben imKreise der Türken erklärt sich der große Einfluß, den er sich erwarb, ein Einfluß,der von Augenzeugen als ein ganz überraschender, ans Wunderbare grenzender ge-schildert wird. Wiederum aber setzte ihn die so gewonnene Kenntniß in den Stand,die Fehler ans Licht zu ziehen, welche die europäische Politik, abgesehen von allenandern Ursachen, aus Unkunde der orientalischen Vorstellungsweift' begeht.

Zwei Männer sind ihm bei seiner eigenen Ausbildung für Das, was er alsLebensaufgabe erkannte, von großem Nutzen gewesen: ein Araber, Hassuna d'Ghies,und ein Franzose, Blacque, den vieljähriger Aufenthalt im Orient und ein scharferBlick längst auf einen Standpunkt gestellt hatten, den kein europäischer Schriftstellervor ihm eingenommen.

Welcher Werth von angesehenen Türken auf Urquhart's politische Fähigkeitengelegt ward, geht daraus hervor, daß ihm einmal ein Sitz im Divan aügeboten wor-