Bajocho
192
Baldnanöl
Baja, Bäs, Flecken und Hauptort im bacser Co-mitat in Ungarn, an der Donau, 46» 10' 26" n. Br.36° 38' 20" ö. L., mit 11,800 Einw. und beträchtlichemGetreide - und Schwcinehandcl.
Bajocho, Bajocco, eine päpstliche Kupfcrscheide-münzc, — 3,160 neue preuß. Pfennige.
Baku , Badku, befestigte Stadt im russischen Kau-kasien, auf der Südseite der Halbinsel Apscheron an derWestküste des kaspischcn Meeres, die seit 1801 den Russengehört, 40° 21' 20" n. Br. 47° 30' 43" ö. L., mit 3000bis 6000 Einw. Die Stadt liegt an einer weiten, aufallen Seiten geschlossenen Bucht, mit einer Rhede, die niezufriert, während die von Astrakhan während sechs Mona-ten mit Eis bedeckt ist. Die Schiffe werden hart am Marktbeladen. Ein Uebelstand ist der schlammige Untergrund,weshalb die Schiffe zuweilen losgetricben werden, und daßdas Schiffbauholz von Cuban hergebracht werden muß. Dieganze Gegend ist so sehr mit Naphtha geschwängert, daßman es zum Brennmaterial an Ort und Stelle und auchanders benutzt. 13 Werst ONO. von Baku brennt dasselbefortwährend, aus den Erdspalten mit Geräusch hervorströ-mend. Dies sind die Großen Feuer, die von den Ein-gebornen Atesch-Gah genannt und göttlich verehrt wer-den. Haupthandelsartikel sind Naphtha und Salz, vondenen jährlich für ohngefähr 500,000 Rubel nach Persienausgeführt werden.
Balance, Balanciren, s. Bilanz, Bilan-ziren.
s. Behennüsse.
Balassoratüchcv, vollossoros, ostindische Zeuge,die zu Balassora aus dem Baste eines Baumes gewebt wer-den und durch den englischen Handel nach Europa kommen,in Stücken 8 Ellen l. und °/, Ellen br.,
, die venetianischen Goldstoffe (Dropscl'or), die für die Levante bestimmt sind.
Baldriauwurzel (Ilollix Volorionoo), die Wurzel desKatzenbaldrians (Voloriono ollicinolis, b.; Iloclix Vo-lorianoo minoris) , einer Pflanze, die auf feuchten Wiesenund Grasstellen, in Büschen, Hecken, Wäldern, an altenMauern, im Stcingerölle, in nicht zu leichtem Boden, inEbenen oder auf niedrigen Bergen wächst, und zwar durchganz Deutschland, die Schweiz, Oesterreich, Mittel- undNordfrankreich, England, Scandinavicn mit Ausschluß vonLappland, Preußen, Rußland. Sie blüht im hohen Som-mer (Juni und Juli). Man sammelt die Wurzel, ehe derStengel hervortreibt, und nur dieWurzelblättcr da sind, imFrühjahr, trocknet sie schnell, reinigt sie von der anhängen-den Erde durch Schütteln, Klopfen und Absieben und be-wahrt sie dann gut in trockenen Behältern auf. An demkleinen, fingerdicken, rundlichen Wurzclstocke befinden sichviele, mehrere Zoll lange, rabenfederkieldicke Fasern, die,selbst wenn sie getrocknet sind, die runde Gestalt noch be-halten, von bräunlicher, mit der Zeit dunkler werdenderFarbe. Man nennt sie auch die kleine Baldrianwur-zel, oder Iloclix Valo,'. svlvcslris, Waldbaldrianwurzel.—Geruch: eigenthümlich unangenehm, dem Katzenurin ähn-lich. — Geschmack: bitterlich, scharf, gewürzhaft. —Gebrauch: der Baldrian ist eines der wirksamsten und
kräftigsten Arzneimittel bei Nervenschwäche, Krämpfen,Würmern, Schwindel, Ohnmacht ic. — Verwechselun-gen: erwirb verwechselt und verfälscht mit den Wurzelnanderer Baldrianarten, deren Wirkungen schwächer sind.Die Wurzel der Volorioao I'bu (Iloclix Volorionoo moiorls)unterscheidet sich dadurch, daß sie schiefaufsteigend, länger,mehr spindelförmig, geringelt und nur an der untern Seitemit Fasern versehen ist, äußerlich aschgrau oder bläulichgrau,und inwendig weißlich aussieht und einen unangenehm bit-tern, weniger scharfen Geschmack hat. Die Wurzel derV. clioico oder Sumpfbaldrian, ist waagerecht, fastkriechend, rund und dünn, blasser, und nur an den Knotenin Zwischenräumen mit Fasern besetzt, dabei viel unkräftigeran Geruch und Geschmack. Die Verfälschung mit Ranun-kelwurzeln wird leicht am Mangel des eigenthümlichen Ge-ruches derselben erkannt.
