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Historiograph von Burgund, Jean Moline/, in derschwülstigen Sprache, die ihm so sehr eigen*),in einer langen, blumenreichen Rede, welcheoftmals wie eine Predigt klingt, und welchedas Hauptthema der Sermonen des Legaten,sowie der Erzbischöfe von Trier und Mainzneben historischen Thatsachen aufgenommen zuhaben scheint. Von Bibeltexten, historischenNamen, Mythologien und Allegorien wird darinoft geistvoll, oft bis zum Ekel überladen, Ge-brauch gemacht. Maximilian, in dessen NamenMolinet tiefe Bedeutung und Winke des Schick-sals ersieht, ist ihm der vollkommenste Mensch,Ritter und Fürst; Maria die Blume, Krone undZierde der Frauen des Jahrhunderts **).
Diese historische Rede Molinets ist um somerkwürdiger, als die Grundideen und Haupt-grundsätze darin niedergelegt werden, nachwelchen die Dynastie damals geherrscht zu ha-ben scheint, und können somit zugleich als po-litisches Glaubensbekenntniss des Geschicht-schreibers gelten, welches freilich oft ein sehrbiblisch - serviles, von den constitutionnellen
*) Ueber Molinet als Dichter und Historiker vergl.das krit. Quellenverzeichniss in den Beilagen. Auch Mr. deReiffenberg „Notices sur la Bibliotheque dite de Bourgo-gne.“ Bruxell. 1829. T. I.
'*) Chroniques de J. Molinet, Chap. XI; vergl. dieBeilagen.