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schweigend bei der Hand *). Der päpstlicheLegat verrichtete selbst die Feierlichkeit.
Der Bräutigam und die Braut knieten de-miithig zur Erden; sie hielten darauf einanderschweigend in den Armen. Und als ihre Blickeliebend sich einander begegnet, ergriff' sie dasGefühl ihres Glückes so mächtig, dass Beidedie Farbe wechselten und weiss wie der Schneewurden**). Margarethe aber, die Hauptschöpfe-rin dieses Glückes, schloss den Bräutigam eben-falls nun mit schwesterlicher Zärtlichkeit inden Arm, küsste ihn auf den Mund und rief:„Nun habt Ihr, wornach Ihr so sehnsüchtiglichbegehrt! “ ***)
Der Legat setzte die Ceremonie weiter fort,verlas die Erlaubniss des heil. Vaters zu die-ser Vermählung, welche wegen naher Ver-wandtschaft nöthig geworden. Er segnete siemehrmals, über Natur und Pflichten des Ehe-standes sie der Länge und Breite nach belehrend.Darauf nahm er des Herzogs Hand und steckteden Ring, welchen dieser darin hatte, an denFinger der Prinzessin, mit den Worten: „Mit
*) Chronycke v. Hollandt p. 371 — 372. Der Anzugund der Schmuck Mariens sind wohl in der bei Mieris ab-gebildeten Denkmünze der Erzählung am getreuesten nach-kommend ausgedrückt.
**) Dwelc was een teeken van terlelicker liefden.
***) Excellente Chronycke van Vlaenderen f. 191 sqq.