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Zweiter Band. H - Z.
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Stahl

Stahl

des letztem auch weiches Stabeisen, auf eine regelmäßigeWeise zusammen, so daß die gleichartige Masse des härternStahls die Schneide bildet und der weiche Stahl im In-nern die Festigkeit vermehrt. Das im Orient, namentlichi» Damascus, übliche Verfahren bei der Verfertigung derächten türkischen damascirten Säbelklinge« und Gewehr-täufe ist nicht bekannt. In Europa wird vorzüglich nachlegender Methode gearbeitet: dünne Stäbchen von Schmie-deeisen und Stahl, oder von hartem und weichem Schmiede-eisen, werden in gehöriger Anzahl zu einem Bündel parallelNebeneinander gelegt und zusammengeschweißt. Die dadurchentstehende Stange wird in die Länge geschmiedet und inzwei oder drei Theile zerhauen, die man wieder auf einanderiegl und zusammenschweißt. Man kann das Verfahren nochöfters wiederholen, wodurch man zuletzt einen Stab erhält,der aus vielen parallel liegenden Fäden, abwechselnd vonEisen und Stahl, zusammengesetzt ist. Dieser Stab wird"un im glühenden Zustande schraubenartig zusammengewun-den, indem man ein Ende im Schraubstock befestigt, dasandere mit einer Zange faßt und so gleichmäßig als möglichumdreht. Die verschiedenen mit einander verbundenen Fä-den nehmen hierdurch die Lage von Schraubenlinie» an, aberdie der Oberfläche näher liegenden sind in weiter» Kreisenäewunden, als die im Innern befindlichen, und ein genau>N der Achse des Stäbchens liegender Faden würde gar keineKrümmung angenommen haben. Schlägt man das gedrehteStäbchen platt, so kommen die Theile der Schraubenwin-dungen mehr oder weniger in eine gemeinschaftliche Ebenezu liegen und bilden eine, aus vielen symmetrisch gestelltendeinen Figuren zusammengesetzte Zeichnung, deren Linien,d» sie nach dem Beitzen durch die Stahl- und Eisenfädengebildet werden, desto zarter sind, je mehr beim Schmieden>e»e Fäden verfeinert wurden.

Unter den deutschen Stahlsorten zeichnet sich amUteisten durch seine vorzügliche Güte der steyermärkische^tahl aus. Der gewöhnliche steyermärkische Mock- oder^ohstahl wird theils zu verschiedenen Waaren, z. B. zuSensen verarbeitet, theils wird derselbe auf den Stahlhäm-u>ern zu Schienen gestreckt und daraus feinere Stahlgattun-zu Schneidewerkzeugen ic. erzeugt, welche die Name»^erbestahl, Sorsach- oder Lannenbaumstahl,klingen stahl, Feder stahl, Mittelzeug rc. haben.Den besten Stahl liefert die k. k. Jnnernberger Hauptge-^erkschaft, die größte im österreichischen Staat. Er wirdzu den feinsten Werkzeugen, besonders zu den sogenannten*UgIischc„ Feilen, verarbeitet und stark nach Deutschland,Frankreich, England und Nordamerika ausgeführt. Zugrößten und vorzüglichsten Stahlfabriken OesterreichsChören auch die fürstl. Schwarzenbergischcn Werke zu Mu-^u». Der dort verfertigte, »»schweißbare, Gußstahl inStängelchen, von welchem das Pfund 2>/z bis 3>/» Fl.

W. kostet, kommt dem englische» an Elasticität und^riße fast gleich und ist zu den schönsten Galanterie- undrsten Schneidcwaaren, zu Taschenuhrfeilen rc. tauglich;^bzogener Stahl in Stängelchen zu 34 Kr. bis 4 Fl.

