Band 
Erster Band. A - G.
Seite
573
JPEG-Download
 

der mit den Besitzungen Portugals auf dem indischen Fest-lande, war während des Krieges bedeutend, hat aber seitdembeträchtlich abgenommen. Ein Volk von mehr Unterneh-mungsgeist als die Portugiesen würde, mit dem Bortheil derBesitzung eines so gut gelegenen Ortes wie Macao, den chi-nesischen Handel ganz anders betreiben. Ein ansehnlicherVerkehr findet durch spanische Schiffe zwischen Canton undManilla statt. Die Philippinen enthalten manche Artikel,die auf den chinesischen Märkten gesucht werden, und dieSpanier sind die einzigen Europäer, welche offen mit demthätigen Handelshafen Amoy in der Provinz Fokien Handeltreiben dürfen; zum Unglück fehlt es ihnen aber an dem Ge-schick und Unternehmungsgeist, die nothwendig erforderlichsind, wenn die Bortheile völlig benutzt werden sollen. —

§ Räch den officiellen Berichten der französischen Regierungsegelten 1841 nur zwei Schiffe aus französischen Häfen nachCanton.

Nächst diesem Handel haben die Chinesen selbst nocheinen lebhaften Verkehr mittelst ihrer einheimischen Fahr-zeuge oder Dschonken mit Japan, den Philippinen, denSulu-Jnseln, Celebes, den Molukken, Bornes, Java, Su-matra, Singapur, Rhio, der Ostküste der malaiischen Halb-insel, Siam, Cochinchina, Cambodja und Tonkin. Die chi-nesischen Häfen, in denen dieser Handel betrieben wird, sindCanton, Tschao-Tscheu, Nomhong, Hoeitscheon, Suheng,Kongmun, Schang-Kim und Hai-Ran in der ProvinzCanton; Amoy und Schinschu in der Provinz Fokien;Ningpo und Siang-Hai in der Provinz Schekiang und Sut-scheon in der Provinz Kian-Ran. Die dabei beschäftigtenDschonken mögen sich auf 222 belaufen.

Ueber den Verkehr der Insel Formosa, wo den Fremdender Handel nicht erlaubt ist, mit China, Korea und Leechew-Jnseln, ist nichts bekannt. Außerdem wird ein lebhafterHandelsverkehr durch zahlreiche kleine Punks zwischen derInsel Hainan, Tonkin, Cochinchina, Cambodja, Siam undSingapur betrieben, und die Zahl der dabei thätigen Fahr-zeuge beläuft sich auf mehr als 30». Für den Handel mitJapan ist der Hafen Ningpo bestimmt, aber der Verkehr

^ hier auf 10 Schiffe beschränkt.

! Eine Eigenthümlichkeit des überseeischen chinesischenHandels ist, daß selten ein Schiff oder Fahrzeug das Eigen-thum eines Einzelnen, sondern von 40, SO und sogar 100Kaufleuten zu gewissen Theilen ist.

Münzen und Rechnung sind meist zehntheilig, und dieMünzen nur Rechnungsmünzen, ausgenommen dieaus Kupfer mit Zinn oder Zink legirte ScheidemünzeKäsch oder Li. Gold und Silber werden beiZahlungenzugewogen und der Werth der Barren nach ihrem Feinge-halt mittelst der Rechnungsmünzen bestimmt. DasHaupt-münzgewicht oder die Rechnungseinheit ist der Täl oderLiang, vorzüglich für reines oder Sycee-Silber. Die ge-wogenen und gewertheten Barren werden durch die Regie-rungs-Bankiers, Schroffs genannt, gestempelt. Die Fein-heit des Goldes und Silbers wird durch die Theilung desGewichts in 100 Theile, Toques oder Tusch genannt,bezeichnet, wie in Frankreich. Eine Barre von 93 Tuschenthält also 7 Tusch Legirung und 93 Tusch reines Metall.Remes Gold oder Silber, ohne Legirung, nennen die Chi-nesen Sycee. Durchschnittlich enthält das reine Silber

98 Tusch, und der Werth eines Täls reines Silber beträgtziemlich 79>/z Pence, und mit 1 Procent 80>/z Pence Sterl.;das reine Gold 92 bis 98 Tusch, und der Werth einesTäls beträgt 78^/, Pence Sterl.

Das Verhältniß der Rechnungsmünzen istnach der europäisch-chinesischen Benennung: 1 Täl —10Mace, — 100 Candarins, — 1000 Cäschs oder

nach der chinesischen Benennung: 1 Täl oderLyang —10 Tschun (Thsian), — 100 Fun (Fen), —1000 Lün (Li oder Lis), — 10,000 Chou oder Hao, —100,000 Su oder Sse.

In den Büchern der ostindischen Gesellschaft wird derTäl zu 6 Schilt. 8 Pence gerechnet; aber der Werth dessel-ben wechselt und wird gewöhnlich nach dem Preise berechnet,der in London für spanische Thaler per Unze gegeben wird.Die Tabellen für diesen verhältnismäßigen Werth könnendurch den Multiplicator 1,208 in Pence St. berechnet wer-den. So wird, wenn der Preis der spanischen Thaler perUnze 60 Pence ist, der Werth des Täls sein 60 x 1,208 —72,48 P.; steht jener 66 P., so ist der Werth des Täl 79,728P., und so bei jedem andern Preise.

FeinheitdesGoldesundSilbers. Die Fein-heit des Goldes und Silbers wird durch Theilung des Ge-wichtes in 100 Theile, Toques genannt, ausgedrückt,ähnlich wie nach der neuen Methode in Frankreich. EineStange von 93 Toques soll also 7 Theile Zusatz und 93Theile reines Metall enthalten. Reines Gold oder Silberohne Zusatz nennen die Chinesen Szci, und bisweilen wirddas Metall, wenn es auch minder rein ist, doch als 8zci an-genommen.

Silberbarren werden als Geld gebraucht und wie-gen '/-Täl bis 100Täls. Diese Barren sind von dem bestenSilber, das heißt von etwa 94 Toques.

Goldbarren. Gold wird nicht als Geld, sondernals Waare betrachtet und in regelmäßigen Barren von ei-nem bestimmten Gewicht verkauft; die schwersten wiegen 10Täls und das Gold wird zu 94 Toques gerechnet, ob esgleich nur 92 oder 93 sein mag.

Maaße und Semchte.

Gewichte. Gold und Silber wird durch das Cattyvon 16 Täls gewogen; den Täl theilt man in 10 Mace,100 Candarines oder 1000 Cash. 100 Täls gelten gleich120 Unzen 16 Q., wonach der Täl 37,S66 Grammen gleich-kommt.

Die vorzüglichsten Gewichte für Waaren sind das Pi-cul, das Catty und der Täl. Das Picul wird in 100 Cat-ties oder 1600 Täls getheilt; 1 Picul — 60,472 Kilogr.

1 Täl wiegt — 1>/z Unzen.

16 Täls oder 1 Catty --- l>/z Pfd.

100 Catties oder 1 Picul —133'/, Pfd. oder60.472 Kilogrammen.

Handelsmaaßc giebt es in China nicht, da Alles, tro-ckene und nasse Waaren, nach dem Gewicht verkauft wird.Bei der Uebergabe einer Ladung bedient man sich des engli-schen Gewichtes, das nachher in chinesische Piculs und Col-lies reducirt wird.