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Erster Band. A - G.
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Bobbinet

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Bodmerei

benutzt. Die Eisenbergwerke in Sachsen, Böhmen, Schle-sien, Frankreich, England, Schweden liefern ihn in Menge.

Bobbinet, benannt vom engl. bobkin, Spule, nee,Netz, heißt gewöhnlich Spitz eng rund, französisch lulle,ein auf einer besondern Maschine gemachtes netzartiges Ge-webe, wie der einfache, glatte Klöppelspitzengrund; eben sogleichmäßig und fest, wie dieser, aber vorzüglicher als derPetinet, welcher auf Strumpfstühlen gefertigt wurde, undgewissermaßen den Weg zur Erfindung des Bobbinet ge-bahnt hat. In dem feinen Netz, woraus der Bobbinet be-steht, bilden die als Kette und Einschlag regelmäßig ver-schlungenen Fäden regelmäßige sechseckige Löcher oder Ma-schen. Die Eigenthümlichkeit des Bobbinetnctzgewebes zeigtsich darin, daß es aus der Bereinigung dreier Systeme oderAbtheilungen von Fäden entstanden ist, und nicht aus ein-facher Kette und Einschlag. Die Ketten-Fäden laufen inder Länge des Stückes neben einander, und um dieselbenschlingen sich die Fäden des zweifachen Einschlags, so daß siesich, ein Theil von der Linken zur Rechten, der andere Theilvon der Rechten zur Linken laufend, einander zwischen denKettenfäden kreuzen. Uebrigens kann man die Kettenfädenauch Längenfäden, und die Einschlag- oder Schlingfädcnauch Schrägsäden nennen. Die letzteren befinden sich aufsehr schmalen Messingspulen, die jede in einer kreisrundenOeffnung einer Eisen- oder Messingplatte, des sogenanntenSchlittens, coiiioge, eingesetzt ist. Die regelmäßige Ver-engung ist wesentlich.

Das gewöhnliche Material zum Bobbinet ist zweifädiggezwirntes Baumwollengarn von Nr. 180 bis 230; zuwei-len wird jedoch auch stark gedrehtes einfaches Garn vongröberen Nummern genommen, indessen nicht zum Vortheilder Schönheit und Güte des Stoffes. In der Breite von1 Vard sind 648 bis 1008 Kettenfäden; 18 bis 28 auf 1engl. Zoll, wenn das Gewebe sich noch auf der Maschine be-findet, was aber durch die Anspannung bei der Appreturmehr oder weniger verändert wird. Die Breite der Bobbi-»et-Stücke ist sehr verschieden, von 12 bis zu 20 Viertel.Die schmalen, oft nicht über >/4 Zoll breiten Besatz-Strei-fen, Entoi lagen, werden nicht einzeln, sondern vereinigt, durch einen Kettenfaden, der nach der vollständigen Ferti-gung ausgezogen wird, gearbeitet. In der Bobbinctfabrik-sprache bezeichnet das Wort R a ck diejenige Länge des Zeugs,welche 240 Maschen oder Löcher nach der Länge der Ketten-fäden enthält. Die Löcher im gut gearbeiteten Bobbinetsind mehr lang als breit. Die Feinheit des Gewebes wirdl nach der Anzahl der Spulenschlitten auf 1 engl. Zoll derKämme bemessen, und man benennt danach die Maschinen8-, 10- bis 14-Points-Maschinen. Eine 12-Points-Ma-, schine enthält in jedem der beiden Kämme 12 Schlitten auf! t Zoll, also in der Kette auf 1 Zoll Breite 24 Kettenfäden! oder eben so viel Löcher, und arbeitet, wenn das Stück Zeug

Bards oder 180 Zoll breit ist, mit 4319 Spulen. Dasgewöhnliche Verhältniß in Länge und Breite der Löcher ist:t6 Löcher auf 1 Zoll Länge bei 10 Schlitten oder Spulenauf 1 Zoll Breite, also bei einer 10-Points-Maschine.

