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Die orientalische Frage.
rine kühle Antwort. Kein Widerhall für den anscheinenden Eifer Englands; Zweifelob es gerathen sei, vom Gutdünken der Admirale einen so wichtigen Schritt wie dieKriegserklärung gegen Rußland und die Türkei abhängen zu lassen; endlich der Vor-schlag, wenn Rußland Konstantinopel bedrohe (das heißt, wenn es Konstantinopel zuHülfe kommen wolle), für die englisch-französische Flotte Zulassung im Marmara- !meerc zu begehren. >
Soult ließ Mißtrauen gegen England blicken, und er war doch weit entfernt,für seinen Schützling Mehemed-Ali etwas Namhaftes wagen zu wollen. Er ließ ihnbedrohen, den Taurus solle er nicht überschreiten. Frankreich wollte nicht, daß Me-Hemed-Ali den Großmächten durch allzu heftiges Vorgehen sich verfeinde, noch daß ,er Rußland durch eine drohende Bewegung zum Schutze Konstantinopels besonders !herausfodere. Daß Ibrahim-Pascha selbst als Sieger nach der Schlacht von Nisibdurch französische Verwarnungen von weitcrm Vorgehen sich zurückhalten ließ, das wareine Nachgiebigkeit, die von Seiten Frankreichs eine bessere Anerkennung verdient hätte.
Lord Palmerston dagegen zeichnete sich durch barsche Federungen aus, wenn essich darum handelte, von Mehemed-Ali Zugeständnisse an die Pforte zu erhalten.
Der Sieger sollte Syrien herausgeben. Hätte man ihn nicht in den Besitz dieserProvinz kommen lassen, hätte man der Türkei beigestanden, Ibrahim-Pascha zurück-geworfen, so ließ sich das hören. Noch mehr. Der Kapudan-Pascha (wie unähnlichjenem Osman!) hatte die türkische Kriegsflotte dem Pascha von Ägypten zugeführt.
Lord Palmerston verlangte, Mehemed-Ali solle sie wieder herausgeben.
In Konstantinopel hatte man den Kopf verloren;„ma» war bereit, auf Alles einzu-gehen. Mehemed-Ali's Bedingungen, der erbliche Besitz Ägyptens nicht allein, sondern auchSyriens war verwilligt; Bevollmächtigte sollten diese Verwilligung dem Pascha anzeigen.
Da erhält der östreichische Jnternuntius eine Depesche aus Wien, infolge derener Alles aufbietet, um die unmittelbare Verständigung des Sultans mit dem Paschazu hintertreiben. Der französische Gesandte, Admiral Roussin, macht sofort gemein-schaftliche Sache mit dem östreichischen. Es ist unbegreiflich, daß er nicht den Din-gen ihren Lauf ließ, da durch dieses , directe Abkommen jede Dazwischenkunft Rußlandsüberflüssig und Frankreichs Wunsch einer freiern Stellung für den Pascha erfülltward. Äber der französische und der östreichische Gesandte zusammen entwarfen diekurze Note vom 27. Juli 1839 folgenden wesentlichen Wortlauts:
^ „Die fünf unterzeichneten Botschafter, gemäß den von ihren gegenseitigen Höfenerhaltenen Verhaltungsbefehlen, freuen sich, den Ministern der Hohen Pforte ankün-digen zu können, daß die Übereinkunft der fünf europäischen Mächte in Betreff derorientalischen Frage gewiß ist, und sie ersuchen die Hohe Pforte in Erwartung der >Früchte ihrer wohlwollenden Gesinnungen in gedachter Frage, ohne ihre Mitwirkungnichts Definitives zu beschließen." ^
Dies legten sie den drei andern Gesandten vor und erhielten ihre Unterschriften.Man traut freilich seinen Augen kaum. Da waren weder Weisungen noch Überein-kunft der Mächte. Hr. von Stürmer hatte Weisungen aus Wien, der Fürst Metter-nich verbürgte die Zustimmung des Äaisers Nikolaus. Frankreich und Rußland han-delten, jede Macht gegen ihr eigenes Interesse, wenn sie unterzeichneten. Von Ruß-land hieß es, wenn die Türkei keines Retters bedurfte, „Othello findet keine Arbeitmehr". Frankreich trat zwischen seinen Schützling und die nahe Erfüllung seiner !Wünsche. Das Geschehene war nicht ungeschehen zu machen. Nesselrode suchte nur !der Pforte freien Spielraum zu schaffen, überzeugt, sie werde denselben den russischenWinken gemäß benutzen. Palmerston und Metternich waren Beide zufrieden, siesahen in einem europäischen Congreß ein unblutiges Mittel zur Schlichtung der öst-lichen Wirren ohne überwiegenden Ginfluß Rußlands.
Die Convention vom 15. Juli 1840.
Lord Brougham hat gesagt: „Aus dem Vertrage vom 15. Juli hat nur Ruß-land Vortheil gezogen, wir müssen daher annehmen, daß er russische» Ursprungs ist."