Schwefelblumen — 883 — Schweinsborsten
kann den Arsenik dadurch entdecken, daß man den gepulver-ten Schwefel mit Salzsäure digerirt, ihn dann zur Trockneabdunstet, den Rückstand in schwachem Weingeist auflöst undn> die Auflösung ein blankes Zinkstäbchen taucht. Ueber-! öllht stch dieses mit dünnen Metallschuppen, so sind diesel-ken, wenn sie auf glühenden Kohlen einen Knoblauchgeruchverbreiten, jedenfalls Arsenik. Die im Handel vorkommen-den Schwefelsorten werden hauptsächlich nach den Erzeu-ZUngsgegenden benannt. Am häufigsten hat man folgende:böhmischer, in Stücken und Stangen, nicht ganz rein,Altsattel, Großlukawez und Komotau gewonnen; —3a lizi scher (von Szwoßowice), in Stangen und sehrrein; — kroatischer (von Rodoboy, fast eben so gut alsder galizische; — rö m is cher und an co n a er, sehr rein;lalzburger, ebenfalls von vorzüglicher Beschaffenheit."" sicilischer, die beste und reinste von allen bekannte»Sorten, schön citronengclb, in Kuchen oder Stücken; — dertoscanische, gewöhnlich von blasser Farbe. In Hol-end wird viel ausländischer Schwefel rafflnirt. Sici-tien soll jährlich für einen Werth von 180,000 Ducati S.ausführen. Spanien hat ergiebige Schwefelgrubcn bei^lan, Belmonte und Chicala. In Preußen wird nuröu Rohnau bei Kupferberg S. gewonnen und zwar jährlichLegen 800 Ctr. In Sachsen werden jährlich etwa 6 bis 10Etr. Schwefel aus Schwefelkiesen zu Annaberg, Schwarzen-derg und Marienberg bereitet. Im Jahr 1840 wurden indem deutschen Zollverein 46,474, 1842: 107,499 CentnerSchwefel eingeführt. Am Harz liefert der Rammelsbergiährl. ohngefähr 1800 Ctr. Schwefel. Von den jährlich inEngland im Durchschnitt eingeführten 333,731 Ctr. Schwe-ll war der größte Theil aus Italien, namentlich Sicilien.
Südamerika sind reiche Schwefellager bei Quito, in^estindicn auf Guadeloupe.
Schweselblumen, Schwcfelblüthen, lat. No-vos sulplmris; franz. Llours üo sousro ; engl. Llcnvors olsulplnir,^ulllimcd sulplwr; ital. I'loro ll> ltolla, ist das durch Subli-mation aus dem gewöhnlichen Schwefel erhaltene feine, auskvhr kleinen Krystallen bestehende Pulver (Mehl). Manbereitet die Schweselblumen häufig in England, Holland,besonders zu Marseille, dann zu Rouen, Venedig ic. Imdeinen macht man die Schweselblumen in gläsernen Kol-ben, ,'m Großen aber in eigenen Oefen , wo der Dampf ine>ne Kammer (die Schwcfelkammer) geleitet wird und sich daverdichtet. Gewöhnlich enthalten die Schwefelblüthen etwasSchwefelsäure, welche aus der bei der Sublimation sich^zeugenden schwefligen Säure in Berührung mit feuchtervst entstanden ist. Um dieselbe zu entfernen, werden sieMit Wasser abgcwaschen und wieder getrocknet.
Schwefelsäure, s. Vitriolöl.
Schweinfurt, Stadt in Baiern, Unter-Franken,vM Main, mit 7800 Einw., die bedeutenden Obst-, Wein-Mid Gartenbau, so wie ziemlich lebhaften Handel treiben.
s befinden sich hier Hauptzollamt, Salz-Oberfaktorei,. Achsel - und Merkantilgericht erster Instanz, Handlungs-Mstitut, Landwirthschafts- und Gewerbeschule, mehrereabaks- und Lederfabriken, die berühmte chemische und Far-vnfabrik von Sattler, 1 Schroot-, 1 Tuch- und 1 Sei-vübandfabrik und viele Branntweinbrennereien und Töpfe-
reien. Schweinfurt ist ein Hauptort für den Handel mitden in der Umgegend gesammelten Droguen. Nicht unbe-deutend sind die Jahr- und Viehmärkte; hat auch einenWollmarkt.
