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der erhabene Kaiser Friedrich sein Ange ge-worfen, und sein Sohn zum Freund und GemahlDich auserkoren. Diesem wirst Du einen Sohngebühren, welcher sein Volk aus den Finster-nissen des Todes befreien soll. Sein Namewird gross sein unter den Menschen, denn erwird der Sprosse des mächtigsten aller Fürstensein.“ Diese Anrede erwiederte Maria mit klu-ger Demuth, in die Ideen der Bischöfe schnelleingehend: „Ich bin eine schlechte Magd mei-nes hochgebietenden Herrn. Gefällt es ihm,also geschehe es, und sein Wille ist mein Ver-gnügen.“ *)
Margarethe und die Frau von Hallewyn be-deuteten dem Glücklichen: „Die Jungfrau vonBurgund bewahre ein Nelkenblümlein; das ge-bühre seiner Gnaden zu suchen.“ Der Bräuti-gam begann mit zwei Fingern züchtiglicli dar-nach zu suchen, mocht’ es aber nicht gewinnen.Da sprach der Erzbischof von Trier, mit einerGalanterie, die dem Prälaten nicht übel anstand:
„Schnürt der Jungfrau das Gewand auf, sowird das Blümlein Euch bekannt werden.“ DerErzherzog that also; er löste bescheiden undmit zitternder Hand das Mieder Mariens undholte die Nelke von dem hochklopfenden Busen
*) J. Molinet, Chroniques. Cap. 46. „Je suis Ia pe-tite ancelle de mon trcs-excellent Seigneur. Puisqu’il iuiplaiet, qu’ainsi seit: il me doiet tres-bien plaire.“