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Erster Band. A - G.
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Baumwollenmanufaktur

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Baumwollenmanufaktur

Manufaktur aus. Freilich ist die deutsche und österreichischeBaumwollenmanufaktur von der englischen Industrie imBezug von Garn für die Weberei noch immer sehr abhängig.Der deutsche Zollverein allein verbrauchte bisher ohngefährein Drittheil des aus England ausgeführten Baumwollen-garnes, und Sachsen davon den größten Theil, währendPreußen etwa >/5 oder nur >/s der Gesammteinfuhr bezog.Diese Einfuhr nebst Ausfuhr und Durchfuhr von Baum-wollengarn seit dem Bestand des deutschen Zollvereinsbetrug:

Jahr

Einfuhr

Ausfuhr

Durchfuhr

1832

177,863

60,727

173,322 Ctr.

1833

130,280

39,702

182,464 -

1834

237,746

83,672

60,074 -

1833

231,340

40,372

74,328 -

1836

317,063

39,797

89,432 -

1837

328,748

44,964

61,416 -

1838

370,374

47,423

76,133 -

1839

368,161

61,081

73,733 -

1840

437,473

80,073

82,723 -

1841

440,892

80,736

73,684 -

1842

483,137

88,074

90,184 -

1843

457,426

33,364

78,378 -

1844

315,303

42,273

71,011 -

Der Ausfall des Verkehrs in Baumwollengarn im I.1844 gegen das I. 1842 ist bedeutend. Wie die im I. 1846geschehene Erhöhung des Zolls auf eingeführtes Baumwol-lengarn im Zollvereins-Tarif wirken wird auf den deutschenManufakturbetrieb, das muß der Erfolg belehren. Esbleibt bis dahin die Frage: werden die inländischen Spin-nereien dem Bedarf der Weberei vollkommen genügen kön-nen, damit die deutsche Manufaktur die Konkurrenz mit derenglischen auf den auswärtigen Märkten bestehen kann?

Bemerkenswerth ist die Steigerung der Ausfuhr vonBaumwollenwaaren im deutschen Zollverein, die sich von?»I. 1831 bis 1839 mehr als verzehnfachte. Dies geschahnamentlich durch die Thätigkeit der Fabriken in Sachsenderen Bezirke das Erzgebirge, und hier vorzugsweise Chem-nitz mit der Umgegend, so wie das Boigtland und die Ober-Lausitz sind. Auch Preußen, Baiern, Würtemberg, Badenleisten in der Baumwollenfabrikation nicht Unbedeutendes.Im Allgemeinen betrug die Einfuhr und Ausfuhr vonBaumwollenwaaren im Zollverein:

Jahr

Einfuhr

Ausfuhr

Durchfuhr

1831

12,130

18,422

— Ctr.

1832

14,189

25,884

- -

1833

12,933

23,324

- -

1834

13,340

74,063

- -

1833

13,808

81,243

— r

1836

16,430

84,273

- K

1837

13.343

75,193

42,213 -

1838

16,6Z6

88,001

44,430 -

1839

16.321

100,766

46,150 -

1810

18,280

97,768

80,306 -

1841

18,448

87,013

30,066 -

1842

13.692

72,569

46,839 -

1843

10,487

74,800

48,207 -

1844

9313

81,273

32,008 -

Ueber die Produktion der einzelnen deutschen Staaten,s. diese Artikel, Baden, Baiern, Sachsen, Würtemberg !c.

In Sachsen wurde die Baumwollenmanufaktur im 16Jahrhundert während der Regierung des großen Gcwerb-sreundes, Kurfürst August, durch schweizerische Emigran-ten, welche Religionsbedrückungen aus ihrem Vaterland?trieben, in Hof (der Hauptstadt des brandenburg. Voigt-landes) und in Plauen eingeführt. Der voigtländischeKreis wurde dadurch der Hauptsitz dieses Industriezweigesund erhielt dadurch zum Theil Eigenthümlichkeiten in seinerVerfassung. Anfänglich fertigte man nur sogenannte»baumwollenen Schleier, 3>/, Elle lang und Elle breit,welchen Siebenbürgen und Griechen in Menge zu Türken-bünden ankauften. Unter den damaligen Schleierhändler»war Wolfgang Pfündel einer der bedeutendsten. Inder Mitte des 17. Jahrh, bildeten die Schleier- oder Bin-den-Weber eine Zunft, die einige Zeit blos unter Konfir-mation des plauenschen Rathes stand, sodann aber von derhöchsten Landesobrigkeit confirmirt wurde und bis auf dieneueste Zeit unter der Commerciendeputation in Dresdenstand. 1630 fertigte man den ersten baumwollenen Flor,60 Ellen lang, Elle breit, der schwarz gefärbt von demgemeinen Manne zu Halsbinden getragen wurde. 1693wurden unter Direction eines leipziger Kaufmannes, Joh.Friedr. Schild, 8, 6 und 7 Viertel breite Weiberhals-tücher, auch glatte, dicht gearbeitete Kattune gefertigt undzum Drucken auswärts versendet. Im I. 1700 lieferteman verschiedene Sorten weißer Kattune zu Vorhängen,Schürzen u. dcrgl. Bis 1730—32 ward die ganze Manu-faktur nur von Frauenzimmer» und solchen Mannspersonenbetrieben, welche das Weben nie handwerksmäßig gelernthatten. Nun nahm man auch gelernte Weber auf, die je-doch entweder um Lohn arbeiten, oder ihre selbst verlegtenWaaren roh an Schleierhändler verkaufen mußten. Warensie aber (wie noch jetzt) bei der Schleier- und Handclsin-nung aufgenommen, so konnten sie auch bleiche», Messenbeziehen, Versendungen von Haus aus machen ic. Dererste, solchergestalt in die Zunft aufgenommene Weber warChristian Markstein der ältere, der in der Folge ein reicherSchleierherr und Spinnerei-Aufseher ward. 1738 begannman, klein - und gropgegitterte, 1739 schmal-, Mittel - undbreitgestreifte Zeuge zu fertigen. So ward nach und nachdie Zahl der Artikel vermehrt, die Waare immer feiner ge-liefert und die Manufaktur, welche sonst nur in Plaue»ihren Sitz harte, breitete sich im ganzen Voigtlande undin einem Theile des Erzgebirges aus. Hinsichtlich derFeinheit und Zurichtung mag zwar vielleicht der voigtländ.Mousselin, — hier der allgemeine Name aller Baum-wollenwaaren, die häufig auch nur „Plauensche Waare',oder „Plauensche Zeuge" (nach dem Hauptsitze der Manu-faktur) genannt werden, — dem guten ostindischen und eng-lischen nie ganz gleich gekommen sein, wohl aber übertrafer diesen gewöhnlich an Weiße, indem das Elsterwasscr sichganz vorzüglich zum Bleichen eignet. Ehedem gab es nurin Plauen Bleichen, jetzt aber bestehen dergleichen auch inLengefeld, Oelsnitz, Auerbach, Pausa, Treuen u. a. O.Was beim Klöppelwesen (s. d. Art.) die Spitzenherren, dassind bei der Baumwollenmanufaktur die Schleier Her-ren,— so genannt, weil sonst viel, ja fast nur Schleier