AngoEme — 93 — Anis
Rindenstückchcn. Häufig finden sich daran ockergelbe War-zen; innen ist die Rinde glatt, mit Längsstreifen versehen,schmutzig gelb, auf dem Bruche holzig, nicht harzig.Geruch: dumpf; Geschmack: sehr ekelhast bitter, nichtaromatisch. Diese wirkt äußerst giftig. Durch chemischeReagentien ergeben sich folgende Unterschiede zwischen derechten und falschen Angofturarinde. Der kalte Aufguß derechten wird durch Schwefelsäure stark getrübt, der der fal-schen nicht. Kohlensaures Kali bringt bei der echten einedunkelrothc, bei der unechten eine grünliche Färbung her-vor; Eisenvitriol verursacht bei der echten einen weißlich-grauen Riederschlag, bei der falschen eine grüne Färbungund leichte Trübung. Ihre Anwendung beschränkt sich aufdie Medicin wo sie besonders gegen Rühren und Fieber ange-wandt wird; ihr Gebrauch hat übrigens sehr abgenommen,seitdem 1804 die falsche Rinde mit unter der echten vorkam,und also die Aerzte sich nicht mehr auf eine sichere Wirkungverlassen konnten. In Frankreich und England ist der Ge-brauch der echten Angosturarinde in Fiebern und Diarrhöesehr allgemein; nur in einzelnen Ländern ist ihr Gebrauchüberhaupt verboten. Die echte Rinde kommt aus Amerikain Ballen zu 30 bis 60 Kilogr. in breiten Blättern voneiner Palmenart eingepackt.
Augoultnne, Stadt und Hauptort des Depart. derCharente in Frankreich, mit 18,600 Einw.; 43» 38^ 37"n. Br. 2" 1<p 37" w. L. Sie besitzt einen schönen Hafenin der Charente, und ist einer der Hauptstapelplätze desHandels von Bordeaux und dem größer» Theile der südli-chen Departements. Der Handel mit Branntwein ausden zahlreichen Brennereien, mit Gewürzen, Salz, Trüf-feln, Seife, Papier der vielen und vorzüglichen Fabrikenist beträchtlich. Auch giebt es hier Fabriken für Leinwandund ordinäre Zeuge, Baumwoll- und Wollspinnereien,Gerbereien, Färbereien, Spielkarten, Chocolate, Papier-leim, Fayence; Eisenwerkstückgießereien, Maschinenbau-werkstätten. Die Papiermühlen von Angoulöme habeneinen wohlverdienten Ruf, und ihre Erzeugnisse gehen nachganz Europa. Die Rcbhühncrpasteten mit Trüffeln, welchein dieser Stadt gemacht werden, sind ebenfalls berühmt.Außer den Dcpartemental-Behörben bestehen hier ein Civil-und ein Handels-Tribunal, eine Berathungskammer fürKünste und Manufakturen (Llisnibro consultalive äcs srtset nuniulacluros), mehrere Brand-Assecuranzen, eine Bankfvanguc clo b'rsneo), mehrere Bankiers. Der Markt am14. Jan. dauert, wie die zwei Märkte am 24. Mai und24. Aug., acht Tage; ferner giebt es monatliche Märktean jedem 13., und zwei wöchentliche.
Augster, eine schweizer kupferne Scheidemünze,von welcher 4 auf 1 Kreuzer gehen.
Aiihalt-Bovuburg , s. Bern bürg.
Auhalt-Dessau, s. Dessau.
Auhalt-Kstthen, s. Köthen.
Aul-aug, Alvnge, zu einem Wechsel, s. Wech-selgeschäft.
Anil, s. Indigo.
