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Zweiter Band. H - Z.
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Seehaltcnd — 687 — Sechandlung

i>as Seegras schön grün, wird aber getrocknet graubraunb»d unansehnlich, gekräuselt und ballenförmig in einanderMochten. Es wird gewöhnlich nach heftigen Stürmen anKüsten getrieben, wo es lange, ohne zu faulen, liegenbleibt; auch ist es dem Insektenfraß nicht unterworfen.Früher wandte man es in den Seegegenden, z. B. Holland,"ur zum Dachdecken und zum Bauen der Dämme, so wieKUnr Unterstreue» in den Ställen an; jetzt aber bedientsich desselben in Menge zum Auspolstern von Betten,Matratzen und Meubeln aller Art. Freilich ist es wenigerdauerhaft und nicht so elastisch als Pferdehaar, aber auchAußerordentlich billig. Die Hauptbezugsorte für diesen Ar-blkel sind Hamburg, Lübeck, Stettin und Kopenhagen, vonaus es in Ballen von 200 bis 300 Pfd. versandt wird.Vri'm Einkauf wählt man lieber das frische, dunkelfarbige,lange und gekräuselte, als das bleiche, kurze und alte.

Seehaltelid (engt. SearvorUi^), seetüchtig, bezeich-l'rt in Rücksicht auf ein Schiff dessen Tüchtigkeit, die ReiseUnternehmen zu können.

Sechandlung, die kö n i gl ich p reu ß i sche , ist einan sich, j>. h. jn Rücksicht auf ihre Bestimmung und Thätig-st für Handel und Industrie, eigenthümliches Institut.

wurde 1772 mit der Firma Seehandlungssocietät mit^lnen, Actien-Kapital von 1,200,000Rthlrn. in 2400Actien^ 5l>0 Rthlr. auf die Zeit von 20 Jahren begründet. DieAktien gehörten theils dem Könige, theils Privatleuten,brachten 10 Procent und außerdem eine verhältnismäßigeDividende aus dem jährlichen Gewinn, den ihr das Mono-bsl des Salzhandels, des Barkaufs alles aus Polen kom-menden Wachses, so wie der Betrieb verschiedener Schiff-sahrts- und Handelsgeschäfte gewährte. Die Octroi der-en wurde zwar im Jahr 1792 bis 1808 erneuert, jedoch

selb

ben Wachsvorkauf ausgenommen, und das Gesellschafts-

kapital auf IV- Milk. Rthlr. in 3000 Actien v 100 Rthlr.Uerniehrt, die der Staat garantirte; die Inhaber erhieltenüber nur 3 Proc. Zinsen und wurden von der Theilnahme"U der Geschäftsvcrwaltung ausgeschlossen. Seitdem blieblms Institut nicht mehr eine Handelsgesellschaft, sondernMurde ein königliches Geld- und HandelS-Jnstitut, das nachbenr für Preußen unglücklichen Kriege von 1806 große Ka-^ckaiien zur Bestreitung großer Kriegskosten aufnahm undbafür Seehandlungs-Obligationen ausstellte, dieMie die Seehandlungsactien 1810 i» StaatsschuldscheineUmgewandelt wurden. Die 1808 abgelaufene Octroi wurdeMcht wieder erneuert, aber das Institut blieb fortwährendthätig und besorgte besonders die großen, damals nöthigenGeldgeschäfte des Staats. Durch eine königl. Kabinetsordrebonr 17, Januar 1820 wurde die Sechandlung als ein fürbestehendes, vom Staatshaushalt getrenntes undUnabhängiges Geld - und Handels-Jnstitut des Staats^klärt, und einem eigenen Seehandlungs-Directorium, ausStaatsbeamten bestehend, mit unbeschränkter Vollmacht,^ber auch persönlicher Verantwortlichkeit, untergeben. JnMsem Verhältniß steht ihr nicht nur vorzugsweise der An-M>f des überseeischen Salzes aus Frankreich, England rc.M^d anderer dem Staat selbst unentbehrlicher ausländischerProdukte, die Beitreibung der Salzdebits-Ueberschüsse in- teußen und Schlesien, und die Besorgung aller für Rech-

