Scifc
Seife — 39! —
stuhle in Seide und Halbseide im Iahe 183l, und hatte1834 deren 1713.
Im österreichischen Staat ist der Handel mit Sei-dcnwaaren im Innern von großer Bedeutung, da diejenigenProvinzen, in welchen wenig oder gar keine Seidenwaarcnerzeugt werden, ihren Bedarf aus den übrigen Provinzenbeziehen. Das lombardisch-venctianische Königreich ver-sendet viele Tastete, Seidentücher und Seidcnvclpel nach dendeutschen Provinzen und bis nach Wien, Wie» wieder vielegemusterte Stoffe nach Ungarn, Galizien, Böhmen und selbstnach Italien. Lyrol setzt den größten Theil seiner Sammtenach Ober- und Untcrösterrcich, Stcycrmark, Kärnthcn, Jl-lyrien und nach dem lombardisch-vcnetianischen Königreichab. Mit dem Auslande ist der Handel in Seidenwaarcnganz activ, indem dasjenige, was noch an dergleichen Er-zeugnissen aus Frankreich eingebracht wird, unbedeutend istgegen die beträchtlichen Quantitäten von Tastet und andernglatten Stoffe», welche aus Bicenza, Como, Bergamo,Brescia, Venedig, Verona, Mantua, Mailand und Wiennach Deutschland gebracht werden. In Betreff der Sciden-fabrikatio» Italiens sind außer den sieben angegebenenOrten der Lombardei noch zu erwähne» Turin und Genua,berühmt durch die schönW schwarzen Sammete und Blonden,Lucca, Florenz, Sicna, Bologna, Ancona, Neapel, Palermound Catania. In Portugal sind die wichtigsten Seidcn-sabrikcn zu Lissabon, Oporto und Braganza. In Spanienist Valencia wegen der Schönheit seiner Seidenstoffe be-rühmt; außerdem sind Fabriken in Barcelona, Mataro,Saragossa, Murcia und Granada. Die früher so bedeu-tende Seidenweberei in Holland ist gänzlich zurückgegangen.Haarlem, der frühere Hauptsitz dieses Industriezweiges,hatte 3000 Stühle, und jetzt sind nur noch 30 im Gang.In England hat die Seidcnfabrikation seit der Aufhebungdes Verbots der Einfuhr von Seidenwaarcn (durch Parla-rnentsacte 1824) auffallend zugenommen. Jetzt werdenschon viele Seidenwaarcn nach Nordamerika und Wcstindicnausgeführt. In England sind übrigens die Seidenwaarcntheurer und weniger geschmackvoll als in Frankreich, woherauch noch ziemlich viel eingeführt werden. Die bedeutendstenSeidcnfabrikcn sind zu Macclessicld, Coventry, Spitalesieldbei London, Manchester und Nottingham. Aus Ostindienkommen noch immer große Quantitäten seidener Taschen-tücher, und zwar meist einfarbig; dieselben werden dann inEngland bedruckt. S ch weben hat im Ganze» 10 Sciden-fabriken mit zusammen 832 Arbeitern. Die Taffetwcbcrciblüht besonders in Stockholm. — In Rußland hat dieSeidcnfabrikation in neuerer Zeit einen ziemlichen Auf-schwung genommen. Die bedeutendsten Fabriken sind zuMoskau. Im Jahr 1828 kamen zur allgemeinen Verwun-derung die ersten russischen Seidenzeuge auf die Messe nachLeipzig.
