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Zweiter Band. H - Z.
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Lcin — 135 — Leinendamast

°r dadurch die Eigenschaft, sich in kaltem Wasser entwedergänzlich oder theilweise zu lösen; durch diese Behandlungverliert er aber seine leimende, bindende Kraft. Alkohol,Bether, ätherische und fette Ocle lösen den Leim nicht auf,erstere ziehen aber etwas Fett aus demselben. Die Gerb-säure äußert eine merkwürdige Wirkung auf den Leim;schüttet man nämlich in eine sehr verdünnte Leimauflösungeine Abkochung von Galläpfeln, so erfolgt ein flockiger, wei-ser Niederschlag, welcher, bei einem llebcrschuß an letzterer,iu einer braunen Masse zusammenbackt, welche zähe, in der^älte spröde, in der Wärme weich, selbst dickflüssig wirdund sich in Wasser, Weingeist und Säuren nicht auflöst. —Gebraucht wird der Leim zum Leimen von Holz, PapierU> s. w., zu Wasserfarben, zur Waffervcrgoldung, zur Ver-tilgung von Schwärzwalzen für Buchdrucker, wobei Sy-vup zugesetzt wird, zum Planiren und Einbinden der Bü-cher, zum Schlichten der Tuchkettcn ic. Vgl. Leuch's An-weisung zur Bereitung des Tischlerleims, der KnochengallerteUnd der Suppcntafeln. Nürnberg 1828. In Deutschlandbefinden sich große Lcimsiedereien zu Köln am Rhein, Arn-sadt, Mühlhausen, Merseburg, Nördling?n, Nürnberg,Ansbach, Augsburg, Burgau, Reutlingen, Crailsheim,Heilbronn rc. Oesterreich erzeugt vielen Leim und führtuicht unbedeutende Quantitäten, namentlich nach Italien,Uns. In England, Holland,(Flandern) und Frank-reich wird viel und guter Leim fabrizirt. Der englische istber beste; der flandrische ist besonders in den Tuchfabriken

beliebt.

Lein, s. Flachs.

Leindotteröl, Sommerrapsöl, franz. Uuilo doeanielwe; engl. Ooddor-cül, ist das aus dem Samen des ge-meinen Leindotter, KIv„^-r„m solivum, Lamelina sativa, ge-preßte, fette Oel. Es ist hellgelb, fast gereich- und geschmack-

trocknet leicht und eignet sich daher zu Firnissen, wirdaber bald ranzig. In seinen Haupteigcnschaften kommt esMit dem Hanföl überein. Man wendet es als Speise- und^rennöl an. Aus einem preuß. Scheffel Leindottersamen°rhält man 22 bis 23 Pfd. Oel, was dem Gewicht nach ohn-ärfähr 28 Proc. beträgt. Das meiste wird in den Nieder-landen gewonnen, wo man den Dotter häufig anbaut.

Leinenband, franz. Kuban de 61; engl. lopo, Incle;üal. diustro di lino, verfertigt man theils aus einfachem Lei-Urngarn (Leinwandbänder), theils aus zweidrähtigemäwirn (Zwirnbänder). Bei letzteren ist sehr oft nurb'e Kette Zwirn, der Einschlag aber Garn. Die geköpertenl^arn- oder Zwirnbänder der feineren Art nennt man ge-wöhnlich Niederländer-Band. Die groben geköpertenbwirnbänder heißenStrippcnbänder oderStruppenaber auch Gurt. Zum Gebrauch für die geringeren Volks-lassen fabrizirt man auch leinene Bänder mit verschiedenen^"gewebten, oft vielfarbigen Mustern. Gewöhnlich sindw leinenen Bänder nur von geringer Breite. Die gröbstevab schmälste Sorte hat bei einer Breite von >/, Zoll nur 8väden in der Kette. Bon den Leincnbandsortcn war früherftonderg dasHarlemer-Band berühmt. Es hatte ei-ven starken Absatz nach allen Gegenden Europa's und nachMerika. Jetzt macht man diese Art auch in England undDeutschland in verschiedenen Sorten. In Deutschland sind

