Band 
Zweiter Band. H - Z.
Seite
54
JPEG-Download
 

Holz — 31 — Holzwaarcn

verfloßt. (Mcmminger's Beschreibung von Würtemberg.S. 3/v.).

Die sogenannten Holländcrflößc werden an mch-rern Orten zusammengesetzt, nämlich bei Mannheim, zuCastcl (Mainz gegenüber), ferner bei Bingcn, Coblenz, An-dernach und Unkel. Ein zusammengesetztes Floß heißt auchein großes Capitalfloß. Wir übergehen hier die nä-here Beschreibung eines Floffes, dessen Anblick übrigenseinen ganz eigenthümlichen Reiz hat, da es gleichsam eineBalken- und Bretterstadt im Kleinen ist. Die Bemannungbesteht gewöhnlich aus 800 bis 88« Leuten. Die Größe desFlosses beträgt oft 72« Fuß, und die Anhänge mit gerechnet,1000 Fuß Länge, 18« Fuß Breite und 7 Fuß Waffertiefe.Ein solches Floß erfordert nicht selten ein Anlagekapital von4 bis 3««,««« Gulden.

Das nach dem Nieder-Rhein gehende Commercial-Eichenholz kommt vorzüglich auf dem Main, der Mosel undder Lippe, wenig vom Ober-Rhein, aber das von dem Mainbetrug mehr als das aus andern Gegenden. Dieses Eichen-holz liefert der Spcssart in den Main. Dasselbe wird jedochin Holland bei der Marine-Consumtion nur zu Bretternverwendet, steht also dem aus andern Gegenden eingeführtenEichenholz nach. Für das Holländer-Holz auf dem Mainsind Lohr, Faulbach und Aschaffenburg Hauptstapclortc.Die Eichenholzstämme zum Schiffbau, das eigentliche Ma-rincholz, müssen durchschnittlich wenigstens lang und 18"vierkantig beschlagen sein. Die holländsichc Marine nimmtgewöhnlich dasselbe bewaldrechtet, die englische in runden,und die französische i» scharf vierkantig beschlagenen Stäm-men. Ucberhaupt unterscheidet man das Eichenholz imFloßholzhandel in Langholz, d. h. Stücke, die nach demLängenmaaß verkauft werden, wozu das Schiffsbauholz,Balken und die Krommen (Krummhölzer) gehören, und inStückholz, d. h. die stückweise verkauft werden und in Nutz-holz (Wagenschuß, Pseifholz, Knapper, Ranger) besteht.

Der Hauplstapclplatz für alles Main - und Rhein-Holzist Dortrecht, so wie Amsterdam, wo indessen auch Mainholzzum Verkauf kommt, nebst Saardam für das nordische Holz.Jedes Floß, welches am Bisenbosch bei Dortrecht, wo derVerkauf aus dcrHand geschieht, landet, wird hier abgewelkt,d. h. man legt jede Holzart und jedes Sortiment koppel-weise, 38 Wagenschuffe auf eine Koppel gerechnet, zusammen,nachdem das Holz vorher rein abgewaschen ist; dann über-giebt man es zum Verkauf an dortrcchter Kaufleute, oderan besonders dazu bestellte Mäkler kommissionsweise, oderauch zum öffentlichen Verkauf auf eine bestimmte Zeit (Sicht),mit Vorbehalt des letzten Aufgebots. Der Verkauf einesFloffes dauert zuweilen 2 Jahre. Ein Floßherr, der denGeschäftsgang beim Umsatz des Holzes hier nicht genaukennt, würde großem Verlust ausgesetzt sein, wenn er denVerkauf selbst besorgen wollte. Das Stückholz kommtgroßeniheils nach den großen Sägemühlen von Saardam.Die Knorren werden meist nach England verschifft, und dieBretter, Dielen, Latten rc. an holländische Landleute ver-kauft. Die Preise des eichenen Schiffbauholzes können durchUebcrführung mit nordischem Holz auf eine Zeit lang plötz-lich fallen, dagegen das gespaltene und anderes harte Nutz-holz zum ökonomischen Gebrauch immer im Werth bleibt.

