Band 
Erster Band. A - G.
Seite
476
JPEG-Download
 

Buchhalter:

476

Buchhalten

um den Ertrag der einzelnen Zweige nach dem Verhältnißder Procente zu ersehen, um danach ihre geschäftliche Be-handlung einrichten zu können, im Fall der eine oder derandere Zweig start des Gewinns Nichts oder Verlust gab,derselbe indessen wegen des innigen Zusammenhanges mitdem Ganzen nicht aufgegeben werden kann. Gerade in die-ser Beziehung erkennt man, daß die Buchhaltung zur Füh-rung eines nur einigermaaßen umfangreichen Geschäftsdurchaus nothwendig ist und die Grundlage bildet, woraufdie Leitung eines Geschäfts beruht. Werden die Ergebnisseder Buchführung mit Aufmerksamkeit und umsichtiger Ge-schäftskcnntniß berücksichtigt, so wird der thätige Geschäfts-mann auf andere Mittel zur Förderung seines Geschäfts be-dacht sein.

Nicht minder nothwendig und wichtig ist die Buchfüh-rung in einem großen Gewerbsgcschäft und indu-striellen Etablissement. Wenn in einem kaufmän-nischen Geschäft einfach die Anschaffung und der Vertriebvon Waaren mit Gewinn der Zweck ist, so gestaltet sich derBetrieb eines Gewerbes oder industriellen Etablissementsbei weitem vielseitiger, je nach der Art des Geschäfts. Hiermüssen Rohprodukte angeschafft werden, entweder einerleioder mehrere, um daraus durch Kunstfleiß Waaren, in Fa-brikat oder Manufakt, zu erzeugen, die durch den Handelzum Verbrauch gebraucht werden. Je mannichfacher einsolches Geschäft in seinen Betriebsmitteln ist, desto noth-wendiger ist eine sorgfältige Buchführung über den ganzenBetrieb, nach allen einzelnen Theilen, ebenso wie in einemkaufmännischen Geschäft. Die Buchführung eines Gewerbe-geschäfts oder Fabrik umfaßt die Immobilien mit demGrund und Boden, deren Kapitalwerth, den darauf haften-den Lasten -c.; Maschinen, Utensilien, deren Reparaturen rc.;die Rohprodukte nach Kostenpreis; den Arbeitslohn rc.;Brennmaterialien rc.; alle übrigen Gegenstände, die auf denPreis des Fabrikats einwirken.

Die Buchführung eines Bankgeschäfts richtetsich ganz nach dem Umfang desselben, rücksichtlich der Zweigedes Geschäfts, deren Buchung nicht durcheinander geworfenwerden darf. Die besonderen Gegenstände sind überhaupt:Grundkapital in Baar und in Banknoten, Disconto, De-positen, Conto-Corrente, Geschäftskosten, Zinsen, Reserve-Fonds rc. Uebrigens ist im Wesentlichen die Buchführungeines Bankgeschäfts der eines Waarengeschäfts gleich, nurinsofern verschieden, als bei jenem Geld die Waare bildet.

Auch die Landwirthschaft kann der Buchhaltungnicht entbehren, weil Kapital, Produktion und KonsumtionVerhältnisse und Veränderungen im Eigenthum und Ver-mögen bewirken. Das Kapital zum Erwerb des Grund-besitzes oder zur Pachtung, die Anschaffung und Erhaltungder nothwendigen verschiedenen Betriebsmittel an Dienst-leuten, Vieh und Geräthschaften, der Ertrag an Getreide,Wolle, Heu, Stroh, Mastvieh rc., Alles muß ebenso über-sichtlich ins Buch getragen werden, damit der Erfolg derWirthschaft leicht übersehen werden kann.

Die in der Buchhaltung gebräuchlichen eigenthümlichenAusdrücke sind: Inventarium oder Status; Activaund Passiva; reines Kapital, nämlich diejenigeSumme, die nach Abzug der Passiva von den Activa übrig

bleibt; Posten; Conto; Rubrik oder Ueberschrift;Debet oder Soll, nämlich belastet oder zur Last ge-schrieben, links; Credit oder Haben, nämlich gut,gut geschrieben, oder Kredit; Saldo; Gegen-Posten; Storno und Storniren; Pagina oderSeitenzahl; Folium oder Blattzahll; Transportoder Uebertrag einer Summe auf dir andere Seite;collationiren ist vergleichen, um der Nichtigkeit gewißzu sein.

I. Einfaches Buchhalte».

Wir wenden uns nun zunächst zum einfachen Buch-halten. Es sind dabei wenigstens folgende Bücher erforder-lich: das Memorial, das Cassabuch, das Haupt-buch und das Waarenlagerbuch. — JnS Memorial(Gedenkbuch) , welches auch die Namen Prima-Nota,Strazze, Kladde u. s. w. führt, verzeichnet man alle aufKredit (auf Zeit) geschehenen Waaren-Einkäufe und Ver-käufe; ferner alle Wechselvorfälle, die nicht mit baaremGelde ausgeglichen werden; die das Geschäft treffenden undnicht sogleich baar ausbezahlten Unkosten; kurz alle Ge-schäftsvorfälle, welche nicht auf Geld-Einnahmen oder Geld-Ausgaben hinauslaufen, so wie sie im Geschäft auf einanderfolgen. In dem Cassabuche bemerkt man dagegen allebaaren Einnahmen und Ausgaben des Geschäfts. DasHauptbuch enthält eine Aufstellung unserer sämmtlichenGläubiger und Schuldner, auf deren Rechnung wir jede imMemoriale und Caffabuche niedergeschriebenen, sie angehen-den Posten, der Ieitfolge nach und summarisch aus diesenBüchern notiren. Es dient besonders zur bequemen Ueber-sicht des Verhältnisses, in welchem wir zu unsern Geschäfts-freunden stehen, indem wir daraus sehen, wie viel wir nacheinem gewissen Zeitraum (einem Jahre, Monate -c.) anjeden einzelnen derselben schuldig sind oder zu fordern haben,ferner: wie viel wir in dieser Zeit Gelder eingenommenund ausgegeben haben. Im Waarenlagerbuch (auchWaaren-Scontro genannt) werden allen einzelnen Waaren-Artikeln Rechnungen eröffnet und in demselben alle durchEin- und Verkauf von Waaren eintretenden Veränderungenbemerkt. Zugleich geht beim Abschluß dieses Buches der ^von jeder Waare abgeworfene Gewinn daraus hervor.

Eine zweite Art, die beiden Grundbücher (Memorialund Cassa) zu führen, ist die, ins Memorial sämmt-liche Geschäftsverrichtungcn, ohne Ausnahme, also mitInbegriff der Geldgeschäfte, niederzuschreiben; das Cassa-buch dient alsdann blos als eine Uebersicht aller Geldpostcnund hat die Gestalt einer Rechnung des Hauptbuches.

In einigen Handelshäusern ist es Sitte, das Memorialin mehrere Theile zu trennen und ein sogenanntes Ein-kaufsbuch, für alle auf Kredit abgeschlossenen Waaren-cinkäufe, ein Verkaufs buch, für alle auf Zeit geschehenenVerkäufe von Waaren, und ein besonderes Memorial,für die Wechselgeschäfte und alle noch übrigen Vorfälle,die nicht Geldeinnahme oder Geldausgabe betreffen, zuführen.

Wir wollen, um zu zeigen, wie man einträgt, einigeder wichtigsten Geschäftsvorfällc zum Grunde legen und dieBehandlung derselben in den Handlungsbüchern nach ein-fach er Methode aufstellen.