Merkantil
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Messen
durch gelinde warme Presse eine glänzende Appretur erhal-ten. Die Merinos werden sehr stark zu Kleidern, Manteln,Halstüchern rc. für Frauen getragen, und gehören zu dengangbarsten Wollenzeugen. Man hat sie in vielen Sorten,von verschiedener Feinheit, in allen Farben, einfarbig, bunt-gemustert, gedruckter. Am feinsten und schönsten sind diefranzösischen Merinos aus den Manufakturen vonRheines, Paris, Aumale, Bolbec, Verdun, Bcauvais,Berry, Troyes, Abbeville, Amiens rc. Man macht sie inStücken von verschiedener Länge und «/, bis Stab Breite,
theils aus seiner spanischer Wolle, theils aus thibetanischemZiegenhaar. Nur die sächsischen Merinos komme» denfranzösischen nahe. Ihr Preis ist in der Regel vier- bisachtmal höher als der der englischen. Letztere werden be-sonders zu Norwich, Wilton, Halifax, Leeds, Hudderssield,Bradfort, Excter und Sommerset in außerordentlicherMenge geliefert. Die Stücke haben 28 Parks Länge undVs, V- »der ö/z Pards Breite. Von den deutschen Merino-Manufakturen sind vorzugsweise die in Sachsen zu Merane,Lunzenau, Burgstädt, Crimmitzschau, Penig, Reichenbach,Gera, Schlcitz und Rochlitz zu erwähnen. Sie liefern dieverschiedensten Sorten Merinos, von denen die feinsten brei-ten , welche Thibet oder Thibet-Merino heißen, mitden französischen in der Güte wetteifern und dabei bedeutendbilliger sind. Nächst den sächsischen Fabriken liefern die zuGroßbartlof auf dem Eichsfelde, Mühlhausen, Langensalza,Eisenach, Berlin und Halberstadt gute Merinos in bedeu-tenden Quantitäten. Hierauf folgen die der böhmischen undmährischen Wollenmanufakturen. Merino-Halstücher vonbis >-/, Ellen im Quadrat werden von allen den Manu-fakturen geliefert, die Merino machen. Unter baumwol-lenem Merino versteht man eine Sorte festes, doppeltgeköpertes Baumwollenzcug, welches in Stücken von SOwiener Ellen Länge und Ellen breit zu Rumburg ^undWarnsdorf in Böhmen fabrizirt wird.
Merkantil, mcrkantilisch (vom latein. Ucrcawr,der Kaufmann), zum Handel gehörig, den Handel an-gehend; daher: Merkantil - Gericht, das Handels-gericht. — Merkantil-System, s. Staatsökonomie.
Merseburg, Hauptstadt des gleichnam. Regierungs-bezirks in Preußen, Prov. Sachsen, mit gegen 11,000 Ew.,die Leinwand, Leder, Essig, Tabak, Pavicr, Bier rc. liefern.Es besteht hier außerdem eine bedeutende Buntpapier- undArzneidosen-Fabrik.
Merville, franz. loiles <io ölcrvllle, heißen zwei Ar-ten französischer Leinwand, die zu Merville, Etaire und La-gourge im Depart. du Nord gemacht und in Menge ausge-führt werden. Die erste Art sind feine und mittelfcine ge-modelte Tischzeuge, in Stücken von 82 bis 102 EllenLänge und 2>/z bis 4 Ellen Breite, und Scrviettcnlei-nen in Stücken von 128 Ellen Länge und 1^/, Ellen Breite.Die andere Art ist eine feine Leinwand, die in Stücken vonLO Ellen Länge und 1^/, Ellen Breite gemacht wird.
