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Maria von Burgund nebst dem Leben ihrer Stiefmutter Margarethe von York, Gemahlin Karls des Kühnen, und allerlei Beiträgen zur Geschichte des öffentlichen Rechts und des Volkslebens in den Niederlanden zu Ende des fünfzehnten Jahrhunderts aus französischen, flämischen, holländischen und teutschen Quellen / von Dr. Ernst Münch
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zu fassen; darauf aber beweist er, dass dieVereinigung Mariens mit Maximilian nicht an-ders, als segenreich sein könne, möge man sienach dem einen oder andern der vier zu einerglücklichen Heirath durchaus nothwendigen Er-fodernisse betrachten; nämlich: nach der Weis-heit, Schönheit , dem Reickthum und der Grosse.

Nun aber stösst der Historiograph erst rechtin die Posaune, und nachdem er Maxen alsklug in der That, besonnen im Rathe, vor-sichtig in der Rede, anstandsvoll in der Haltung,gewandt in der Staatskunst, elegant in der Schrift,spitzfindig in der Untersuchung, andächtig inder Kirche, katholisch im Glauben, mildthätiggegen die Armen, human gegen seine Freunde,unternehmend gegen seine Widersacher, tapferin den Waffen, angenehm bei den Damen,züchtig im Gemüth, ausgerüstet mit Kenntnis-sen jeder Art u. s. w. hingestellt hat, preister auch eine Reihe von Tugenden an dem Fräu-lein, Tugenden, welche aus ihr ein Modellihres Geschlechts und eine zweite Rebekka,Esther oder Sybille machen müssten.

Sehr artig ist die Schilderung des zweitenPunktes, der Schönheit beider Gatten. Pygma-lion konnte nach unserm Molinet keinvollendeteres Ideal zu seinem unsterblichenKunstwerk gefunden haben, als Maxens Ge-stalt; er ist ein wiedererstandener Narziss, undwenn dem Absalon die reiche Fülle seiner schö-