Band 
Zweiter Band. H - Z.
Seite
582
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Schwefel 882 — Schwefel

Goldschläger waare ist gesetzlich 23 Karat 6 Grän fei»,mit 1 Grän Remedium.

Das verarbeitete Silber ist 13 Loth sein. —Drahtzieher-und Schlägerarbeit soll gesetzlich 18Loth 14 Grän fein sein, mit 2 Grän Remedium. Densel-ben Feingehalt soll auch das geschlagene und auf einer Seitevergoldete Silber haben.

Zinnarbeit soll in viermal gestempeltem ZinnTheile, in dreimal gestempeltem Zinn 82 Theileenthalten.

Alle diese verarbeiteten Metalle werden mit drei Kro-nen und einem Buchstaben des Alphabets bezeichnet, wel-cher in jedem Jahr verändert wird und von 1739 angeht.

Stück- oder Zichlinaaß. Die Last Eisen hält 18 Schiffs-pfund, die Last Pech, Salz und fremdes Bier 12 Tonnen;aber bei spanischem und französischem Salz 18 Tonnen; dieLast Theer, nvrdländ. Thran und Oel 13 Tonnen; dieLast Fische 12 Tonnen d 1000 Stück Heringe ; die LastFlachs, Hanf, Tauwerk, Talg und Hopfen 6 Schiffspfundoder 120 Liespfund. — Gewöhnlich hält die Last 12 Ton-nen. — Dorsche und Kabeljau werden der Bälar, ä 8Stück Fische, verkauft. --- Bretter zählt man nachZwölfter (lolk) ä 12 Stück. — Uebrigens werden Oelnach der Kanne; Theer, Kalk, Alaun, Braunrothnach der Tonne; Harz, Kienruß, Salpeter, Pot-asche nach dem Liespfund; Pulver nach dem Cent-ner berechnet.

Schwefel, lat. 8nl,>bur; sranz. 8onüo; cngl. Ilrini-slono, Sulpbnr; ital. 2uIIo , 8ollu , ist ein in der Natur sehrhäufig, namentlich aber im Mineralreich verbreiteter Kör-per. Er findet sich sowohl gediegen, z. B. in alle» vulka-nischen Gegenden, z. B. in Sicilien, als auch mit Metallenverbunden in den sogenannten Kiesen (Schwefelkies, Ku-pferkies); auch giebt es Quellen, welche viel Schwefel ab-setzen, z. B. bei Aachen. Im Pflanzenreich ist der Schwefelz. B. im Senf, Knoblauch und den Zwiebeln enthalten.Auch verschiedene thierische Substanzen, z. B. Eier, enthal-ten Schwefel, was man dadurch bemerken kann, daß silberneGeschirre davon anlaufen, indem sich der Schwefel auf derenOberfläche als eine braunschwarze Verbindung mit demMetalle absetzt. Der im Handel vorkommende Schwefelwird entweder durch Läuterung des natürlichen (gediegenen),oder aus dem Schwefelkies gewonnen. Im erster» Fall un-terwirft man ihn einem Schmelz- und Destillationsproceß,um ihn von den erdigen und steinigen Substanzen zu reini-gen. Im Neapolitanischen bedient man sich zu dem Endeeines Galecrenofens mit 10 Tiegeln, welche gegen 3 Fußhoch sind, mit Schwefelstücken gefüllt und dann zugedecktwerden. An der Mündung der Tiegel ist seitwärts eineirdene Röhre eingefügt, welche nach einer etwas tiefer lie-genden, oben verschlossenen, unten offenen Vorläge führt,die über einem Gefäß voll Wasser steht. So wie nun derSchwefel sich verflüchtigt, condensirt er sich in der Vorlageund tropft in das Wasser, wo er erstarrt. Man nennt ihnin diesem Zustande Rohschwefcl und er enthält noch >/,2erdige Theile, die bei dem Aufblähen und Verdampfen mitfortgerissen wurden. Man reinigt den Rohschwefel durch's

Umschmclzen in einem bedeckten gußeisernen Kessel, läßt dieerdigen Theile sich ruhig absetzen, schöpft ihn ab und gießtden geklärten Schwefel in angefeuchtete hölzerne Formen.

