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Maria von Burgund nebst dem Leben ihrer Stiefmutter Margarethe von York, Gemahlin Karls des Kühnen, und allerlei Beiträgen zur Geschichte des öffentlichen Rechts und des Volkslebens in den Niederlanden zu Ende des fünfzehnten Jahrhunderts aus französischen, flämischen, holländischen und teutschen Quellen / von Dr. Ernst Münch
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der erhabene Kaiser Friedrich sein Ange ge-worfen, und sein Sohn zum Freund und GemahlDich auserkoren. Diesem wirst Du einen Sohngebühren, welcher sein Volk aus den Finster-nissen des Todes befreien soll. Sein Namewird gross sein unter den Menschen, denn erwird der Sprosse des mächtigsten aller Fürstensein. Diese Anrede erwiederte Maria mit klu-ger Demuth, in die Ideen der Bischöfe schnelleingehend:Ich bin eine schlechte Magd mei-nes hochgebietenden Herrn. Gefällt es ihm,also geschehe es, und sein Wille ist mein Ver-gnügen. *)

Margarethe und die Frau von Hallewyn be-deuteten dem Glücklichen:Die Jungfrau vonBurgund bewahre ein Nelkenblümlein; das ge-bühre seiner Gnaden zu suchen. Der Bräuti-gam begann mit zwei Fingern züchtiglicli dar-nach zu suchen, mocht es aber nicht gewinnen.Da sprach der Erzbischof von Trier, mit einerGalanterie, die dem Prälaten nicht übel anstand:

Schnürt der Jungfrau das Gewand auf, sowird das Blümlein Euch bekannt werden. DerErzherzog that also; er löste bescheiden undmit zitternder Hand das Mieder Mariens undholte die Nelke von dem hochklopfenden Busen

*) J. Molinet, Chroniques. Cap. 46.Je suis Ia pe-tite ancelle de mon trcs-excellent Seigneur. Puisquil iuiplaiet, quainsi seit: il me doiet tres-bien plaire.