die wichtigsten Bandfabriken im Wupperthal, namentlich zuBarmen und Elberfeld. Außer dem holländischen Bandmacht man dort vorzüglich folgende Sorten: feines Klo-sterband oder leinene Plattlinden, ein schmalesZwirnband, in Päckchen von 24 Stück ä 18 Ellen Länge;weißLeinen-SchmalbandoderPatcrnosterbandin Stücken von 18 Ellen Länge (häufig ist es halb ausBaumwolle gemacht); Schockband, in Stücken von 60Ellen Länge; Pfennigband, in Stücken von 8 EllenLänge; buntgestreifte Kattu «Länder, sowohl ganzvon Leinengarn, als auch mit Baumwolle vermischt, in ver-schiedenen Nummern und in Packen von 4 Stück a SO brab.Ellen; elberfelderJncarnat-Bänder, rosa gefärbt,schmal, in Päckchen von 30 bis 60 Stück; Leinen-Strumpfband, bunt geköpert, ohncNummern, in Packenvon 12 Stück a 10 brabanter Ellen; Leinen-Schürze n-band, mit Köper, weiß und bunt, von derselben Länge rc.In Sachsen werden leinene, so wie baumwollene Bänder,besonders in der Gegend von Pulsnitz und Radeberg sabri-zirt. Au Großröhrsdorf bei Radeberg macht man dieselbenSorten wie zu Elberfeld und Barmen, und in Hinsicht derbilligen Preise können die dortigen Fabrikanten mit den El-berfeldern concurriren. — In Oesterreich wird die Lcinen-bandweberei am stärksten in der Gegend von Groß-Sieghartsim Lande unter der Ens betrieben, welche eben wegen diesesIndustriezweiges unter dem Namen des Bandkrämer-ländchens bekannt ist. Niederländer Zwirnbänder machtman besonders zu Rosenau. In England zeichnen sichCoventry und Manchester, in Frankreich St.-Etienne,und in der Schweiz Basel durch bedeutende Bandfabrikenaus. — Auch unterscheidet man im Handel die Bänder derBreite nach durch Nummern, und zwar so, daß die Nummermit der zunehmenden Breite steigt; indessen stimmen darinnicht alle Fabrikanten überein.

Leinendomost, franz. Innzo da,nasse; engl. Oamasetableelutk ; ital. lela damascldna o damascala , ist eine Nach-ahmung des Seidcndamastcs, worin durch kunstmäßige We-berei Blumen, Früchte, Arabesken, Landschaften, Figurenund überhaupt Bilder, als Atlasköper, entweder in einfar-bigem oder buntem Gewebe dargestellt werden. Er enthältdurchaus einen fünf- oder achtschäftigen Köper, der aber inden Bildern anderer Art ist, als in dem Grunde, woraufdieselben stehen, wodurch eben die Bilder gegen den Grundeinen sie unterscheidenden Schein erhalten. Man brauchtden Damast besonders zu Tafelzeug, so wie zu Bettdecken,Handtüchern, Tischdecken (in Bunt) rc. Die Kettenfädenbilden bei'm Weben desselben die Figur und werden durchden Zampel- oder Eymbclzug in die Höhe gehoben, die Um-risse des Bildes werden mit dem dazwischen liegendenGrunde durch den Einschlag verbunden; in der Figur selbstaber erhalten die Fäden, vermittelst der Einrichtung in denSchäften, ihre Verbindung mit dem Einschlag einen At-lasköper. Insofern die Bilder im Damast die Hauptsachesind und durch das in die Höhe-Ziehen der Kettenfäden gebil-det werden, wird der Leinendamast auch Gezogenes odergezogene Waare genannt. Das Bild, wie es gewebtwerden soll, wird erst als Muster, wie die bekannten Stick-muster, auf Papier zwischen Linien in Punkten gezeichnetund mit Farbe gemalt. Dies erfordert große Geschicklich-

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