Schweinsurtcr Grün, eine sehr brillante hoch-grüne, 1814 von Ruß und Sattler in Schweinfurt erfun-dene (1822 von Liebig in der Zusammensetzung bekanntgemachte), aus arseniger Säure undKupferoxyd bestehendeFarbe, die man auf folgende Art bereiten kann : Man läßt10 Theile Grünspan in einem kupferne» Kessel in so vielwarmem Wasser zergehen, als nöthig ist, um damit einendünnen Brei zu bilden; diesen siltrirt man zur Abscheidungmechanisch beigemengter Unreinigkeit durch ein Sieb. Nach-her werden 8 bis 9 Theile fein gepulverte arsenigte Säure(weißer Arsenik) in einem andern kupfernen Kessel in 100Theilen kochendem Wasser aufgelöst. Diese Auflösung wird,noch kochendheiß, siltrirt und dann wieder bis zum Siedenerhitzt. Dann setzt man unter fortwährendem Kochen denGrünspan in kleinen Mengen nach und nach zu. Man fährtmit dem Kochen fort, bis die Flüssigkeit klar und farbloserscheint. Die erhaltene Farbe wird gewaschen, getrocknetund in Pulverform in den Handel gebracht. Sie wird jetztvon den meisten Farbenfabriken geliefert.
Schweinsborsten, Borsten, franz. Solos -lo porooder üo songllor; engl. llilstlos ; ital. Sowie, werden nur vontodten Thieren gewonnen, entweder durch Abschaben mitscharfen Eisen unter Anwendung von heißem Wasser oderdurch bloßes kaltes Ausraufen. Sorten: Schachtel-borsten heißen bieder wilden Schweine, 8. üe sonxllor,nach ihrer Verpackungsart; sie sind geschätzter als die ge-wöhnlichen Borsten, da sie stärker, länger und besser sind.Sie sind in kleine, 1 Fuß lange, 2 Zoll breite, tannene Käst-chen oder Schachteln verpackt, worin sie in kleinen, in derMitte zusammengebundenen Packeten liegen. Man erhältsie aus Rußland, Polen und Ostpreußen, sowohl im rohenals zugerichteten Zustande. Die Borsten der zahmenSchweine kommen in Tonnen oder Fässern, worin sichPackete von verschiedener Größe befinden, die aber auch ein-zeln (packetweise nach dem Gewicht) verkauft werden. Manunterscheidet eine lebendige Sorte. So heißt die von ge-schlachteten Schweinen, und eine todte, von verreckten,franz. Solos vlvos und Wortes. Die kalt ausgerissenen Bor-sten werde» den durch Abbrühen erhaltenen vorgezogen. Dieim Winter gewonnenen, so wie die Borsten aus nerb-lich e n Ländern sind besser als die vom Sommer oder ausdem Süden. Am geringsten sind die Kalkborsten,d. h. solche, die durch Behandlung der Schweinefclle mitKalk erhalten werden. Im Handel benennt man die Bor-sten gewöhnlich nach der Anwendung, für die sie bestimmtsind, z. B. Bürstenbinder-, Schuster-, Pinsel-borsten. Der Farbe nach hat man weiße, schwarze, graue,braune, rothe und melirte Borsten. Die theuersten sind dieweißen und schwarzen. Der Abfall wird im OesterreichischenZwingstoß genannt.
Handelund Bezugsorte. Den wichtigsten Aus-fuhrhandel mit Borsten treibt Rußland, woher alleinEngland im Jahr 1841 ohngefähr 1,419,314 Pfd. be-zog, während es aus Preußen (Königsberg) nur 132,136Pfund und aus Deutschland 130,889 Pfund erhielt. Die