Messen sind ausgedehntere Märkte, auf denen aberdie Geschäfte in einem weit größeren Maßstabe und Umfangegeschehen und eine viel bedeutendere Menge Besucher, na-mentlich aus entfernten Gegenden, sich cinsinden, als diesauf den gewöhnlichen Jahrmärkten der Fall ist; auch sind
demgemäß die Messen von längerer Dauer. Ihre Entste-hung und der Ursprung ihres Namens ist in dem christlichenGottesdienst, der sogenannten Messe, zu suchen. Wennnämlich in früheren Zeiten solche Messen mit einem allge-meinen Ablaß verbunden waren, pflegte sich eine MengeVolkes dabei einzusinken, und diese periodischen Zusammen-künfte gaben bald die Veranlassung zu einem sehr lebhaftenVerkehr zwischen den Besuchern. Kaufleute mit ihren Waa-ren fanden sich auf dem Versammlungsorte ein, und andereSpekulanten brachten Sehenswürdigkeiten dahin, um ausdiese Weise den Neugierigen das Geld aus der Tasche zulocken, wie dies noch heutzutage auf den sogenannten Kirm-sen oder Kirchmessen der Fall ist. So entstanden die Mes-sen, welche nach und nach immer mehr an Ansehen gewan-nen und zum Theil für ganze Erdtheile ein Mittelpunkt desHandels wurden. Auch das beim Beginn und Schluß derMesse an mehreren Orten noch gebräuchliche Ein - und Aus-läuten derselben weist deutlich auf den kirchlichen Ursprunghin. Die Vortheile, welche durch den Zusammenfluß frem-der Verkäufer und Käufer nicht nur dem Handel im Allge-meinen, sondern auch dem Meßplatz insbesondere erwuchsen,indem dadurch eine Menge neuer und nutzvoller Gewerbeins Leben gerufen und eine lebhafte Geldcirkulation dadurchbewirkt wurde, bewogen die Landesregierungen, diesen Mes-sen ihre ganze Aufmerksamkeit zu schenken und ihr Aufblühennach Möglichkeit zu fördern. Deswegen wurde anfangs dieAnzahl der Verkaufsläden festgesetzt, damit die Verkäufer,nicht durch eine zu große Concurrenz gedrückt, sicher ihreRechnung finden sollten, den Meßbesuchern gewisse Freihei-ten und Bevorzugungen, die sogenannten Meßfrciheiten,bewilligt und Erleichterungen jeder Art gewährt, um denVerkehr zu erhalten und weiter auszudehnen. Man verbanddamit ein religiöses Ceremonie!!, das ihnen theilweise bisheute geblieben ist, indem die meisten Messen an dem Tagedes Heiligen beginnen, dessen Namen sie führen. In denältesten Zeiten hatten die Kaufleute mit ihren Waaren sogarihren Stand in den äußern Kirchengängen und auf denKirchhöfen. In jenen Zeiten nun, wo für die Bedürfnissedes Handels noch so wenig gesorgt war, da die Landstraßensehr mangelhaft und unsicher, an eine geregelte Frachtfahrtso wenig als an Posten und damit verbundene bequeme undregelmäßige Correspondenz zu denken, wo der Handel fürdie Fremden keinesweges frei, wenn nicht besondere Ver-träge deswegen abgeschlossen worden waren, wo die Rechts-pflege noch in einem sehr traurigen und erbärmlichen Zu-stande sich befand und dem Kaufmann die ihm so nöthigtschleunige Hülfe nicht gewährte, da mußten die Messen balddie Hauptsitze des Handels werden.
Die Meßfreiheiten bestanden hauptsächlich in freiesBesuch der Messen für Fremde mit ihren Waaren, sicherernGeleit für die Kaufleute und ihre Güter auf der Hin- undRückreise, Befreiung vom Arrest für die Handelsleute undihre Waaren bis zum Zahltage, Befreiung von gewisse"Abgaben und Lasten, und in der Einrichtung eines eigenenMcßgerichts, welches in allen während der Messe entste-henden Handelsstreitigkeiten in erster Instanz und auf"schleunigste, mit Uebergehung aller sonst üblichen Formali-täten, entschied. Fast alle diese Einrichtungen sind amb
noch heute giltig, natürlich aber nach den Forderungen de"