Krankheiten der Säugammen. 211
Wir gehen jetzt die Mittel durch, weicheunsere Kunst; gegen die Krankheiten heyAmmen darbielet. Wenn eine bedeutende Krank-heit derselben ihren Grund in der zu häuligeaMilchaussonderung hat, so mufs die Frau aufhö-ren, das Kind zu stillen. Ferner, wenn die Ma-gerkeit ihres Körpers eine Auszehrung befurchtenläfst, wenn sie den Appetit verlieren, Nachts nichtschlafen können uncl sehr blafs aussehen, dannmufs man sogleich das Stillen des Kindes ausset-zen lassen, Mittel gegen die Schwindsucht gebenund ihnen wieder ein gesundes Aussehen verschaf-fen. Richard Morton*) beschreibt eine Art-Schwindsucht, die vom Kindersäugen herkommensoll. Er erzählt ein Beyspiel hiervon: Eine Frau,die bereits im vierten Monat ihr Kind stillte, fiengum diese Zeit an, sich sehr schwach zu fühlen,verlor den Appetit und bekam öfters Sticken;dennoch folgte sie seinem Rathe nicht, wollte nichtaulhören, ihr Kind zu stillen und statt dessen eineMilchkur brauchen. Es währte nicht lange, so be-kam sie die Lungenschwindsucht, die sich durchHusten, erschwertes Athemholen und ein langsa-mes Fieber kenntlich machte. Das beste Mittelin solchen Fällen istEselsmilch oder auch Kuh-milch, vorausgesetzt, dafs sich dies nicht etwawegen einem alizuheftigen Fieber, oder Säure inden Hauptorganen wiederum verbietet. Es ist ganzvernünftig, durch den Genufs von Milch den Ver-lust an eben diesem Nahrungssafte zu ersetzen,was man um so eher als Mittel gegen die Auszeh-rung versuchen mufs, wenn man Ursache hat zuglauben, dafs diese ursprünglich durch den Milch-verlust entstanden sey. Zuerst giebt man den Am-menEselsmilch, um sie abzuführen und ihren Kör-per von verdorbenen Feuchtigkeiten zu reinigen ;.hierauf aber Kuhmilch, um ihnen wieder zu Kräf-ten zu verhelfen. —
Wenn die Ammen an hysterischen Liebelnleiden, was besonders bey denen der Fürsten und
*) Plitln3*, cap. 6.
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