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Zweiter Band. H - Z.
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Messen

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Messen

Rußland. Von der höchsten Wichtigkeit ist die welt-berühmte Messe von Nischni-Nowgorod (Rischegorod,1164 Werst von Petersburg, 443 Werst von Moskau),welche neben der von Leipzig die wichtigste der Welt ist undehemals in dem 84 Werstc von hier entfernten Makariewgehalten wurde. Die für die Meßbesuchenden errichtetenBazars sind auf's prachtvollste und bequemste eingerichtet;eine eigene Budenstadt, welche an drei Seiten von einemKanale umgeben ist, besteht aus ungeheuern Gebäuden, dieeinen großen freien Platz einschließen, auf mehreren tausendeisernen Säulen ruhen, von Stein gebaut und mit eisernenDächern versehen sind, und in den unteren Gallerien dritte-halbtausend Buden, in den darüber befindlichen Räumenaber die Wohnungen der fremden Kaufleute enthalten. DieMesse selbst beginnt im Juli, dehnt sich über sechs bis achtWochen aus und wird von Asien und Europa so stark be-sucht, daß die Menschenzahl zu Nischni-Nowgorod wäh-rend dieser Zeit sich in der Regel auf 180,000 belauft, wäh-rend die gewöhnliche Volksmenge des Orts nur etwa 16,000Seelen beträgt. Aus allen Theilen Nord - und Mittelasiensfinden sich zahlreiche Karavanen ein, um europäische Kunst-produkte aller Art zu erhandeln. Der gesammtc Gcschästs-umschlag soll, nach Cap. Cochrane, den Geldwerth von200 Will. Rubeln Bankassignationcn (ohngefähr 88 Mill.Thaler preuß. Cur.) erreichen, und es soll der Umsatz inPelzwerk, als dem Haupt-Mcßartikel, auf 36 Mill., inEisen und Eisenwaaren auf mehr als 10 Will., und alleinin Bildern auf 1,300,000 Rubel sich belaufen. Der Ver-kehr erstreckt sich übrigens, außer dem Rauchwaaren - undEisenhandcl, vorzüglich auf die Manufaktur- und Fabrik-waaren Europa's, auf Kolonialartikel, die Erzeugnisse desasiatischen Kunstslcißes und auf Thee (Kar-ivane,i-Thee),und besteht zum Theil noch in bloßem Tausch.

Sehr berühmt ist auch die russische Messe in dem an derchinesischen Grenze gelegenen Städtchen Kiachta (s. diesenArt.), auf welcher der größte Theil des so äußerst wichtigenHandels zwischen Rußland und Ehina seinen Sitz hat, sowie Kiachta auch derjenige Ort ist, über welchen der poli-tische Verkehr der Regierungen beider Länder seinen Wegnimmt. Die russischen Kaufleute beziehen diese Messe mitPelzen, Schaf- und Lammfellen, russischen und deutschenTüchern, Wollengarn, wollenen Zeugen aller Art, groberLeinwand, Juchten, Rindvieh, Eisen, Farbewaaren rc.,so wie sie zur Bestreitung der größeren Einkäufe Gold - undSilberbarren mit sich nehmen, wogegen sie von den Chine-sen vorzüglich Thee, rohe und verarbeitete Seide, Nankings,Baumwolle, Rhabarber, Tabak, Kandiszucker, Moschus,-Porzellan rc. eintauschen und erhandeln. Die Menge desThees, alle die groben Sorten mit eingerechnet, welche dieRussen auf dieser Messe einkaufen, beläuft sich im Durch-schnitt jährlich auf etwa 60,000 Kisten oder ohngefähr4,200,000 Pfund, wovon der größte Theil aus feinem,schwarzem Pccko-Thee besteht.

Ein Hauptpunkt für den asiatischen Handel Rußlandssind Kasan, Orenburg, Troihk, Astrachan, Kiew, Ka-luga, Ssumü, Jakutsk, Njeschin, Berditschew, Kort-schcwa.