So heißt er Stanzenschwefel, sranz. 8oulro ä canua; ^engl. Iloll sulplwr. — In Frankreich bedient man sich zur !Reinigung des Schwefels gußeiserner Retorten, i» welchenman denselben schmelzt und die entstehenden Dämpfe in eineCondensationskammer leitet. — Der ebenfalls zur Schwc-felgewinnung benutzte Schwefelkies ist eine Verbindung von48,3 Eisen und 84,8 Schwefel. In England wurde früheraus dem, aus Kupfer und Schwefel bestehenden, Kupfer-kies Schwefel abgetrieben, jetzt hat man damit aufgehört,seitdem viel sicilischer Schwefel eingeführt wird. Der ersteregiebt im verschlossenen Raum erhitzt 2/g seines Schwefelge-halts in Dampfform ab, welchen man in Condensationsge-fäßen auffängt und nochmals läutert. Man bedient sichhierzu entweder eines Röhrenofens, der Retorten, oder manläßt die Kiese in eigenenOefen mit absteigende» Rauchfängenund Condensatoren theilweise verbrennen, wobei ein ziemlichbeträchtlicher Theil Schwefel sich verflüchtigt, während zugleicher Zeit schwefelsaures Gas erzeugt wird. Die Röh-ren, in welchen man den Schwefelkies destillirt, sind vonfeuerfestem Thon oder Gußeisen, rund oder quadratisch, nachvorn verengt, mit horizontaler Bobenfläche. In jede Röhrefüllt man (am weitern Ende) a/, bis 1 Ctr. gröblich gepoch-ten Kies. Am »ordern, offenen Ende befindet sich ein eiser-nes, mit Wasser gefülltes Gefäß mit einem bleiernen Deckelund einer kleinen Oeffnung, für entweichende Gasarten.Der in das Wasser übergehende Roh- oder Lropfschwefelhat eine grünlich - oder röthlich gelbe Farbe und muß nochgeläutert werden, was in eigenen Galeerenöfen (Läuter-Lfen) geschieht. Auch beim Rösten der Schwefelmetallewird etwas Schwefel gewonnen.

Der Schwefel hat eine schön hochgelbe Farbe, ist wenighart, leicht zerreiblich und wird durch's Erwärmen elektrisch-Das spezif. Gewicht des reinen ist — 1,92, des unreinen ^2,33; bei 111" 6. schmilzt er zu einer klaren, gelben Flüssig-keit, welche bei 160" dickflüssig und braun, nach dem Erkal-ten aber wieder hellgelb wird. Erhitzt man den Schwefelbis zu 200" ll., so bleibt er alsdann beim Erkalten weich,durchscheinend, rothgclb, zähe und wird erst nach einigenTagen fest und gelb. Wegen dieser Eigenschaft bedient mansich des zähen, durch schnelles Abkühlen weich gewordenenSchwefels zur Verfertigung von Abgüssen von Münzen,Medaillen rc. An der Lust verbrennt der Schwefel mit blaß-blauer Flamme und stößt ein erstickendes Gas (schwefligsau-res Gas) aus. In Wasser ist er ganz unauflöslich, in Alkoholund Aether löst er sich nur wenig, aber besser in fetten undätherischen Oelen, in Actzlauge und Schwefelkohlenstoff auf-Die Hauptbenutzungen des Schwefels sind folgende: znSchwefclfäden und Schwcfclhölzcrn, zur Erzeugung der zu>NSchwefeln der Wolle und Seide dienenden schwefligen Säure,bei der Fabrikation des Sckicßpulvers, der Schwefelsäure,des Zinnobers, ferner in der Medizin, zu Kitt!c. Absicht-liche Verfälschungen des Schwefels kommen bei dem wohl-feilen Preise des Artikels wohl kaum vor, doch enthält erhäufig zufällige Verunreinigungen. Am nachtheiligsten istein Gehalt von Arsenik, der gar nicht selten im Schwefel ist,besonders wenn er aus Schwefelkies gewonnen wird. Man