Band 
Zweiter Band. H - Z.
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Indianische Vogelnester — 63 — Indiz

von der S a l a II g a n e (so heißt dort die Schwalbe), welchedie eßbaren Nester baut, gefressen und zur Bereitung ihresostbaren Nestes benutzt wird. Die Schwalbe frißt die fri-schen Tange und läßt sie einige Zeit hindurch in ihrem Ma-gen weichen, worauf sie diese, zu einer Gallerte umgewan-delte Masse wieder auswirft und zur Bereitung ihres Resteszusammenklebt. Diese Nester, welche später mit Unrathund Federn beschmutzt werden, kommen im rohen Zustandevach China, wo sie in sehr großen, eigens dazu eingerichte-su Handlungen vermittelst besonderer Instrumente gerci-u>gt und dann verkauft werden. Diese so berühmten indi-.u Vogelnester sind demnach fast nichts, als der aufge-weichte 8p>morococcus carliloxineus und ihre Wirkung aufMenschen ist keine andere, als die der feinen Gallerte,e^ Zubereitung dieser Nester werden gewöhnlich einev che Menge feiner Reizmittel hinzugesetzt, daß sie wohl^ Ein Recht den ersten Rang unter den Leckerbissen auf^ Tafel der Chinesen einnehmen."

Die Japaner haben es wohl schon längst eingesehen,aß diese kostbaren Vogelnester nur aufgeweichte See-Algen?? , und bereiten sich nun die Nester-Substanz aus künst-Wege. Jene Tange, welche auch an den Küsten von^Mai, in fthr großer Menge vorkommen sollen, werden von.. ^ nachdem man sie vorher gepulvert hat, zu einer^ ^Erte gekocht, welche sie dann in langen Fäden nachv der Nudeln und Maccaronis ausgießen und, unter demamen Dschinschan, als künstliche Vogelnester-Substanz inHandel bringen. Große Kisten damit angefüllt, sahbye» zu Macao und Canton; die Holländer nennen diese.stanz Agcr - Ager und gebrauchen sie in großer Menge.Ehincsen genießen die Vogelnester, sowohl die ächtendie nachgemachten, in Form von Saucen, welche sieFleisch-Speisen beifügen; die Europäer aber, welche>u China aufhalten, lieben mehr die Form der Gal-rte (Gelee), wozu sich der Dschinschan ganz außerordcnt-d gut eignet. Ein einmaliges Aufkochen reicht hin, um" Ager-Ager, diese getrocknete Substanz, zu einem gleich-zogen Gelee umzuwandeln, dem dann entweder Weiner verschiedene Fruchtsäftc zugesetzt werden, um es wohl-uucckend zu machen. Bei dem großen Wohlleben, das dieuropäer in China führen, ist der Genuß des Gelee'ö ganzWohnlich und daher denn auch der Verbrauch von jenenganz außerordentlich groß. Den trockenen Dschin-dan kann man in kurze Stücken zerschneiden und in heißevuillon werfen, wie sie auf den Tisch kommt; in Zeit vonr>ner Minute hat sich die Substanz aufgelöst und erhält das^setzen y^n durchsichtigen Nudeln, die sehr gut zu essen'vd und, bei ihrer großen Nahrhaftigkeit, den Magen den-voch nicht belästigen. Wie groß und allgemein übrigens^ Genuß dieser eßbaren Lange in Japan sein muß, gehtW°hl daraus hervor, daß man in den geographisch-statisti-st>en Werken über dieses Land jedesmal, wenn irgendwolese Pflanzen gefunden werden, sie unter dem Namen dereßbaren Seckräuter als Produkte des Landes aufgeführtendet. Die hier angeführten Nachrichten sind jetzt um sointeressanter, da man in neuester Zeit so viel Aufhebens vonem Carragahecn gemacht hak, welches weiter nichts ist,der getrocknete 8pi>aorocvccus crispus, eine Art Seetang,^ l» großer Menge an den westlichen und nördlichen Küsten