Spanien. Die Messen von öledina dcl gio secco(Provinz Valladolid) waren früherhin von so großer Wich-

tigkeit, daß man dem Oertchen den Beinamen Klein-In-dien gab; gegenwärtig aber sind sie sehr in Verfall gera-then. Ebenso sind die Messen in dem benachbarten Illedwado> llompo nur noch höchst unbedeutend.

Portugal. In V'-seu (Prov. Beira) findet !m Herbsteine ziemlich bedeutende Messe statt, die jedoch ehemals weitwichtiger war, als jetzt. Eine andere Messe, die im Früh-jahr zu !.amexo gehalten wird, bedeutet nicht viel. Dasselbegilt von den Messen zu lHIIia, Lrora und llcja.

In Mejico bestehen außer den regelmäßigen Wochen-und Jahrmärkten größere Messen (seriös) zuAxuas-OIieutes(14 Tage, vom 24. Dec.), eilende in Lkikuakur (8 Tage,von 4. Okt.), llkllpancinxo (8 Tage, vom 21. Dec.), Iluo-jutla (4 Lage, vom 24. Dec.), vojaca (6 Tage, vom 12.Dec.), 8-dlillo (8 Tage, vom 29. Scpt.), Lsn-luan de losI.aßos (8 Tage, vom 8. Dec.), Icnancinxo (10 Lage, vom6. Febr.).

Levante. Eine sehr wichtige Messe findet alljährlichzu Mekka statt, und wird während des größten Zusammen-strömend der in Karavanen ankommenden Pilgrime im Mo-nat Dhalhajja gehalten. Die größte Zahl dieser Frommengenügt nämlich ihrer Pflicht, diese heilige Stadt währendihres Lebens wenigstens einmal zu besuchen, und benutzendabei die weise Erlaubniß Mahomeds, auf der Wallfahrt»ach Mekka Handel treiben zu dürfen, indem sie ihre beson-deren Unternehmungen damit verbinde», oder wenigstensin so weit sich mit Erzeugnissen ihres Vaterlandes versehen,daß die Kosten der langen Reise durch den Gewinn davonbestrittcn oder doch verringert werden. Oft sollen zur Zeitder Ankunft der Karavanen auf 20,000 Kamecle und 60,000Menschen vor der Stadt lagern.

Ostindien. Aehnlich der vorigen, findet nach derAnkunft der vielen Tausende von Wallfahrern, welche nachdem Ganges pilgern, zu Benares eine Art Messe statt,woran Kaufleute aus allen Ländern Asiens Theil nehmen.— Weit wichtiger aber ist die Messe von Hurdwar inHindostan (29° 87- nördl. Br., 78° 2- östl. L.), 117 Meilennordöstl. von Delhi, einer der Hauptwallfahrtsorte der Ein-gebornen, welche Messe zur Zeit der Frühlings- Tag- undNachtgleiche, wann die pilgernden Gläubigen ankommen,stattfindet und für die erste in ganz Ostindien gilt. DieAnzahl der Besuchenden soll sich auf 4 bis 800,000 belaufen.Jedes zwölfte Jahr bringt, da man ihm eine besondere Hei-ligkeit beilegt, einen noch weit größeren Zusammenfluß vonFremden, und man schätzt dann deren Menge auf 1 bis 1'/-'ja selbst 2 Millionen, die theils aus Andächtigen, theils ausKaufleuten bestehen und aus allen Theilen Asiens hieher strö-men. Handelsgegenstände sind alle Natur - und Kunstpro-dukte des ganzen Erdtheils, vorzüglich als Einfuhrwaarcn:Shawls und andere wollene Waaren, Kameele, Rindvieh,Pferde, persische getrocknete Früchte, Dbogucn rc., als Ar-tikel der Erportation: Baumwollenwaaren, Indigo, Zucker,Gewürze rc.

Die Meßbesuchenden, d. h. die von auswärts Waare»zum Verkauf bringen, nennt man Fieranten, nach der»italienischen llora, die Messe.

InBaiern nennt man die Messe Umschlag.