Handel
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Hantel
bewogen, allmälig befreunden. Wie der Handel, so weiter in das höchste Alterthum zurück bekannt ist, und bis aufdie Jetztzeit sich allmälig entwickelt hat unter den Völkern,darüber vergl. Hoffmann's Geschichte des Handels, zweiteAusgabe 1846.
Man kann den Handelsverkehr den Hebel der Kulturnennen, insofern er die menschliche Thätigkeit anregt durchden Absatz der Erzeugnisse seines Fleißes, seiner Geschick-lichkeit und Kenntnisse. Dadurch wird das Nachdenken sichimmer anstrengen, das zu leisten, wodurch den eigenen Er-zeugnissen der Vorzug vor den andern gesichert wird. Aller-dings giebt es hier noch so manche andere Bedingungen,die in den gesellschaftlichen Zuständen liegen und geradejenen Fortschritt hemmen oder fördern. Krieg, Frieden,die politische Verfassung, der moralische Zustand, das Ver-hältniß der Volksklassen in einem Staat, Besteuerung desVolks, freier Handel oder beschränkt durch sogenannteSchutzzölle ic. wirken auf die Bewegung des Handels. Jemehr er beschränkt ist, desto weniger kann er leisten, schonin so fern als er materieller Kräfte bedarf, die er sich erstim Verkehr aneignen muß. Er ist dann genöthigt, dasErwerben zu beschränken, und damit ist natürlich ein Ver-lust verbunden. Allerdings bedarf er auch eines äußerenSchutzes, wenn er gedeihen soll. Und dieser Schutz hängtvon den politischen Einrichtungen eines Staates, theils inden eigenen inneren Verhältnissen, theils in den Verhält-nissen nach außen den anderen Staaten gegenüber, ab, weileben der Handel unter dem politischen Einfluß des Staats-wesens steht. Natürlich muß dieser Schutz nicht in drückendeund hemmende Beschränkung und Verhinderung ausarten,sondern er muß vielmehr Pflege des Handels sein, die nachden Umständen sich richtet, aber auch deshalb stets von demrichtigen Erkennen aller Umstände, die auf den Handel ein-wirken, abhängt. Daraus entsprang die Handelspo-litik, deren Aufgabe die Pflege des Handels ist. Indiesen Verhältnissen kann man den Handel an sich und inRücksicht auf die äußern politischen Verhältnisse betrach-ten. An sich betrachtet ist der Handel in Rücksicht auf sei-nen lokalen Umfang entweder Binnenhandel oder a u s-wärtigerHandel, der auch den überseeischen Han-del umfaßt; und in Rücksicht auf den Betrieb unterscheidetman Handel im Großen (Engros-Handcl) und Han-del im Kleinen (Detail-Handel). Betrachtet man zu-nächst das letzte Verhältniß, so unterscheiden sich dieEngros-Händler von den Detail-Händlern, auch Klein-Krämer ge-nannt, dadurch, daß sie die verschiedenen Erzeugnisse dcrKunstund Industrie an dem Ort kaufen, wo sie erzeugt werden oderam wohlfeilsten sind, und dahin schaffen, wo sie in höhe-rem Werthe stehen oder wo sie mehr gesucht sind, währenddie letzteren die Waaren von den ersteren oder den Produ-centen kaufen, in ihren Verkaufslocalen aufhäufen, und siein solchen Quantitäten und zu solcher Zeit verkaufen, wiees dem Publikum am bequemsten ist. Diese beiden Klaffender Handelsleute sind gleich nützlich, und die Trennung zwi-schen ihren Beschäftigungen eine der nützlichsten Arbeitsthei-lungcn. Die Arbeiten des Engros-Händlers gleichen denendes Bergmannes. Beide verändern die Körper nicht, diesie von einem Orte zum andern schaffe». Die Verschieden-heit zwischen ihnen besteht nur darin, daß der Bergmann
sie aus der Erde ay die Oberfläche derselben holt, der Kauf-mann dagegen sie auf der Oberfläche von einem Ort zumandern schafft. Daraus folgt, daß der Werth, welchen dieWaaren durch die Operationen des Großhändlers erhalten,häufig den ihnen von den Producenten gegebenen übersteigt.Es ist weit schwieriger und kostspieliger, ei» Stück Bauholzaus Eanada nach England zu schaffen, als den Baum zufällen. In dieser Hinsicht ist kein Unterschied zwischen Han-del und Ackerbau und Manufakturen. Die letzteren machendie-Sachc nutzbar, indem sie ihr eine Gestalt geben, die ambesten dazu geeignet ist, unseren Bedürfnissen oder unsererBequemlichkeit zu dienen; und der erstere erhöht den Nutzender Produkte des Ackerbauers und Fabrikanten, indem er sievon da kommen läßt, wo sie vergleichsweise von wenigemNutzen oder überflüssig sind, und dahin bringt, wo sie sehrnützlich sind oder mangeln.
Wollte der Großhändler die Waaren, die er von ver-schiedenen Orten bezogen hat, selbst wieder im Einzelnenverkaufen, so würde er ein größeres Kapital brauchen, undes wäre unmöglich für ihn, irgend einem Theil seines Ge-schäfts die ausschließliche Aufmerksamkeit zu widmen, diedurchaus nöthig ist, wenn es auf die beste Weise betriebenwerden soll. Nothwendig aber bleibt der Verkauf der Waa-ren im Einzelnen, er mag nun von einer besondern Klaffebetrieben werden oder nicht. Es ist nicht genug, daß eineLadung Thee aus China oder eine Ladung Zucker von Ja-maika ankommt. Die meisten Personen brauchen diese Ar-tikel, Niemand aber bedarf zum alleinige» Verbrauch einesolche Quantität. Sie muß nothwendig im Einzelnen ab-gegeben, d. h. in solchen Quantitäten und zu solchen Zeitenverkauft werden, wie es alle» Klaffen der Consumenten ambequemsten ist.
Der Binnenhandel ist blos Landhandel, und übtin diesem Umfange wohlthätig im Verhältniß zu seiner Aus-dehnung. Indessen bildet er die Grundlage des überseeischenund auswärtigen Verkehrs. An sich ist der innere Handelauch Vortheilhaft dadurch, daß er es den Bewohnern desLandes möglich macht, ihre Arbeit in jene Canäle zu leiten,welche den meisten Gewinn geben. Die verschiedenen Bo-denarten, die verschiedenen Mineralien und verschiedenenClimate der verschiedenen Bezirke weisen ihnen gewisseZweige der Industrie zu. Ein Landstrich, der viel Kohlenund leichte Communication hat, ist der natürliche Sitz vonFabriken. Weizen und andere Getreidearten sind die natür-lichen Produkte eines fruchtbaren Ackerbodens, und Vieh,das in bergigen Gegenden aufgezogen wurde, läßt sich amvorthcilhaftesten auf Wiesen und Niederungen fett machen.Daraus folgt, daß die Bewohner verschiedener Bezirke da-durch, daß sie sich den Zweigen der Industrie widmen, zu derenvortheilhaften Betreibung sie am befähigtsten sind, und ihreüberflüssigen Produkte gegen andere austauschen, eine un-vergleichlich größere Menge aller Arten nützlicher und wün-schcnswcrther Produkte erhalten werden, als es ihnen mög-lich wäre, wenn sie sich ohne Unterschied jedem verschiedenenGeschäfte widmen müßten. Die Territorialeinthcilung derArbeit ist, wo möglich, noch vortheilhafter als die Arbcits-theilung unter Personen; denn dabei setzen die Arbeitender Handclsklaffcn die Bewohner jedes Bezirks in den