nung des Staats vorkommenden Geldgeschäfte in und mitdem Auslande, und im Jnlande derer, die eine kaufmännischeMitwirkung nicht wohl entbehren können, auf Requisitionder respektive» Behörden gegen Erstattung der üblichen Ko-sten, so wie der für die Hauptverwaltung der Staatsschuldennöthigen Kapitals- und Zinsenberichtigung in Betreff derauswärtigen Staatsschulden zu. Deshalb hat sie die preu-ßische Staatsanleihe in England und im Jahr 1832 das be-deutende Prämiengeschäft von 12 Mill. Thlrn. auf die vonihr dem Staat zum Chauffeebau rc. geleisteten Vorschüsse(s. d. Art. Preußen), so wie 1834 das königl. Leihamt inBerlin übernommen und betreibt große Handelsgeschäfte mitüberseeischer Ausfuhr in eigene» Segelschiffen und Dampf-booten rc., und hat große industrielle Anstalten gegründet.Alle ihre Geld - und Handelsoperationen garantirt derStaat, sie genießt ferner Stempelfreiheit in Woll-, Belei-hung-, Lagerung- und Berkaufsgeschäften, in dem Woll-handel ist sie berechtigt, zur Versallzeit die verpfändete Wolleohne gerichtliche Einmischung zu verkaufen, die Revisionihrer Jahresrechnungcn geschieht gesetzlich (Gesetzsammlung1836, S. 27) durch den jedesmaligen Chef-Präsidenten derOber-Rechnungskammer, und das Ganze steht mit seinemChef unmittelbar unter dem Könige, dessen besondere Geneh-migung zu der Ausführung größerer Unternehmungen stetsnöthig ist.

Die Geschäftszweige der königlich preuß. Seehandlungsind, außer den Geldoperationen zu Staatszweckc», Wechsel-verkehr, Darleihen von Kapitalien aufHypothek von großenLandgütern, Handel mit Gold u. Silber, Schifffahrt und Aus-fuhr einheimischer Erwerbserzciignissc: 1) Wollgeschäft(seit 1826), Einkauf von zuweilen (1837) jährlich 10 bis12,000 Ctr. Wolle auf preuß. Märkten, und hat damit eineWollsortir-Anstalt in Berlin verbunden;— 2) Alaun-handel. Die Seehandlung hat den Vertrieb des Fabrikatsvon den zwei königl. Alaunwcrken zu Schwemsal undFreienwalde, und den zwei Privatwerken zu Muskau undGleißen, gegen Provision. — 3) Die Seife-, Licht- undchemischeProdukten-Fabrik, durch Uebernahme derehemaligen Hempelschen Fabrik in Oranienburg, seit 1832.— 4) Die Mehl-Fabrikation durch Anlegung oderUebernahme von Dampfmahl- und andern Mühlwerken.Sie kaufte deshalb (1829) eine Mühle zu Thiergarten beiOhlau, um die Müllerei imJnlande zu verbessern; im Jahr1843 baute sie die Potsdamer Dampfmühle; übernahm 1840zu Beuthen a. d. O. die zu der Majoratsherrschaft Carolath-Beuthen gehörigen Mühlwerke; in Bromberg 3 Mahlmüh-len (1842).— 3) Papier fabrikation. Eine Aktien-gesellschaft legte 1819 eine Fabrik von Patentpapier in Ber-lin an, beider sie sichaufAnsuchen derActionäre am27.Juni1821 betheiligte und deren Leitung übernahm (1837). Die-selbe Aktiengesellschaft besaß ein Hülfswcrk in Guben. Dieswurde hier aufgelöst, und dann in Hohenofen bei Wuster-hausen an der Oder vom Fiscus ein Grundstück erstanden u.auf Kosten der S. eine neue große Maschincn-Papierfabrikerrichtet. — 6) Maschinenbau, in einer ihr gehörigenAnstalt zu Moabit mit einer Eisengießerei, wo Dampf-schiffe rc. gebaut werden. — 7) Die Kammgarn-

Spinnerei in Breslau wurde 1842 in Verbindung mitvier Kaufleuten, als die zweite in Preußen, mit 2000 Spin-

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