Band 
Erster Band. A - G.
Seite
738
JPEG-Download
 

Frankreich

738

Frankreich

ausfuhr aller anderen Waaren kann durch Schiffe jederGröße geschehen. Die Gesammtmaffe der Waaren in denfranzösischen Entrepots betrug 1844: 9,406,328,000 Kilo-gramms im Werth von 664 Millionen Francs. Auf dieEntrepots von Marseille und Havre kommen davon fast jeein Drittel des Waarenwerthes, aber im Gewicht auf Mar-seille die Hälfte und aufHavre ein Fünftel. Marseille hat dasbedeutendsteEntrcpot. Es lagerten dort 192,209,809 Kilogr.Waaren im Werth von 240,738,000 Frcs., und herausge-nommen wurden 436,438,018 Kilogr. für 248,983,170 Frcs.Den zweiten Rang hat Havre. Hier wurden 192,209,809Kilogr. Waaren für 201,704,360 Frcs. eingelagert, und211,297,304 Kilogr. für 224,704,360 Frcs. herausgenom-men. In das Entrepot in Paris, Lntrepüt -los ölurcüs ge-nannt, wurden 49,575,348 Kilogr. Waaren im Werth von43,415,940 Frcs. eingebracht, während 80,260,016 Kilogr.für 43,606,490 Francs herausgenommen wurden. DasEntrepot in Bordeaux steht dem in Paris rücksichtlich desGewichts nach, übertrifft aber dasselbe im Waarenwerth.Im Verhältniß zur Gesammtmaffe der Lagergüter in denfranzösischen Entrepots sind die in Paris, Bordeaux, Nan-tes, Lyon, Noucn und Dünkirchen rücksichtlich des Gewichtsmit >°/,oo und des Werthes mit 2 -/,^ betheiligt. Unter denEntrepots im Innern hat nur jenes von Paris einige Wich-tigkeit. Die Bewegung der übrigen, in Mühlhausen, Metz,Abbeville, Lvon und Toulouse, ist ohne Belang. Ueber-haupt haben in Frankreich das Vorrecht zu Entrepots 86Städte, von denen die meisten Hafcnplätze sind. Der Be-stand in sämmtlichen Entrepots war am Ende von 1844:221,096,338 Kilogr. Waaren im Werth von 171,690,169Francs.

Merkwürdig ist das Wein-Entrcpot in Paris, dasallein 100,000 Hektoliter Wein und 100,000 Hektoliter an-dere geistige Getränke faßt. Die Keller sind sehr geräumigund vorzüglich zur Aufbewahrung solcher Flüssigkeiten; auchist das Lagergeld sehr mäßig. Der geringste Satz desselbenbeträgt jährlich 2 V 2 und der höchste 4 Frcs. für den Raumeines Quadratmeter. Nach den verschiedenen Weinen darin,ist es in Straßen getheilt, und es giebt darin eine Bur-gunder -, eine Champagnerstraße tc. Im Jahr 1844 wur-den daraus 366,577Hektoliter zum Verbrauch, und412,228Hektoliter für den ausländischen Handel genommen. Fastnoch einmal so groß war der Absatz von Bercy. Aus dieserGemeinde wurden zum Verbrauch in Paris 619,272 Hekto-liter und für das Ausland 976,932 Hektoliter bezogen.

Der Bestand in den französischen Entrepots betrug amEnde des Jahres 1844 an 221,096,335 Kilogramm Waa-ren im Werth von 171,690,169 Frcs. So wie der Lran-sithandel seiner Natur nach am meisten bei den Entrepotsbetheiligt ist, so wird derselbe auch durch solche Entrepotswesentlich erleichtert. Er bewegte in Frankreich im Jahr1844 von der Gesammtmaffe an 468,312,000 Kilogr. Waa-ren im Werth von 330 Millionen Frcs. Woll-, Baum-woll- und Seidengewebe bildeten den Hauptbestandtheil desTransitverkehrs mit Proc. im Gesammtverkehr. Ge-ringer war die Masse der Baumwolle, Gußeisen, Zuckerund Kasse. Am meisten sind am französischen Transithandeldie Schweiz, England, die Bereinigten-Staaten,der deutsche

Zollverein, Sardinien und Belgien, und zwar mit °/>o in derGesammtmaffe, und bei der Ausfuhr mit des Gesammt-werthes betheiligt.