Eine andere Art, der celtische Baldrian (IloclixVolor. ccllicoo , oder IVorckus celtico , auch 8pico eollico ge-nannt, wird vorzüglich in Frankreich gebraucht und vonden Alpen bezogen.— Der virgi nische Baldrian istdie virginische Schlangen Wurzel (Iloclix Sorpcn-tarioe virginionoo) , die im Geschmack und Geruch der Bal-drianwurzel ähnlich ist. — Die Javaner haben eine PflanzeVoloriono jovonico, DIum.
Baldrian!)!, Oleum Volorionoo, ist ein äthe-risches Oel, das aus frischer oder getrockneter Baldrian-wurzel (liocklx Volor. vkliclnolls) bereitet wird. Es besteht(nachGerhardt) aus zwei Oelen, einem sauerstofffreicn undeinem sauerstoffhaltigen, nebst drei anderen Stoffen alsNebenbestandtheilen, besonders einem kamphcrartigcn, innicht immer gleicher Menge, und einem harzartigen. Frischist das Oel blaßgelb oder gelbgrünlick, mit der Zeit unddurch den Zutritt der Luft wird es bräunlich, harzigdick,sauer, und vermöge der sich darin immer mehr entwickeln-den eigenthümlichen Baldriansäure übelriechend. Im fri-schen Zustande ist der Geruch durchdringend stark baldrian-artig, der Geschmack gewürzhaft, bittcrkamphcrartig, unddas specifische Gewicht — 0,1044. In Aether und Alkohollöst es sich leicht, im Wasser schwer auf; mit Salpetersäurefärbt es sich blau und geht in Sauerileesäure über. DurchDestillation mit Wasser über llogncsio olb. wird es hell undfarblos, reagirt nicht mehr sauer, und erhält einen ange-nehmeren Baldriangcruch. — Das sauerstofffrcie Oc!gewinnt man durch Destillation mit Kali. Dies ist farblos,hat einen dem Terpentinöl ähnlichen Geruch, und bleibt inder Lust unverändert; wird es aber wiederholt mit Kalilaugedestillirt, so verwandelt es sich in krhstallisirten Kampher,den man B orncol nennt. — Das sauerstoffhaltigeOel bleibt bei der ersten Destillation zurück. Erhitzt mandiesen Rückstand einige Zeit, läßt ihn dann erkalten, so kry-stallisirt er in farblosen, durchsichtigen Prismen; der Lustausgesetzt, wird es nach und nach harzigdick und zugleichsauer, ganz den widrigen eigenthümlich baldriansauernGeruch annehmend. Vitriolöl löst es mit blutrothcr Farbeauf. Aus diesem Bestandtheil des Baldrianöls gewinntman die Baldriansäure durch Destillation mit Wasser,das dann bei gelinder Wärme mit kohlensaurem Ratrumneutralisirt und bis zur Trockenheit abgedampft wird. Dieseist eine farblose, ölartige, lcichtbewcgliche Flüssigkeit, hat