In England werden Bobbinetmaschinen auch durchDampfkraft in Bewegung gesetzt, wodurch der Betrieb derHandmaschinen sehr beeinträchtigt worden ist. Durch

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Dampfkraft getriebene gute Bobbinetmaschinen könnenwährend 18 Arbeitsstunden 360 Racks, also 4800 Maschen-reihen fertigen. Daraus wird der so niedrige Preis diesesZeuges erklärlich. Vor 20 Jahren betrug der Arbeitslohnfür ein Rack 3>/2 Schilling, jetzt nur 1 Penny; damals derPreis für 24 Rack, S Viertel Pards breit, 17 Psd. Ster-ling, jetzt 7 Schilling.

Der erste Versuch zur Verfertigung der Nottingham-Spitzen auf einer Maschine wurde 1768 von Hammond, aberder erste Versuch einer Bobbinetmaschine im Jahr 1799 ge-macht. Das erste erfolgreiche Patent erhielt Heathcoat imJahr 1809. Darauf wurde die Bobbinet-Maschine vonVerschiedenen verbessert, und im Jahr 1817 oder 1818 wen-dete Heathcoat zuerst die drehende Bewegung an, wodurchder Betrieb der Maschinen durch Wasser oder Dampf mög-lich wurde.

Im Jahr 1820 wurde die erste Bobbinetmaschine inFrankreich aus England eingeführt, und seitdem ist de-ren Zahl bedeutend, bis über 1300, vermehrt worden. —Die in Sachsen zu Chemnitz auf Aktien im Jahr 1831gegründete, und nach Harthau verlegte Bobbinet-Fabrih istwieder aufgelöst. Vergl. Spitzen, Tüll.

Vocale, Boccale, Becher, Pokal, ein italieni-sches Flüssigkeitsmaaß, besonders für Wein, dessen Größe anden verschiedenen Orten sehr abweichend ist.

Boccadillos, s. Leinwand.

Boccages, s. Leinwand.

Boccassins, ein mouffelinartig gewebtes, ziemlichfeines Baumwollzeug, besonders in Morea und Natolien ge-webt, 7 bis 12 Arta lang und V- Pik breit.

Bockdorngummi, s. Traganth.

Bockfelle, sind die Felle von Ziegen, und ein bedeu-tender Handelsartikel, sowohl roh als zugerichtet. Sie wer-den zu Beinkleidern, Etuis rc. verarbeitet, haben aber im-mer einen unangenehmen Ziegengeruch.

Bockshornsame, s. griechische Heusamen.

Bodcnholz, heißt im Handel überhaupt alles eichene,buchene -c. Holz zu Tonnen- und Faßbödcn, in Stücken von2 Zoll Dicke und 3 bis 10 Fuß Länge; dann auch die 8 bis7 Zoll breiten Holzstücke zu Pipenböden, die in Hamburg ingroßen Tausenden von 1200 Stück verhandelt werden.

Bodmerei und Respondentia, Bodmerei-Brief. Bodmerei bedeutet in der Handelsschifffahrt dieVerpfändung eines Schiffes. Die Benennung stammt da-her, daß das Geld auf den Boden des Schiffes geliehen wird.Ueber den sächlichen Umfang der Bodmerei stimmen die Ge-setze der verschiedenen schifffahrttreibenden Staaten nichtüberein. Gegenstand der Verbodmung sind im Allgemeinen:1) das Schiff; 2) die Fracht; 3) die Ladung; 4) der Pro-viant; 3) alle oder nur mehrere dieser Gegenstände zusam-men. Indessen verbieten das französische und spanischeRecht die Verbodmung der Fracht durchaus; dgs holländi-sche und 'preußische Recht verbieten die Verbodmung derFracht allein, d. h. ohne das Schiff. — Der Eigenthümeroder Kapitän eines Schiffes ist unter gewissen Umständen er-mächtigt, Geld in einem Nothhafen aufzunehmen, entwederum das Schiff so in Stand zu setzen, daß es seine Fahrt

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