Seife, ist seit längerer Zeit ein beträchtlicher Gegen-stand für Gewerbe und Handel, sowohl im Großen als imKleinen; deshalb muß das Nöthige darüber bemerkt werden.Sie besteht entweder aus einer festen oder weichen Masse,welche durch die Einwirkung der Alkalien auf die Fette ver-mittelst der Feuerung gebildet wird. Der Gebrauch derSeife zu dem sehr mannigfaltigen Zweck ist allgemein be-kannt und schon sehr alt; denn schon Plinius spricht davon,
und unterscheidet auch bereits harte und weiche. Die Fette,welche zu Seife verarbeitet werden, sind entweder feste, wieder Talg, das Cocosnuß- und Palmöl, zuweilen dasSchweineschmalz, Elipcöl und die Galambutter, oder flüs-sige, ölartige, wie das Oliven-, Hanf-, Rüb-, Leinöl, derThran, so wie auch Mohn-, Buchecker»-, Nuß-u. Mandelöl-Ist für die Seifensieder in den Nordländern der Talg daswichtigste Fett, so für die der südlichen Länder das Olivenöl-Ucbrigcns wird jetzt auch viel Palm- und Cocosnußöl z»»Seife verbraucht. Die Alkalien werden zu einer Lauge um-gebildet, mittelst ungelöschten Kalkes, aus Asche oder Pot-aschc oder auch Sodasalz. Dabei kommt viel auf die zuge-nommene Menge des Kalks, so wie auf die Stärke der Laug?an, zu deren Messung man das ziemlich unsichere Mittel, dieBcaunui'sche, oder die Stoppani'schc, und in Frankreichdie Gay-Lussac'sche Senkwaage braucht. Das Verfahre»bei dem Scifensicdcn selbst ist verschieden. Rücksichtlich derGüte kommt es bei der Seife namentlich auf das Verhältnißdes Wassergehalts zu den übrigen Theilen an, und man un-terscheidet danach Kernseife, von der geschliffenen(glatten) und gefüllten. Erstere ist insofern besser, alsihr Wassergehalt geringer als bei den beiden anderen Sor-ten. Auch gilt die marinorirte Seife für besser, als diegewöhnliche weiße Seife, und mit Recht, wenn das Ansehe»jener nicht eine absichtliche Beimengung färbender Substan-zen ist, weil die marmorirtcKcrnseife nur den unumgänglicdnöthigen Wassergehalt hat, während derselbe in der weiße»Seife bei weitem größer ist, weil diese im Kessel durch mch»Wasser länger flüssig erhalten wurde, wodurch es möglichwurde, daß die färbenden Stoffe sich vollkommen absonder-ten. Indessen hat man in neuerer Zeit gelernt, auch solche»Seifen, welche viel mehr Wasser enthalten, als eigentlicheKernseife, durch Einrühren von Mineralfarben in einem ge-wissen Zeitpunkt der Erhärtung der Scifcnmasse eine künst-liche Marmorirung zu geben. Ucbrigcns kann nur bei har-te», nie bei Schmierseifen von Marmorircn die Rede sein.
Soda-Seife nennt man in Deutschland solche Seist'/die nicht durch Pot- oder Holzaschclauge, sondern unmittel-bar mit Natron- oder Sodalauge bereitet ist, und sich vo»der Holz- oder Potaschcseife durch größere Härte und Spr»-digkcit unterscheidet. Die weiße Talgscife der Engländerbesonders die berühmteWindsorseife, sindSodascifen.^Die sogenannte venetianischc oder marseiller Seistwird aus Baumöl mit Sodalaugc (Actznatronlaugc) bera-tet, und ihre Bereitung ist für die Länder der HcimathOelbaums (im südlichen Frankreich, Italien, Nord-Afrikaein beträchtlicher und blühender Gcwcrbszweig. Eine Soda-seife ist auch die Cocos » usiölseifc. Das Verfahren H3deren Bereitung ist eigenthümlich. Sie ist alabasterarüsweiß, durchscheinend, ungemci» hart, schäumt aber dast'leicht und vortrefflich und reinigt gut, leidet aber an eine»'unangenehmen Geruch, der den Händen lange anhast^Bis jetzt ist es noch ein Geheimniß weniger, diesen Ger»-zu beseitige». Diese Seife hat außerdem die Eigenheit, d"alles in der Lauge enthaltene Salzwasscr bei der Bereite»^in die Seife übergeht und darin bleibt, weil sie zu raschhärtet. Dadurch wird ihr Gewicht um ein Drittel größa'-als ihr wirklicher Gehalt an Seife beträgt. Dies ist ^keiner andere» Seife möglich; jedoch vermindert sich bei la»'