Kr. das Pfund, ist »»gemein Schneide haltend und nimmtb'Ue schöne Politur an; K l i n g e n - oder L a n n e n b a u m -stahl zu 27 bis 32 Kr. das Pfund, giebt gute Säbelklingenschönes Schneide- und Federzeug; Münzstahl zu

37 Kr. das Pfund, ein für Stanzen beinahe unersetzlichesMaterial, auch zu Schlosserwerkzcugen sehr brauchbar.Ferner wird »och fabricirt klein genierter und flach gevierterBrescianerstahl zu 48 und 26 Kr., gegerbter Hacken-oder Tannenbaumstahl zu 27 Kr., Sensenschneid-stahl zu 21 Kr. ic. — Der kärnthnische Mockstahlist wegen seiner bedeutenden dauerhaften Härte zu manchenArtikeln noch vorzüglicher als der steyermärkische. Derkärnthncr Gußstahl von den gräfl. Eggerschcn Werken zuOberfellach bei Villach kann mit dem englischen, sowohlin Hinsicht seiner Eigenschaften, als des Preises wetteifern.Die verschiedenen Sorten werden in gleichseitig viereckigenoder auch flachen Stangen von 36 Zoll Länge ausgeschmie-dct. Die Stangen selbst theilen sich nach ihrer Dicke in12 Nummern, wovon Nr. 1 : V,«, Nr. 12 aber -/,o wienerZoll im Quadrat enthält. Der Flachstahl hat dieselbenNummern, die gleiche Breite, aber die halbe Höhe. — DerBrescianer - auch Fasse!- undKistenstahl genannt,hat seine Benennung daher, daß er zur Waffen - und Dolch-Fabrikation aus Kärnthen, Steycrmark und Krain nachdem obern Italien, hauptsächlich nach der Stadt Bresciaversendet wird. Die gräfl. Radetzkysche Fabrik zu Reu-marktl in Oberkrain liefert ihn in 7 verschiedenen Sorten,die mit Nr. 06, 6, 1, 2, 3, 4 weißer, 4 schwarzer mit Rostnbezeichnet werden. Er läßt sich sehr gut härten, ohne Risseund Sprünge bearbeiten und ist nach dem Gußstahl undgezogenen Stahl gewöhnlich die theuerste Sorte. DerAzzalonstahl kommt ziemlich mit dem brcscianer üder-ein. Vorn ungarischen Stahl ist der Diosgyörer,von Diosgyor im borschoder Comitat benannt, der beste.Im 1.1842 führte Oesterreich nach den deutsche» Zollvereins-staaten 22,106 Centncr, zur See über Trieft, Venedig,Fiume ic. 74,419 Ctr., »ach der Türkei 3686 Ctr., demfremden Italien 1139 Ctr., der Schweiz 214 Ctr., nachKrakau 128 rc. Schmelz- und gestreckten Stahl aller Art,Rohstahl und Mock 223 Ctr. aus. — In Preußen wird dieStahlfabrikation betrieben, im Regierungs-Bezirk Cöln,im Kreise Gimborn, Mühlheim, Waldbröhl, Wippcrfürth,im Regierungs-Bezirk Düsseldorf, Kreis Essen, Lennep,(Remschcid, Burg, Rade vorm Walde), Gußstahlfabrikvon Krupp (Kreis Duisburg, 16,000 Pfund Fabrikations-quantum); ferner in Solingen, Elberfeld, Jserlohn, Sie-gen, Altena, Brilon, Suhl, Olpe, Altenkirchen. ImJahr 1838 betrug in Preußen die Produktion von Rohstahl66,345, 1839: 100,326 Ctr. Beträchtlich ist die Berei-tung und Verarbeitung von Stahl im Schmalkaldischen inKurhessen. In England ist der Hauptsitz der Stahlfabri-kation zu Sheffield, Ncw-Castle upon Tyne, Stourbridgc,Birmingham, Brades, Dudley in Staffordshi'rc ic. —Frankreichs Stahlproduktion betrug 1826: 84,833 metrischeCtr. (nämlich 32,568 Ctr. Rohstahl, 20,860 Ctr. Cämcnt-stahl und 1,728 Ctr. Gußstahl). — In Schweden ist dieStahlerzeugung sehr wichtig, da dieses Land großen Reich-thum an vorzüglichem Eisen besitzt; besonders zu erwähnenist hierbei das auch in England zum Stahl so sehr ge-suchte Dannemoraeiscn. Die schwedischen Stahlfabrikenzu Grawandel, Wikmannshütte, Forsmark, Bckkafors,Osterby, Bcllrngfors ic., senden viel von ihren Erzeugnis-sen nach Rußland. Die hier genannten Gegenden liefern