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Zweiter Band. H - Z.
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Meerzwiebel

Meerschaum

Griechenland bei Thiva, auf der griechischen Insel Negro-ponte vor. Der rohe Meerschaum wird vor der Verarbeitungin gemauerten Gruben wie die Porzellanmasse eingerührt undeiner Art Gährung ausgesetzt, wodurch er zum Formenfähig wird. Die Pfeifenköpfe werden aus dem geschlemm-ten Niederschlag in messingenen Formen gebildet und nacheinigen Tagen ausgebohrt. Dann läßt man sie im Schat-ten völlig trocknen, brennt sie darauf im Ofen schwach undläßt sie mit dem Ofen allmälig abkühlen. Dies sind dierohen Köpfe, welche die Türken zum Theil weiter verarbei-ten, zuerst in Milch, dann in Leinöl oder Wachs sieden,mit Schachtelhalm abreiben und mit Leder poliren. Sowerden sie korbweis verschickt, um weiter bearbeitet zu wer-den. Europäische und besonders deutsche Pfeifenschneidergeben diesen Köpfen erst eine gefälligere Form. Oft sind sieso groß, daß mehrere daraus geschnitten werden können.In der Türkei schätzt man sie nicht sehr und versendet sie da-her theils rob, theils zugerichtet von Constantinopel ausnach Siebenbürgen, Polen, Rußland, Ungarn, Deutschland,Italien w. Große Partien gehen jährlich in grob geflochte-nen Körben nach Trieft, wo sie wieder in hölzerne Kistengepackt und versendet werden. Bedeutende Quantitätenroher Meerschaumköpfe werde» auch zu Lande über Semlineingeführt. Im Jahr 1796 gingen allein durch diese Stadt83,413 Centner Pfeifenköpfe. Auch kommt dorthin ganzroher Meerschaum in klotzartigen Stücken. Derselbe ist zumehreren hundert Stück Köpfen in Kisten verpackt. DerHandel damit ist in den Händen der Griechen und türkischenJuden. Die meerschaumenen Pfeifenköpfe werden wohl nir-gends so wohlfeil und schön und in so großer Menge verfer-tigt, als im östcrreich. Staat, vorzüglich in Wien undPesth, so wie in Ruhla in Thüringen. Vor der Verarbei-tung wird der Meerschaum genetzt, indem man ihn einigeZeit in Wasser legt. Die Bearbeitung selbst geschieht mitdenselben Werkzeugen, wie bei den hölzernen Pfcifenköpfen,nämlich auf der Drehbank mit Feilen, Messern, Hohlei-sen rc. Die schönsten Köpfe werde» auch mit den Werkzeu-gen und Handgriffen des Bildhauers ausgearbeitet. Ist derKopf geformt, so wird er mit Schachtelhalm fein abgezogen,mit Wachs oder Oel eingelassen, mit Trippel polirt undzuletzt mit feinem Kalkpulvcr überfahren. Wird er zu starkmit Oel eingelassen oder in Leinöl gesotten, so entwickeln sichbeim Anrauchen desselben, durch das Verbrennen des Oels,stechende Dämpfe, welche lungenschwachen Personen schäd-lich werden können, um ihnen diese üble Eigenschaft zunehmen, kann man den Kopf vor dem Anrauchen mit einembrennbaren Körper füllen und durch einen Blasebalg aus-brennen lassen. Gewöhnlich wird zur Verarbeitung der ausKleinasien und der Türkei stammende Meerschaum genom-men; indessen ließ 1828 der wiener Pfeifenschneider Lütgeeine größere Quantität spanischen Meerschaums kommen.Die Masse ist etwas fester als beim türkischen, daher diePfeifenköpfe daraus sehr dauerhaft sind. In Spanien wirddavon gar kein Gebrauch gemacht, Lütge mußte daher vonWien aus einen eigenen Eommissionär nach Spanien schicken,um dort die Leitung beim Graben zu besorgen. UnächteMeerschaumköpfe, auch Massaköpfe genannt, wer-den aus den beim Bearbeiten des ächten Meerschaums ent-stehenden Abfällen oder aus den schlechten Stücken gemacht,