Für Baiern wichtig ist der Handel mit Nadelholzschnitt«waaren, nämlich Latten, Brettern in 4 Hauplsorlimentenbei einer Länge von 10^ nürnberger Maaß, 9 bis 12" breitund ^/, bis 1V-" dick, Rahmschenkel, Pfosten, Wein-,Baum-, Fackel-Pfähle in Bündeln zu 60 bis 100 Stück,Böttcherholz, Ruder, Leiterbäumc rc. Dieses wird sämmt-lich dem Main und Rhein entlang bis zur holländischenGrenze in allen Uferorte» verkauft, besonders in Wesel, wodas meiste geschnittene Nudelholz ausgeschifft wird. Weniggeht davon nach Holland, weil die niederländische Regie-rung zur Begünstigung ihrer vielen und gut eingerichtetenSchneidemühlen die Einfuhr mit einem bedeutenden Zoll be-legt hat.

Die Hauptniederlagen des nordischen Holzes sind inHolland Amsterdam, Saardam und Harlingen. Der Holz-handel auf der Donau ist verhältnißmäßig nicht sehr bedeu-tend, da fast alle an der Donau liegenden Gegenden mit Holzreichlich versehen sind. Auf der Elbe wird Holz aus Böh-men und der sächsischen Schweiz bis nach Hamburg verführt;aber jetzt auch viel davon in Riesa zur Abfuhr nach Leipzigfür den Handel und die Verarbeitung zu Brettern auf derhiesigen Dampfsägcmühlc ausgeladen. Auf der Saale wirdein starker Flofiholzhandcl getrieben, und Weißcnfelsist der Hauptort dafür. Schweden liefert fast blos Nadel-holz , aber dieses in bedeutender Menge. Norwegen ver-sendet aber mehr, da sich seine Lage besser zur Ausfuhr eignet.Dort fällen die Bauern das Holz und werfen es, nachdemsie es verkauft, bezeichnet und den Eigenthümern übergebenhaben, in den nächsten Fluß, der es bis an die Hemmen(Fang-Wehre) treibt. Oft sind so die Stämme 3 bis 4Jahre unterweges, ehe sie bis an die Küste kommen. Fürden russischen Holzhandel sind Archangel, Petersburgund Riga die Hauptausfuhrortc. Frankreich führt, trotzdem, daß es schöne Waldungen hat, doch ziemlich viel Holzein, namentlich für den Bedarf zum Schiffbau, und Bor-deaux bezieht viel nordisches Stabholz zu den Weinfässern,da das inländische zu knotig ist und sich nicht gut spaltenläßt. In England ist die Einfuhr des fremden Holzes(namentlich aus Rußland, Schweden, Norwegen, Preußenund Canada) äußerst bedeutend. Der Werth des aus Ca-nada eingeführten Holzes beträgt oft über 2 Mill. Liv.Sterl. jährlich (für ein Quantum von circa 600,000 La-sten). Aus der Ostsee werden jährlich im Durchschnitt etwa400,000 Lasten eingeführt. Ueber den nordamerikanischcnHolzhandel, der sehr bedeutend ist, so wie über den Holz-handel der verschiedenen Seeplätze, findet man unter denbesondern geographischen Artikeln die nöthigen Belehrungen.

Holzcassie, malabarischer Zimmt, s. Zimmt.

Holzessig, Holzsäure, s. Essig.

Holzwaarcn werden in mehreren WaldgegendenDeutschlands von der ärmeren Volksklaffe in großer Mengeverfertigt und größtentheils weit, z. B. nach England,Amerika rc. verführt, da sie zu sehr billigen Preisen gclicfcrtwerden. Die Holzwaaren, von denen hier eigentlich dieRede ist, und die im sogenannten Kinderspielzeug aller Artbestehen, werden zum Theil auf der Drehbank gedrechselt, zumTheil aus freier Hand geschnitzt. Man verbraucht dazumeistens Fichten-, Buchen - und Ahornholz. In der größten