Wie auch die Handclszölle eingerichtet sein mögen, sosind doch jedenfalls solche Lagerhäuser dem Verkehr nachInnen und Außen nur ersprießlich; dies beweisen außerFrankreich auch die großen Lagerhäuser in London, wo dieWaaren Europa's, Afrika's, Amerika's, Indiens, Chi-na's in der größten Mannigfaltigkeit aufgespeichert werdenfür den Handel, und ohne alle Zollabgaben fünfzehn, zwan-zig Jahre, ja noch länger lagern bleiben können. Erstdann, wenn Waaren zum inländischen Verbrauch heraus-genommen werden, wird der Zoll an die Krone bezahlt;werden sie aber zur Ausfuhr herausgenommen, so kann diesohne Weiteres und ohne die Weitläufigkeit eines Rückzollsgeschehen. Häufig werden die Güter in den Lagerhäusernmehrmals von einer Hand zur andern verkauft, ohne daßder Zoll, die Spesen des Transports rc. ein Kapital in An-spruch nimmt, als wenn die Waaren in die Speicher desEigenthümcrs gebracht und die Kronabgaben gleich anfangsbezahlt werden müssen. Keineswegs sind auch die Waarenin jenen Lagerhäusern irgendwie gefährdet.

Für Deutschlands Handel würden solche Lagerhäuserin den bedeutendern Handelsstädten eine große Wohlthatsein, insofern der deutsche Verkehr noch gar mancher För-derung bedarf. In Frankreich giebt es außerdem als ein-greifende Mittel zur Förderung der Industrie und des Han-dels in allen nur einigermaßen bedeutenden Handelsstädtenund Fabrikorten ein Handels-Tribunal sslribunol äo com-ineree), eine Handelskammer (Lkambre <ie commeice), einenGeneral-Handelsrath (Onsell general clu commerce) , einenRath Sachkundiger (llonseil äes prncl'bommes), Unterrichts-anstalten für besondere Industriezweige, die eine besondereBildung, sei es im Geschick oder sei es im Geschmack, oder ^sei es in chemischen, mechanischen, oder anderen Kenntnissen,erheischen. Ohne die geeignete Geschicklichkeit, Bildungund Strebsamkeit des Fabrikanten kann die Industrie sichüber den handwerksmäßigen Betrieb nicht erheben zu einerfreischaffenden Kunstthätigkeit. Ist mit dem Fortschrittauch ein Uebel verbunden, dessen furchtbare Folgen dermenschlichen Gesellschaft mit großer Gefahr drohe», so darfman doch deshalb keineswegs von dem Fortschritt abstehen,eben weil die richtige Einsicht in die gesellschaftlichen ZuständeMittel darbietet, wodurch jenes gefährliche Uebel beseitigtwerden kann, sobald redliches Wollen und Streben der Re-gierungen vereint mit der Thätigkeit des Einzelnen wirken.Dies Uebel ist die Entsittlichung der Bevölkerung, ver-bunden mit der übermäßigen Anstrengung der Kinder, na- >mentlich durch Nachtarbeiten in den Fabriken, und einerdavon unzertrennlichen Auflösung der Familienbande, derenFolgen Entnervtheit und Rohheit sind. Dadurch wird diegroße Masse der Besitzlosen so gefährlich. Wie in England,wo sich seit der Mitte des vorigen Jahrhunderts durch dieBaumwollwaaren - Manufaktur zuerst der fabrikmäßigeBetrieb entwickelte, so hat auch in Frankreich, wie in !Belgien, Sachsen, Preußen !c. in den Fabrikbczirkcn jenesUebel schon so tief gefressen, daß es unheilbar wird, sobaldnicht die rechten Mittel dagegen angewendet werden. Einsder Hauptmittel ist, die Klaffe der Arbeiter möglichst aus der :