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Erster Band. A - G.
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Bittersalz

800 --- 1 loman. Ihr Werth ist ohngefähr 10 Pfennigepreußisch.

Gift-, Schlangen- oder Nat-terwurzel. Die Wurzel des Wiesen- oder Ratterknöterigs,koljgouum Oisiorla, I.., einer in Deutschland sehr häufigenPflanze, die als ein gutes adstringirendes Arzneimittel inden Drogueriehandel kommt. Die zusammengedrückte,harte, gebogene, mit ringförmigen Runzeln versehene Wur-zel ist immer röthlichbraun und besitzt einen sehr starken, zu-sammenziehenden Geschmack. In Sibirien werden die Wur-zeln, nachdem sie einmal ausgekocht sind, gegessen; sie könnenauch zum Gerben benutzt werden.

Bit, Bitts, eine Silbermünze auf Jamaica und an-deren englischen Inseln in Westindien, 6 Pence; 8 Bits

— 6 Schilling, und 32 Bits --- 3 Piaster; 1 Bit ohngefähr

— 4>/, Sgr. preuß.

Bitterholz, s. Quassia.

Bitterklee, Fieberklee, Dreiblatt, llerka tri-lvlü llkrini, ist eine in Europa, in Morästen, an den Teichenund Seen, auf nassen Wiesen wild wachsende Pflanze, derenBlätter lebhaft grün, länglich eiförmig, zwei bis drei Zolllang, glatt, ganzrandig, ziemlich langgestielt sind, die immerdrei beisammen stehen, einen sehr bittern Geschmack und ei-nen schwach widerlichen Geruch haben. Der bittere Stoffkann durch Destilliren in Wasser oder besser in Weingeistausgezogen werden. Der Gebrauch ist magenstärkend, aus-lösend, reizend, schweißtreibend, wurmwidrig. In derBieh-arznei braucht man die getrockneten Blätter; auch in derBierbrauerei und der Destillation bitterer Branntweine.

Bittersalz, englisches- oder Epsom-Salz;saidschützerSalz; schwefelsaure Talk- oder Bit-ter-Erde, lat. 8al amarum, Kagnesis sulplnirwa; franz.8e> smor, 8ol ä'Lpsom; engl. Mtersall, Lpsomsall; ital.8ale amaro, 8ale calariico ä'lnzlnlterra. Es kommt in derNatur theils im Meer- und Soolwasser, selbst im Brunnen-wasser aufgelöst vor; solche Quellen liefern ein bitter, salzigschmeckendes Wasser, Bitterwasser. Die älteste be-kannte ist die zu Epsom in Surrey in England, in welcher1693 das Bittersalz entdeckt wurde, aber auch in Böhmenzu Saidschütz, Sedlitz finden sich solche Bitterwasserquellen,so wie zu Püllna, unweit Brüx. Endlich wittert auch hieund da schwefelsaure Bittererde aus der Erdoberfläche aufdem schweizer, böhmischen und Harzgebirge, von den älterenMineralogen Haarsalz genannt; sie findet sich auch in derAsche verbrannter Vegetabilien.

Gewinnung des Bittersalzes: 1) aus denBitterwassern. Diese Wasser sind kohlensaure Wasser, ent-halten außer der schwefelsauren Talkerde noch schwefelsauresNatron, besonders das püllnaerWasser, schwefelsaures Kali,kohlen- und schwefelsauren Kalk rc. In einem Pfunde said-schützer Wasser fand man gegen 79 Gran Bittersalz, impüllnaer 68. Man dampft die Bitterwasser in großenPfannen ab und läßt die concentrirte Salzlauge in hölzer-nen Gefäßen krystallisiren. Das so gewonnene Salz schießtgewöhnlich in kleinen nadelsörmigen Säulen an, ist unrein,enthält Chlormagnesium oder salzsaure Lalkerde, weshalbes immer feucht bleibt.

