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Zwöflter Band.
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Die orientalische Frage.

Rußland hatte gleich anfangs erklärt: „Etwas mehr oder etwas weniger in Syrienfür Mehemed-Ali, das ist gar nicht, worauf es uns ankommt." Und über diesMehr oder Weniger haben Frankreich und England fast ein Jahr hindurch gestritten,und England behauptet einen seiner Vorschläge als Ultimatum hingestellt zu haben;die Franzosen sagen, so haben sie es nicht verstanden. Gleichviel; Rußland wußte,was es wollte. Es wollte diesen Streit zwischen England und Frankreich, um diebeiden Mächte in der Hauptsache nicht einig werden zu lassen.

Hr. von Brunnow erschien im September in London mit dem Vorschlag, Ruß-land sollte dem Sultan Hülfe bringen, England und Frankreich sollten inzwischendie syrische Küste blockiren. Wir können nicht ermitteln, ob Louis Blanc Recht hat,wenn er versichert, Lord Palmerston würde auf diesen Vorschlag eingegangen sein,nur seine Kollegen haben es nicht geduldet. Allerdings aber liegt von dem MarschallSoult eine starke Erklärung vor (an den General Sebastian!, 26. Sept. 1839),welche mindestens schließen läßt, daß Lord Palmerston sich begnügt haben würde, einpaar englische Schiffe in die Dardanellen einlaufen zu lassen, ohne zu Gunsten Frank-reichs gleichfalls Bresche zu legen in den Vertrag von Unklar°Skelessi: „Nie wirdmit unserer Einwilligung ein fremdes Kriegsgeschwadek vor Konstantinopel erscheinen,ohne daß auch das unserige sich alsbald daselbst zeigt." Genug, Lord Palmerstonstellte in demselben Sinne die Federung, wenn die Russen, um dem Sultan Hülfezu bringen, in den Bosporus einlaufen würden, so müsse es den verbündeten Mäch-ten auch freistehen, ein paar Kriegsschiffe unter ihrer Flagge nach den Dardanellenzu senden. In der ganzen Verhandlung hatte Hr. von Brunnow immer Rußlandund England in den Vordergrund gestellt, als die Mächte, auf deren Verständigunges ankomme; Frankreich galt für „impraktikabel" und unzuverlässig. Aber der letzteVorschlag des Lords Palmerston ging über Hrn. von Brunnow's Weisungen hinaus;er mußte durchaus beim Kaiser anfragen, und er that es persönlich.

Hr. von Brunnow kehrte im Januar 1840 nach London zurück und brachte

die Erlaubniß des Kaisers mit, daß England und Frankreich je drei Kriegsschiffe soll-

ten ins Marmarameer senden dürfen, wahrend die russischen Truppen Konstantinopelbesetzen würden. Diese vom Oberherrn der Dardanellen ausgewirkte Erlaubniß er-scheint dem Lobredncr des Lords Palmerston als ein Triumph. „ Die Festigkeit desauswärtigen Secretärs hatte obgesiegt. Der Vertrag von Unklar-Skelessi war derSache nach (virtuall^) abgeschafft und sollte nicht erneuert werden." Kein Wort da-von, daß das Einlaufen der Schiffe lediglich nur verwilligt worden — es ward LordPalmerston schwer (il Im sn ooütait), schreibt Guizot, 25. Juli 1840, dies einzu-gestchen — in Betracht, daß England die Artigkeit gehabt, den Einmarsch einesrussischen Heerhaufens in Konstantinopel als verabredete Sache zu behandeln. Selbst1833 waren die Russen nicht in Konstantinopel erschienen, sondern nur in Skutari.

Soweit war man im Februar 1840. Da trat in Frankreich eine der gewöhn-lichen Ministerkrisen ein. Aus den Händen von Soult gingen die auswärtigen An-

gelegenheiten über in die bon Thiers. Gesandter in London ward Guizot. Die Unter-handlungen standen still.

Nicht aber die Intriguen. Der Trennung der englisch-französischen Allianz, demeinzigen Zweck, an welchem Rußland gelegen sein konnte, war so wohl vorgearbeitet,daß es nur eines Anstoßes bedurfte.

Der französische Gesandte in Konstantinopel arbeitete auf eine Verständigungzwischen dem Sultan und Mehemed-Ali hin. Lord Palmerston behauptet es (31. Aug.1840) im Tone des Vorwurfs. Wir sind der Meinung von d'Haussonville, daßFrankreich sich ein Verdienst erworben haben würde, wenn es ohne alle Protokolleein directes Abkommen zustande gebracht hätte. Thiers findet für nöthig, aus Re-spect ffür die von Frankreich allerdings nicht füglich zu verleugnende Collectivnote vom27. Juli 1839, das Verdienst, in seiner Denkschrift vom 5. Oct. 1840, abzulehnen.Man habe von französischer Seite nur die zarte Aufgabe erleichtern wollen, derenErfüllung Europa sich selbst auferlegt. Also man wollte das Abkommen nachher durch