Anime, Fluß harz, lat. <:»,»,ni oder richtiger l!o-rm» 4nime; franz. Komme änime; engt. 6um 4nnn(>.Unter diesem Namen kommen im Handel mehrere ganz ver-
schiedene Harze vor, was zum Theil auch daher rührt, daßin England der Copal als 4mme verkauft wird. Manunterscheidet folgende zwei Sorten: 1) WestindischesAnime, kcsms saune ocoläonwlis. Unregelmäßige, bishühnereigroße, unebene, selten scharfeckige, mit einem gelb-lichweißen Pulver bestaubte Stücke, an denen man öftersUeberbleibsel von Bast bemerkt. Die Farbe ist gelblichweiß,gelblich, bräunlich, außen matt, auf dem Bruche schwachharzglänzend; jedoch gilt dies nur von den dunkeln Stücken.Die helleren, weniger trüben, einigermaßen dem an derLuft gelegenen weißen Arsenik ähnlichen Stücke, zeigenmitunter Wachsglanz oder auch schwachen Harzglanz. Ge-ruch: schwach, fenchelartig; in der Hitze unter dillähn-lichem Gerüche schmelzend und sich ganz verflüchtigend;theilweise in Alkohol löslich mit Aurücklaffung eines gluti-nösen, in Wasser unlöslichen Rückstandes. Diese Sortekommt ziemlich häufig im Handel vor, wird aber häufigmitCopalgummi verfälscht. 2) Ostindisches oderOricn-talisches Anime, Uesina 4nimo »rioiuslis. Kleine meisthaselnußgroße, eckige, gelbliche oder röthlicbgelbe Stücke.Auf dem Bruche bemerkt man häufig verschiedene Lagen,während andere Stücke ganz gleichförmig erscheinen. Auchbricht es leichter als das westindische Anime; es läßt sichzwischen den Fingern zu feinem Pulver zerreiben und ent-wickelt dabei einen Geruch, der zwischen Fenchel und Dillsteht. Diese Sorte kommt selten in den Handel. Was dieAbstammung des Anime betrifft, so ist man darüber nochin Zweifel. Die Meisten nehmen an, daß es von Ilvmensesttourbsril, I... einem in Mejico, Brasilien und auf denAntillen wachsenden Baume, herrühre. Gebrauch: inder Arzneikunde zu Pflastern ». dgl., ferner zu Rauche-rungen und Firniß.
Anis, der Same der Anis-Bibernelle, l'ünpmi-IIsAnisum, I.., franz. 4ms., cngl. 4mscoä, dänisch, schwe-disch, russ. 4nis, ital. 4niev, span. 4ms, »swlsbuxs,portug. Ilerbaäoeo, holl. 4nvs, pol». 4nvr, einer Pflanze, diein der Levante und in Italien einheimisch ist, und bei unshäufig gebaut wird. Er ist I',. Linie lang, oft mit einemdünnen Streichen versehen. Die rundlichen Körner werdendurch eine gedoppelte Furche gebildet, die eiförmig und mit10 vorstehenden weißen Rippen versehen und mit angedrück-ten Pflanzenfurchen bedeckt ist. Farbe: graugrün, innenbraun; Geruch: eigenthümlich gcwürzhaft und angenehm;Geschmack: süßlich aromatisch. Beides von einem äthe-rischen Oele (Anisöl, s. d. folgd. Art.) herrührend. —Wenn der Same reif ist, wird er wie Getreide ausgedro-schen, von der Spreu gesondert, getrocknet und entwederin Säcke verpackt oder auf luftige Böden geschüttet, wo eraber nur 1'/- Fuß hoch liegen darf und häufig umgestürztwerden muß; geschieht dies nicht, so bäckt er leicht inKlumpen zusammen und wird schwarz. Der Anis hält sichzwar Jahre lang, wenn er gut aufbewahrt wird; doch ver-liert er mit jedem Jahre an Gewürzhaftigkeit. Unbrauch-bar sind die mulstrig gewordenen, schimmliche», schwarzenKörner. Durch Einkalkcn kann man seine Haltbarkeit ver-mehren. Verfälschungen: durch Anfeuchten, um dasGewicht zu vermehren; durch Beimengen einer grauen tbo-nigen Erde, die von manchen Betrügern ordentlich geformtund geschickt gesiebt wird, so daß sie dem Anissamen ahn-