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Maria von Burgund nebst dem Leben ihrer Stiefmutter Margarethe von York, Gemahlin Karls des Kühnen, und allerlei Beiträgen zur Geschichte des öffentlichen Rechts und des Volkslebens in den Niederlanden zu Ende des fünfzehnten Jahrhunderts aus französischen, flämischen, holländischen und teutschen Quellen / von Dr. Ernst Münch
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standenen Festlichkeiten war ihr erster Gangzum Grabe ihrer Mutter, welche in dieser Stadt,in St. Michaels Dom, beerdigt war. Ihr from-mes Herz strömte hier in stillen Erinnerungenund in lauten Gebeten für die Seele der Ver-klärten über. Die Ruhestätte der Todten gabihr eine stärkende Kraft und ihren Thränen zuden künftigen Stürmen des Lebens eine innereWeihe. Nach diesem trat sie wieder in denSaal der Fröhlichen und wohnte derKehrebei, weiche die Häupter der Stadt ihr zu Ehrenveranstaltet.

Während dieser Feste arbeitete inzwischenzu Lüttich schwarzer Verrath, und Wilhelmvon Aremberg entfaltete seine bösen Künste.Die von Loon boten starken Widerstand. Alser mit gefährlichen Anschlägen wider des Her-zogs Macht und Leben selbst nach Namur, wodamals das Hoflager war, sich wagte, kamenseine wüsten Dinge endlich an den Tag. Dergeheime Briefwechsel fiel in des Prinzen Hand,und er sandte den Eber , auf ein Pferd gebun-den und von vier Hellebardirern bewacht, demBischöfe von Lüttich zu. Darauf reiste Maxnach Löwen und Herzogenbosch, wohin Mariaebenfalls in Eile geritten kam. Denn ihreSehnsucht nach dem Gatten war bei der sonstfestgesinnten und starkmiithigen Frau so un-überwindlich, dass die ohne ihn verflossenenTage ihr Jahre däuchten, und der Genuss der