Indiz
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Landstände der Provinz Languedoc, wo man viel Waidbaute, im Zahr 1398 der Gebrauch des Jndigs verboten;aber in dem Edikt vom Jahr 1669, worin Colbert dieSchönfärber von den Schlechtfärbern trennte, ward nur un-tersagt, den Indiz allein ohne Waid zu gebrauchen, und imI. 1737 ward den Färbern freigelassen, Indiz allein, oderIndiz und Waid zu nehmen.
Diejenigen Gegenden, in welchen jetzt der Indiz in grö-ßerer Menge angebaut wird, sind: die Präsidentschaft Ben-galen und die von derselben abhängigen Provinzen vom2V. bis 30" nördl. Breite, die Prov. Tinnevelly im Gu-vernement von Madras, Java, Manilla oder Lueon, diegrößte der philippinischen Inseln, die Küste Eoromandel, dieInseln Bourbon und JSle de France, Madera, einige Stellenam Senegal und in Aegyptcn, ferner Guatemala, Caracas,Mejico, Brasilien, Süd-Carolina und Louisiana, mehrerewestindische Inseln, namentlich St.-Domingo. — In denersten 20 Jahren, nachdem die Engländer Herren von Ben-galen geworden waren, blieb dort der Anbau und die Be-reitung des Indigo so unbedeutend/ daß man nicht hätteglaube» sollen, er werde je ein bedeutender Handelsartikelwerden. Europa wurde damals von Amerika aus mit In-diz versorgt und erst 1783 richtete sich die Aufmerksamkeitder Engländer auf diesen Artikel. Die Zubereitung bliebzwar dieselbe, welche auch die Eingebornen anzuwendenpflegten; da man sie aber mit größerer Sorgfalt und mitmehr Kapital betrieb, so nahm sie bald einen höhern Auf-schwung. Die Kultur der Pflanze nahm bald zu, und nachund nach gewann der Artikel eine solche Wichtigkeit für dasLand, daß man ihn zu den ersten Handelsartikeln rechnenmuß. In dem durch die Ganges-Mündungen gebildetenDelta wird der meiste und beste Indiz erzielt, doch dauertdie Pflanze nur ein Jahr, da die jährlich wiederkehrendenUeberschwemmungen sie jedesmal zerstören. In den innernund westlichen, höher liegenden Provinzen giebt die Pflanzejährlich zwei Ernten. Die Kultur des Jndigs ist sehrschwankend, nicht nur im Betracht des jährlichen Wachs-thums der Pflanzen, sondern auch rücksichtlich der Mengeund Güte des Farbstoffs, der aus einer bestimmten MassePflanzen gewonnen werden kann. So war z. B. die Pro-duktion von 1823 bis 26 11,000 Kisten, während das Pro-dukt des folgenden Jahres nur 23,000 Kisten betrug. 1827Lis 28 wurden ohngefähr 12,ooo und 1828 bis 29 nur26,800 Kisten erzeugt. Außer der Ausfuhr nach Großbri-tannien, Frankreich und den Vereinigten-Staatcn, geht eingroßer Theil des bengalischen Jndigs nach den Häfen despersischen Meerbusens, von wo derselbe seinen Weg weiternach dem südlichen Rußland nimmt. Sonderbar ist es, daßder Indiz von den Chinesen, die doch die blaue Farbe sehrlieben, nicht gebraucht wird.
