Band 
Zweiter Band. H - Z.
Seite
591
JPEG-Download
 

Seide

891

Seide

stimmen, verfährt man auf folgende Weise. Der Probirer(essuz-our) nimmt aus dem Ballen Seide 4Bund, von denenjeder gewöhnlich 4 Stränge hat, mißt von jedem Strang4V0 pariser Stab ab, und wiegt diese auf einer Goldwaage,deren Waagschale mit Affen (Denkers) belegt wird. Diestinste Organsin kaun 18 bis 20, auch 21 Denkers haben;gewöhnliche 23 bis 24, die gröbste 80 und mehr. Von derTramseide ist das gewöhnliche feinste Gewicht 24 bis 26,das mittlere 30 bis 32, das gröbste 30 bis 60 Denkers.Nenn man alle 4 Proben gewogen hat, so addirt man dieResultate, dividirt sie durch 4, und nimmt die so erhalteneZahl, den Mitteldurchschnitt, als die Feinheit des Ballensan. Bei der rohen Seide wird die Feinheit blos nach derZahl der Cocons geschätzt, die man zugleich abgesponnen hat.3n Lyon bestimmt man die Feinheit in Denkers oder GranNach dem Pfund von Montpellier, welches 414,63 Grammhat. Als Einheit die'.rt eine Länge von 400 Ellen (475Meter). Je leichter die Seide von der genannten Länge ist,Nm so feiner ist sie. Es kommen in den Handel folgendeSorten Seide:

Anconaer, 8oto äolia Uarca, im allgemeinen nichtdon vorzüglicher Beschaffenheit, ausgenommen die von Fros-stmbrone, welche an Glanz und Schönheit die meisten Sor-ten übertrifft.

Bengalische, die vorzüglichste der ostindischen Sor-ten. Ihr Hauptmarkt ist Cossimbazar. Dort wird sie inbedeutender Menge nicht nur für Europa, sondern auch für3»dien und Japan eingekauft. Man bringt sie in 6 Klassen,welche folgende Benennungen führen: Aggouedbunder(die beste), Cestabunder,Sawaudbunder,Assor-^ebunder, Sauxbunder und Maugbunder (dieschlechteste). Für den europäischen Handel erhalten sie an-dere Namen. Lanny oder Tani heißt die feinste Art,^tdapanga oder CabeoadeMora ist geringer. NochWeniger werth ist die Baringa de Mora; die Florctseidewird Mouta oder Muta genannt.

Bergamische Seide, Oorgamasco, sehr schön, glän-zend und egal, gewöhnlich in Ballen von 60Pfd.

Brescianer, zwar gut, aber geringer als dievorige-, sie wird vornehmlich von Franzosen und Schweizern

Sekauft.

Chinesische, die feinern Sorten derselben übertreffenvb Güte und feinem Faden alle übrigen europäischen undasiatischen Arten. Sie sind sehr gesucht und zu vielen wci-ke» Seidenzcugcn, besonders zu Gaze, Flor, seidenen Spi-ho» rc. ganz unentbehrlich. Man unterscheidet die chinesischeSeide in Nankingseidc, 1., 2., 3. Sorte und Conto»-seide, welche geringer ist.

Friauler, in Mine gesponnen und stark nach^wn gehend, besser als die von Verona, Viccnza undRovigo, aber geringer als die von Belluno und ValLugano.

Genueser. Die gelbe Sorte ist nicht schön, dagegenso weiße, aus der Gegend von Rovi, wegen ihrer Feinheitbbd ihres glatten, glänzenden Fadens sehr geschätzt und bei-nahe der Rankingseide gleichgesetzt.

Levantische heißt die von den griechischen und türki-lchen Inseln, Ihre verschiedenen Arten führen die Namen

der Inseln, von denen sie herstammen, z. B. Cyprische,Chiische (von Scio oder Chios), Tinische (von Lino) rc.Sie wird von Italienern, Franzosen und Engländern ge-kauft.

Mailändische; sehr geschätzt, aber geringer als diePiemonteser (Turiner); die rohe ist in Ballen von 100 bis200 Pfund, die gefärbte in Karten von 10 bis 12 Loth.

Mantuaner, von geringer Qualität.

Nankingseide, s. Chinesische.

Neapolitanische, wird nach den Erzeugungsge-genden in mehrere Theile getheilt. Am bedeutendsten ist dieSeidenkultur in Calabrien. Die Calabreser zerfällt wiederin folgende Sorten : Coscnza, Appalto, Cirella, Sambutelli,Reggio, Mantea, Belmonte,Belvedere, dellePiane, Marine,Monteleone und Appalto di Costa.

Persische, in sehr verschiedener Qualität vorkom-mend. Wir erhalten sie theils durch den ostindischen Han-del, theils über Smyrna, Aleppo und Konstantinopel, theilsauch durch den russischen Handel über Astrachan und Kisljar.Die Seide gehört in Persien zu den Hauptprodukten. Diebeste wird in der Provinz Ghilan erzeugt, und der chine-sischen gleich geschätzt; auf sie folgt in der Güte die Seidevon Schirwan und Eriwan und dann als geringste Sorte dievon Astrabat.

Piemontesische (Turiner), von den italienischenSorten die beste.

Sicilianische, sowohl roh, als gesponnen vorkom-mend. Die rohe ist gelblich weiß und öfters in Folgeschlechten Abhaspelns grob. Am wichtigsten ist die messi-na'sche, von welcher bedeutende Quantitäten über Mes-sina ausgeführt werden. Etwas geringer ist die pa-lermer.

Für den österreichischen Staat ist der Seidenhan-del von außerordentlicher Wichtigkeit, da das erzeugte Pro-dukt weit den eigenen Verbrauch übersteigt und jährlich be-deutende Quantitäten roher und silirter Seide dem Auslandeüberlassen werden können. Den größten Handel treiben daslombardisch-venetianische Königreich, dessen vortrefflicheSeidengattungen im Auslande sehr gesucht sind, und Tycol.Im Jahr 1820 betrug die Ausfuhr 1,387,000 Pfund, imWerth von ohngefähr 16,874,000 Fl.; 1825 an roher undsilirter Seide 2,361,180 Pfd., im Werth von 22,670,000 Fl.Ei» beträchtlicher Theil davon ging nach England. DieserStaat verbrauchte nach einem im Jahr 1823 erschienenenBericht jährlich 1,400,000 Kilogr. Seide, während Frank-reich nur 900,000 Kilogr. verarbeitete. Im Jahr 1823wurden in England an roher und silirter Seide 2,811,772Pfd. eingeführt und darunter waren über 1,200,000 Pfundaus Bengalen, gegen 400,000 Pfd. aus China und Persien,über 330,000 Pfund aus Italien. Bon der lombardischenSeide wird in England die aus der Provinz Bergamo vor-zugsweise geschätzt und erscheint in der Classisikation unmit-telbar nach der Seide von Bologna und noch vor der pie-montesischcn.

Die Ausfuhr von Seide aus dem lombardisch-venetianischen Königreich betrug in läbdrs xicools zu