188
der sittig-erröthenden und in zarter Schaamerglühenden Geliebten hervor. Er küsste dieBlume sowohl als den Altar, von dem er siehinweggenommen *).
Bald darauf meldete nun der Mar sch allvon Pappenheim in Auftrag des Prinzen, dassmänniglich zu seiner Herberge kehren sollte,und so man des Dienstes begehren dürfte,würde man es schon verkündigen. Die Lieben-den, nach dem ersten Gespräch- und Griisse-Wechsel, setzten sich zu Tische; mit ihnendie Fürsten von Trier, Baden **) und Anhalt.Margarethe hatte Jedem für Unterhaltung ge-sorgt, dadurch, dass sie die schönsten Damenihnen zu Genossinnen gab. Die jungen Prin-zessinnen von Geldern und Cleve machten dieHonneurs an der Tafel. Man war daran fröh-licher Dinge bis eine Stunde nach Mitternacht.Darauf ritt Jeder nach seiner Herberge.
*) Das Reichstags-Theatrum (S. 61 u. 62.), wo mansolche erotische Gemälde schwerlich gesucht haben würde,sichert uns gegen den Verdacht eigener Ausmalung derScene. Die Offenherzigkeit, womit ein wahres Natur- undSchönheits - Gefühl, ohne Gefahr vor dem Vorwurle derIndecenz, hier sich ausspricht, bildet einen anziehendenContrast zur Tugendheuchelei unserer modernen Etikette.
**) Es war der Markgraf Karl, von Müller’n immerungeschickt von Badow genannt, welcher mit Maximiliangezogen. Nach der Chronycke van Hollandt war es Mark-graf Christoph mit seinen zwei Söhnen Adolf und Philipp.