indem man diese fein reibt und siebt, mit Wasser und einemBindemittel, z. B. feingeschlemmtem Pfeifenthon, zu einerteigartigen Masse und zu Klötzen formt, und diese dann ebenso wie die ächten zu Pfcifenköpfen dreht oder schneidet. Dieunächten Köpfe werden ebenfalls mit Wachs eingelassen,und zwar häufig so, daß sie schon braun geraucht scheinen.Die in Leinöl (öfters auch mit einem Zusatz von Drachen-blut) gesottenen Köpfe erhalten gleich ein bräunlich gelbesAnsehen, sind härter und können daher nicht so leicht beschä-digt werden. Die Verfertigung der unächten Meerschaum-köpfe wurde von Christoph Dreiß in Ruhla bei Eisenacherfunden, wo sie seit 1772 gemacht werden, und zwar jetztin solcher Vollkommenheit, daß sie oft den ächten gleichkom-men. Erst seit 1814 macht man die unächten auch in Wien.Ein schöner Meerschaumkopf muß rein in der Masse, ohneSand und Adern und gut gebohrt sein. Die ächten Köpftunterscheiden sich von den unächten dadurch, daß erstereleichter sind und die Eigenschaft haben, sich gelb oder braunanzurauchen. Außer in den schon angeführten Orten (Wien,Pesth und Ruhla) werden auch noch Meerschaumköpfe zuNürnberg, Lemgo, Lübeck, Hamburg und anderwärts ge-macht. — In neuerer Zeit hat man auch angefangen, ausden Mcerschaumabfällen kleine Säulen zu Uhrkästchen undandere Drechslerarbei'ten zu verfertigen.

Meerstynz, SUmms marinus, ist eine Art Eidechse,l.ac<!tta 8tincus, welche in Egypten, Arabien, Nubien undAbyssinien lebt und getrocknet in den Handel kommt. Erhat eine Länge von 6 bis 8 Zoll, bei ohngefähr 1 ZollDurchmesser. Sein Körper ist walzenförmig und wird nachdem Schwänze zu immer dünner. Nachdem man die Ein-geweide ausgenommen hat, wird der Leib mit gewürzhaftenKräutern angefüllt und in trockene Wermuthblätter ge-wickelt. In diesem Zustande kommt der Meerstynz überLivorno, Marseille und Trieft nach Europa, wo man ihnsonst, so wie im Orient, als ein Mittel zur Stärkung derZeugungskräfte gebrauchte. Jetzt kommt er nur noch sel-ten vor.

Meerzwiebel, lat. Scilla mar'uima; franz. Soillo;8guiIIo marine; engl. 8oa oaion; 8gu!II bull or rool; ital.Lcllla, lllpolla marin»; (lat. kaäi.r 8cillae) ist eine an densandigen Küsten des mittelländischen Meeres häufige Pflanze-Die großen, eiförmigen Zwiebeln bestehen außen aus dün-nen, trockenen, braunrothen, nach innen dickeren, weißenund einen klebenden Saft enthaltenden Schalen. Der Saftder frischen Wurzeln ist sehr scharf, verursacht auf der Hautein Jucken und selbst Blasen; der Geschmack schleimig, scharfund ekelhaft bitter; der Geruch zwiebelartig- Die innere»Häute werden an Fäden gereiht oder auf Sieben getrocknet.Sonst pflegte man die Wurzeln in Brodteig einzuschlagenund dann in einem Ofen zu backen. Scharf getrocknet, sindsie beinahe hornartig und leicht zerbrechlich; aber die ihneneigene Schärfe ist dann verschwunden, der Geschmack jedochsehr bitter; beim Liegen ziehen sie wieder Feuchtigkeit ausder Luft an. Im Handel kommen zwei Sorten vor: dieeine besteht aus lauter größeren, beinahe ganz weißen, unddie andere aus kleineren Stücken. Gebrauch: als ftlsswirksames Arzneimittel. Bezogen werden die Meerzwiebel»größtentheils von Marseille und Livorno. Nach Marfti^kommen sie aus Mahon und aus Sardinien.