2) Aus dem Meerwasser, aus der Mutterlauge von

der Gewinnung des Seesalzes. Man gewinnt es hierausdurch Abdampfen der Mutterlauge während des Winters,wodurch noch ein Antheil Kochsalz zuerst sich abscheidet undalsdann bei'm Hinstellen in Kühlgefäßen an der kalten LustBittersalz in Krystallen anschießt. Man rechnet zu Lyming-ton auf 100 Centnec Kochsalz 4 bis S Centner rohes Bitter-salz, welches durch Auflösen und Umkrystallisiren gereinigtwird.

3) Aus der Mutterlauge der Salinen, welche theilsEhlormagnesium oder salzsaure Talkerde, theils schwefelsaureTalkerde mit schwefelsaurem Kali verbunden, wie in Schö-nebeck, enthalten. Wenn man 2 Theile dieses Doppelsalzesund 1 Theil Kochsalz in möglichst wenig Wasser auflöst unddie Auflösung im Winter einer Kälte von — 12.3° aussetzt,so bildet sich dadurch Glaubersalz und Ehlormagnesium.Ersteres scheidet sich in Krystallen ab, und durchs Abdampfenerhält man schwefelsaures Kali, während das Chlormagne-sium zurückbleibt. Um aus dem Chlormagnesium Bittersalzzu gewinnen, vermischt man die Mutterlauge mit schwefel-saurem Natron, und läßt es bis höchstens 80" erwärmt ab-dampfen. Hierdurch erzeugt sich Chlornatrium oder Koch-salz, welches aus der Auflösung sich absetzt, und Bittersalz,welches nach dem Abscheiden des ersteren aufgelöst bleibt unddurch Abdampfen in Krystallen gewonnen wird. — Allesvon den chemischen Fabriken in den Handel kommende Bit-tersalz ist selten ganz rein und besteht meist in kleinen spie-ßigen Krystallen. Bei'm ruhigen Erkalten schießt es in grö-ßeren, sechsseitigen, glatten Krystallen an. Gewöhnlich ent-hält es salzsaure Bittererde. Die Beimischung von Metall-salzen wird durch Glühen oder besser durch Kochen mit et-was weißer Magnesia, dann heiß filtrirt und darauf erfol-gender Krystallisation entfernt.

4) Man gewinnt ferner Bittersalz in der Nähe vonGenua aus Talkschiefcr, welcher reich an eingesprengtemSchwefelkies und Kupferkies ist. Dieser Talkschiefer wirdgeröstet, eine Zeit lang der Luft ausgesetzt, vor dem Regendurch leichte Schoppen geschützt und von Zeit zu Zeit benetzt.Es orydirt sich dadurch das Schwefeleisen oder Schwefelku-pfer, und es bilden sich schwefelsaure Metallsalze, die jedochan die vorhandene Bittererde einen beträchtlichen Theil ih-rer Säure verlieren; sobald sich eine Salzkruste an dem ver-witterten Schiefer zeigt, wird derselbe mit Wasser ausge-laugt. Um die Metallsalze zu zersetzen, verfährt man also:ist es hauptsächlich nur Eisenvitriol, so setzt man Kalkmilchhinzu, wodurch Gyps und Eisenoxyd sich präcipitiren, waraber auch merklich Kupfervitriol gelöst, so steckt man Eisenin die Lauge, um dadurch das Kupfer metallisch zu fällen,und verfährt dann, um den Eisenvitriol zu entmischen, wieangegeben. Darauf wird die klare Lauge abgegossen und inPfannen versotten. Das hierdurch erhaltene Bittersalz istnie frei von Eisen- und Kupfervitriol.

8) Oft enthält der Alaunschiefer einen ziemlich bedeu-tenden Gehalt an Bittererde; dann benutzt man die Mutter-lauge des Alauns zur Gewinnung von Bittersalz, welchesin ihr noch aufgelöst ist. In Schweden gewinnt man aufdiese Weise zu Garphyttan eine beträchtliche Menge Bitter-salz von vorzüglicher Reinheit.

Das Bittersalz krystallisirt, mit 81 Proc. Wasser ver-bunden, in farblosen, d. h. in völlig weißen, vierseitigen