Die wichtigsten Pflanzen in Asien, Afrika, Amerika undEuropa, welche Indigo liefern, sind vorzugsweise mehrereSpecies der Gattung Imllxolora , wovon folgende mit Fleißangebaut werden: Incligokora ünclorw, in Bengalen, Mada-gascar, Jsle de France, Malabar, auf St. Domingo, giebtzwar eine beträchtliche Menge Indigo, aber nicht den besten.— Inö. (lispcrma, in Ostindien und Amerika einheimisch,eine robustere Pflanze, von der man eine bessere Sorte Indiz,namentlich den Guatemala-Jndig, gewinnt. — In-I. äml,
in denselben Ländern, namentlich auf den Antillen. — lull.argenle», desgleichen, auch in Afrika, giebt zwar weniger alsdie vorigen, aber schönern Indiz. — lull. pscmllvtmclorm,in Ostindien, giebt den schönsten Indiz. — lall. glauca, inAegypten und Arabien einheimisch.— Im>. cocnllca, cmeroa,erocw, lnrsuw, gdw,-» etc. sind für die Jndiggewinnung we-niger wichtig. Außer den hier angeführte» Species derGattung Iiulixolora können noch folgende Pflanzen aufJndigbenutzt werden: bicemm linelormm, in Ostindien, dannin Europa Ismis Unctoria (der Waid), Isans lusitamca,ämorplia lruNcvsa, Ouhgonum tincUorium ete. Während derContincntalsperre fabrizirte man im Großen aus dem WaidIndiz; indessen ist dessen Qualität und Quantität bedeu-tend geringer, als von den ächten Jndigpflanzen, und dieFabrikation war nur möglich, weil die Einfuhr des Jndigsverboten war und derselbe daher zu unerhörtem Preise stieg.Nach der Aufhebung des Einfuhrverbots hörte dieser neueIndustriezweig, der besonders in Thüringen (Erfurt) zu er-blühen anfing, wieder auf.
Kultur, Erndte und Bearbeitun g der Indi-gopflanze. Sie ist percnnircnd, wird aber, weil sieschon im ersten Jahr durch den Schnitt so sehr leidet, daßsie im zweiten Jahr nicht mehr den gehörigen Vortheil ge-währt, jedes Jahr wieder aus Samen gezogen. Sie er-reicht durchschnittlich eine Höhe von 4 Fuß, hat hellgrüneund denen der Akazie ähnliche Blätter, ährcnförmige, achscl-stäudige Blüthen von der Größe und Form einer Linscn-blüthe. Die Früchte sind kleine bräunliche Körner in einerkleinen gekrümmten Schote. Die Aussaat geschieht in Ost-indien, nachdem man im Oktober, November und AnfangDecember den Boden gepflügt hat, in der letzten Hälfte desMärz oder anfangs April, wenn der Boden weder zu heißnoch trocken ist. Der Boden muß leicht sein, Regen ist nurvon Zeit zu Zeit förderlich, dagegen ist Sonnenschein weitnöthiger. 12 Pfund Samen sind für 1 Acre Land genug.Die Pflanze wächst schnell und kann anfangs Juli zum er-sten Mal geschnitten werden, ja in einigen Gegenden geschiehtes schon Mitte Juni. Die Kennzeichen der Reife sind: dasHervorbrechen von Blüthenknospen; brechen diese aus undentfaltet sich die Blüthe, so enthält die Pflanze die größteMenge Farbestoff und liefert den größten Ertrag. Ein an-deres Zeichen nimmt man von den Blättern; biegt mannämlich ein Blatt um, so daß es doppelt gelegt wird, undbricht es, so ist die Pflanze reif; jedoch ist dieses Zeichen zusehr von der Beschaffenheit des Bodens abhängig, ob näm-lich die Pflanze ein üppiges oder verkümmertes Wachsthumhat. Fällt viel Regen, so nimmt das Wachsthum derPflanze sehr zu, allein die Menge des aus ihr zu gewinnen-den Jndigs ab; dagegen vermehrt Sonnenschein die Pro-duktion sehr.— Der erste Schnitt ist der beste; nach zweiMonaten wird der zweite, hierauf ein dritter, ja vierterSchnitt gemacht, aber von stets abnehmender Beschaffenheithinsichts der Produktionsfähigkeit an Indiz. In Amerikawerden nur 2 Erndtcn gemacht. — Um den Indiz aus derPflanze darzustellen, befolgt man 2 verschiedene Methoden:man scheidet nämlich denselben entweder aus der frischendurch Gährung, oder aus der getrockneten durch Aufguß!letzteres Verfahren gewährt manchen Vortheil. Es folgthier die nähere Beschreibung beider Methoden: