Schlei'erlei'nen — 374 — Schmuckfedern
lägcr in den Grenzstädten. Aber welche Motive auch zurAusübung dieses Verkehrs führen, welche Scheingründc undBeschönigungen auch gesucht werden, um ihn entschuldbarzu machen, immer bleibt er dem streng rechtlichen Charakterfremd und verwerflich, verwerflicher noch dadurch, daß er inder Regel durch Mittelspersonen geleitet wird, welche, licht-und arbeitsscheu, in moralischer Verworfenheit eine Lebens-weise gewählt haben, die sie von leichteren Unternehmun-gen zu kühnen Wagnissen, von Vergehen zu Verbrechentreibt.
Auch der deutsche Zollverein hat seine Grenzen seit demersten Beginn, der Einführung des preußischen Zollgesetzesvom Jahr t818 bis auf heute, trotz der in der That im all-gemeinen sehr mäßigen Abgabensätze, gegen den Schleich-handel vertheidigen müssen. Auch hier haben sich dieselbenEreignisse wiederholt, wie sie in andern Ländern beobachtetworden sind. Der Schleichhandel, erst von einzelnen einzelngetrieben, vereinigte mehrere zu Banden, um in verwegenenUnternehmungen größere Vortheile zu erringen; wo Listnicht siegte, da siegte die Gewalt, und nicht selten wurde dasGelingen solcher Unternehmungen durch Waffengewalt her-beigeführt. Wie mancher pflichttreue Beamte siel von derruchlosen Hand des Schmugglers, wie mancher Schmugglerfand seinen Tod auf verbrecherischem Wege. Aber auch hierhaben sich dieselben Resultate gezeigt, wie fast überall. Un-beständig ist auch das Glück, welches den Schmuggler aufseiner nächtlichen Wanderung begleitet. Er verfällt, durchlange Straflosigkeit sicher und weniger vorsichtig gemacht,endlich doch dem Gesetz, die Vortheile derer aber, welche sichseiner, lange ungekannt und ungestraft, zur Ausführungschleichhändlerischer Spekulationen bedienten, schwinden vorder Furcht vor Entdeckung, welcher Brandmarkung der bür-gerlichen Ehre, Verlust des kaufmännischen Kredits auf demFuß folgen. Erst in der neuern Zeit ist es gelungen, durchzweckentsprechende Einrichtungen in der Grcnzbewachung (s.d. Art.), durch günstige Arrondirung des Vereinsgebiets da,wo das Terrain den Betrieb des Schleichhandels begünstigte,durch Vereinigung mit Nachbarstaaten über gemeinschaft-liche Maaßregeln zur Ausrottung des Schleichhandels unddurch Beaufsichtigung und Beschäftigung solcherJndividuen,welche des Schmuggelns verdächtig sind, einigermaßen Herrüber den Schleichhandel zu werden. Insbesondere aber ver-dient als nachahmungswürdig nicht unerwähnt zu bleiben,daß in einigen Orten auch unter Kaufleuten Verbindungenentstanden sind, welche die Unterdrückung des Schleichhan-dels zum Zweck haben. Aber so lange Grenzzölle den Reizzum Schleichhandel unterhalten, so lange die Staaten zurHerbeischaffung der zum Staatshaushalt erforderlichen Mittelihrer bedürfen und sie durch keine anderen, genügender» Fi-nanzqucllen ersetzt werden können, so lange wird auch an eingänzliches Aufhören dieses verwerflichen Gewerbes nicht zudenken sein.
Schlcicrleincn, franz. IHWs b volles; engl. I.awn;span. Lslopillas, nennt man feine, durchsichtige, batistartiggewebte Leinenzeuge mit eingewebten Streife», Gittern, Fi-guren oder auch gestickt und genäht. Ocfters sind dieseVerzierungen von Baumwollengarn. Der Name rührt vondem Gebrauch her, da sie, besonders in den südlichen Ländern,zu Nonnenschleicrn, Kopfhüllen der Frauen rc. dienen. Am
häufigsten macht man sie in Schlesien und Böhmen u. bringtsie sowohl roh, als auch gebleicht und appretirt in den Han-del. Man unterscheidet sie in dichte oder dicke, undklare oder dünne; ferner einfach e und gemusterte.Oefters sind die eingewebten Streifen oder Blumen bunt,z. B. roth, blau, grün rc. In Schlesien ist der Hauptsitzder Schleierweberei zu Hirschberg und in der Umgegend;Böhmen in den Herrschaften Starkenbach und Hohenelbe;in Sachsen zu Rochlitz, Plauen und Lengefeld. AuchEngland, den Niederlanden und Frankreich werden Schleier-leinen gemacht; Baumwollen-Schleier wurden besondersfrüher in und bei Hof in großer Menge gemacht und mei-stens schwarz gefärbt nach Spanien und Italien ver-sandt.
Schleswig, s. den Art. Dänemark.
Schleusingen, Stadt in einem preußischen Enclave,zum Regierungsbezirk Erfurt gehörig, das zwischen densächsischen Herzogthümcrn Koburg-Gotha, Weimar, Mei-ningen-Hildburghausen und dem kurhess.-Kreise Schmalkal-den liegt. Die Stadt liegt am Zusammenfluß der Erlau undNähr, mit iOON Einw., Kupfer- und Eisenhämmern, Woll-und Baumwollweberei, Holzhandel; in der Nähe ein Blech-hammer, Pulver- und Papiermühlen.
Schlusizcttcl, der schriftliche Schein, welchen derMäkler bei irgend einem geschlossenen Kauf jedem der Con-trahentcn zustellt, und welcher einen Auszug der desfallsige"Notiz im Tagebuche des Mäklers bildet, vergl. den ArtikelMäkler.
Schmack, s. Sum ach.
Schmalkaldcn, Hauptstadt des gleichnam.-kurhessi-schen Kreises, der, von dem Hauptlandc getrennt, zwischenKoburg-Gotha, dem prcuß. Kreise Schleusingen und Mc>-ningen-Hildburghausen liegt; mit 6000 Einw. Schmal-kalden ist ein Hauptsitz der Fabrikation von Eisen, Stahl,Blech, nebst allerlei Stahl- und Eisenwaaren (Messen,Scbeerc», Sägen, Feilen, Ketten, Zangen tc.), nebst einenGcwchrfabrik, Tuchmanufaktur rc., und treibt sehr beträcht-lichen Handel mit seinen Fabrikaten.
Schmälte, s. Smalt e.
Schmirgel, s. Smirgel.
Schmuckfcdern , die zum Putz der Frauen in großenMenge in den Handel kommen, giebt es verschiedene Arte»-Die Straußfedern, franz. plumos ä'uuiriclie, italieni^ponno cli strurro, von dem Strauß in Afrika und Arabien,die durch alle afrikanischen Häfen und Aleppo ausgefüh^werden. Es sind vorzüglich die Flügelfedern, und dann t»eSchwanzfedern, sowohl weiß als schwarz. Die weißn"sind die vorzüglichsten und namentlich die seidenartigen undvon Natur gekräuselten von Aleppo. Die aus der Verdeck'kommen, haben einen röthlichcn Schein. Die sogenannte"Senegalfedern und die auch aus Egvptcn kommen, sindschön weiß, aber breit und mit geringern Bartfedcrn. sin-niger gelten die schwarzen und noch weniger die graue"
Federn. — Die Reih er federn kommen von verschiedene"
Reiher-Arten. Die schönsten sind die weißen Rückenscdck"des großen Silberreihers, der in Amerika zu Hause ist. ENkleine Silberreiher ist in allen Ländern am mittelländische"