von England wächst und sich wahrscheinlich ganz ähnlichdem 8. cai iilax. var selaceus verhält. Die aus dieser Pflanzegezogene Gallerte hat eigentlich nur eine ernährende Eigen-schaft; da sie aber selbst von dem schwächsten Magen verdautwerden kann, so ist sie ein herrliches Nahrungsmittel fürKranke.— Die Ausfuhr der indianischen Vogelnester, welchein dem indischen Archipelagus gesammelt werde, schätztCrawfurt auf etwa 242,000 Pfd., im Werthe von 284,2>>oLiv. Sterl. In Hamburg kostete in neuerer Zeit das Pfund120 Mark Curant.

Indig, Indigo, heißt der unschätzbare blaue Farbe-stoff, der schon im Alterthum unter dem Namen Imlicum,scl. pixmentum bekannt war und gebraucht wurde. Pliniuserwähnt denselben (I.ib. XXXV.) als eine schöne, zwischenBlau und Purpur spielende Farbe. In Europa kam er imMittclalter zuerst in Italien in allgemeineren Gebrauch, ausAsien über Alexandrien und vielleicht auch über die levanti-schen Handelsplätze bezogen. In einem Tarif von Marseillevon 1228 wird er als Incligo clo Oogüacl aufgeführt. Seitder Entdeckung des Seeweges nach Ostindien kam er aufdiesem Wege nach Europa. Den Holländern, namentlichder im Jahr 1602 vctroirten Holland, ostind. Compagnie,gelang es zuerst, dcnJndigo in größerer MengealsHandels-artikel einzuführen. Niska, der im Jahr 1630 schrieb,sagt: Indiz komme seit 30 Jahren nach Deutschland, undin der Verordnung des Kaisers Ferdinand III. vom Jahr1654 steht: er werde seit etlichen Jahren aus Holland nachDeutschland gebracht. Wie bedeutend schon damals dieEinfuhr gewesen sei, beweist die Ladung der im Jahr 1631aus Ostindien in Holland angekommenen Schiffe. Es wa-ren nämlich 7, welche zusammen 580,543 Pfd. mitbrachten,deren Werth zu 5 Tonnen Goldes (500,000 Thlr.) ange-schlagen wurde. Bald nach der Entdeckung von Amerikafand man auch dort Pflanzen, welche Indigo liefern, na-mentlich mehrere Species der Gattung Imligolera. DieEinfuhr des Indigo nach Europa nahm dadurch noch mehrzu und beeinträchtigte den Bau des Waid, eine Pflanze,die man bis zur Anwendung des Jndigs allgemein zumBlaufärben benutzt hatte. Da der Waidbau in einigenGegenden Deutschlands sehr beträchtlich war, so erschien imJahr 1654 ein kaiserl. Edikt, welches die Einfuhr und denGebrauch des Indigo untersagte, da er dem Waidhandclschade, die Waare verderbe und das Geld aus dem Landezöge. Schon 1650 war der Indiz aus demselben Grundein Kur-Sachsen verboten worden. Noch mehr thaten dieNürnberger, die auch damals Waid bauten. Sie gaben dasGesetz, daß ihre Färber alljährlich schwören sollten, keinenIndigo zu gebrauchen. In England findet man in den Ge-setzen den Indiz erst im Jahr 1381 (unter der Königin Eli-sabeth) genannt, und zwar nicht wegen der blauen, sondernder schwarzen Farbe. Alle Wollwaaren sollten nicht ehermit Galläpfeln, Krapp und andern Materialien schwarz ge-färbt werden, als bis sie vorher mit Waid allein, oder mitWaid und Indiz gegründet oder gebläuet wären. Indes-sen gerieth der Indigo als eine höchst giftige Pflanze so sehrin Verruf, daß dessen Gebrauch durch eine besondere Parla-mentsacte verboten wurde, die bis zur Zeit Karls II., alsobeinahe ein volles Jahrhundert in Wirksamkeit blieb. InFrankreich ward ebenfalls, auf dringende Vorstellung der