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bald das wichtige Ereigniss eingetreten, es un-gesäumt ihm zu melden.
Maria konnte kaum vor tiefem Herzeleidsich fassen; denn des Gatten kriegerischer Un-gestüm und thatenverlangende Jugend maltenihr im Geiste tausend Gefahren vor, welchener zur Beute heimfallen könnte. Res est sol-liciti plena timoris anior! —
Endlich, am 22. Junius 1478, während Maxi-milian gerade im Lager bei Pont-a-Vendin sichbefand, kam Maria zu Brügge mit einem schö-nen und gesunden Knaben nieder, welcher denNamen Philipp erhielt. „Das gemeine Wesenund das arme Volk jener Lande — bemerktJean Molinet — seit langer Zeit durch Tyran-nei unterdrückt, jubelten im Herzen hoch auf,und erwarteten das Ende der grossen Trübsale.Es war der Nation, als wenn sie aus der Ein-sterniss wieder hervor ans Licht gezogen wor-den, und sie achtete sich nicht minder glück-lich, als das Volk Israel, als es aus der elen-digen Dienstbarkeit des Königs Pharao sich er-löset sah. Seine Traurigkeit verwandelte sichin Freude, seine Verzweiflung in Trost, seinElend in Kraft, und zwar nicht ohne Grund.Denn das erlauchte Haus Burgund, in welchemder Tod so furchtbar gewiithet hatte, und dasdem völligen Ruine nahe war, erhielt durch dieGeburt dieses männlichen Sprösslings wiedereinen Stab für unser Alter, eine Zierde fiir
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