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Maria von Burgund nebst dem Leben ihrer Stiefmutter Margarethe von York, Gemahlin Karls des Kühnen, und allerlei Beiträgen zur Geschichte des öffentlichen Rechts und des Volkslebens in den Niederlanden zu Ende des fünfzehnten Jahrhunderts aus französischen, flämischen, holländischen und teutschen Quellen / von Dr. Ernst Münch
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schweigend bei der Hand *). Der päpstlicheLegat verrichtete selbst die Feierlichkeit.

Der Bräutigam und die Braut knieten de-miithig zur Erden; sie hielten darauf einanderschweigend in den Armen. Und als ihre Blickeliebend sich einander begegnet, ergriff' sie dasGefühl ihres Glückes so mächtig, dass Beidedie Farbe wechselten und weiss wie der Schneewurden**). Margarethe aber, die Hauptschöpfe-rin dieses Glückes, schloss den Bräutigam eben-falls nun mit schwesterlicher Zärtlichkeit inden Arm, küsste ihn auf den Mund und rief:Nun habt Ihr, wornach Ihr so sehnsüchtiglichbegehrt! ***)

Der Legat setzte die Ceremonie weiter fort,verlas die Erlaubniss des heil. Vaters zu die-ser Vermählung, welche wegen naher Ver-wandtschaft nöthig geworden. Er segnete siemehrmals, über Natur und Pflichten des Ehe-standes sie der Länge und Breite nach belehrend.Darauf nahm er des Herzogs Hand und steckteden Ring, welchen dieser darin hatte, an denFinger der Prinzessin, mit den Worten:Mit

*) Chronycke v. Hollandt p. 371 372. Der Anzugund der Schmuck Mariens sind wohl in der bei Mieris ab-gebildeten Denkmünze der Erzählung am getreuesten nach-kommend ausgedrückt.

**) Dwelc was een teeken van terlelicker liefden.

***) Excellente Chronycke van Vlaenderen f. 191 sqq.