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Stahl
Stahl
in Stäbe» von 1>/z bis 2 Zoll Breite, bei '/» bis ZollDicke, welche beinahe die Länge der Kästen haben. Manstellt die Eisenstäbe in die Kästen, >/, bis >/- Zoll weit aus-einander, auf die Kante, füllt die Iwischenräume mit demCämentirpulver, einem Gemenge von nicht zu feingepulverter Holzkohle, mit dem 10. Theil Holzasche, streutdarüber >/r bis ^ Zoll hoch das nämliche Pulver und wech-selt so mit Eisen und Cämentirpulver schichtenweise ab, bisder Kasten beinahe gefüllt ist. Obenauf giebt man einigeZoll hoch schon gebrauchtes Pulver und darüber eine ge-häufte Lage Sand oder einen Deckel von Thonplatten.Einige kurze Probestäbe werden so weit eingelegt, daß mansie leicht herausholen kann, um den Fortgang der Opera-tion und ihre Beendigung daran zu beurtheilen. Die Hitzewird bis zum Weißglühen (Schweißhitze) getrieben und indieser Stärke 4 bis 20 Tage lang unterhalten, je nach derGröße des Ofens und der Dicke der Eisenstäbe. Ein Ofensaßt 10 bis 160 Centner Eisen. Zuletzt läßt man den Ofenlangsam abkühlen, öffnet dann die Kästen und nimmt dieStäbe heraus. Sie zeigen sich spröde, ohne hart zu sein,und auf der Oberfläche mehr oder weniger mit Blasen be-deckt (Blase »stahl). Das Gewicht des Eisens nimmtdurch das Cämentiren um '/- bis Procent zu; nurschlecht gefrischtes, noch Schlacken enthaltendes Eisen zeigtkeine Gewichtsvermehrung. In England ist die Beobach-tung gemacht und zur Stahlfabrikation benutzt worden, daßweißglühendes Schmiedeeisen auch in Stahl verwandeltwird, wenn man es in einem Kasten eine Zeit lang derWirkung von hineingeleitetem Steinkohlengase aussetzt.Letzteres besteht größtentheils aus kohlchaltigcm Wasserstoff.
Die Arbeit des Einsetzens, welche mit der Brenn-stahlbereitung genau verwandt ist, wird häufig angewandt,um kleinere, aus Schmiedeeisen verfertigte Gegenständeoberflächlich in Stahl zu verwandeln, damit sie äußer-lich Härte zeigen und eine feine Politur annehmen. Zu demEnde werden die Stücke in einer Büchse von Eisenblech mitHolzkohlenpulvcr oder mit kohlehaltjgcn, etwas gröblichgepulverten Substanzen in einem Gemenge von schwarzgc-brannten Knochen, verkohlten Lcderschnitzcln, geraspeltemund verkohltem Ochsenhorn, Pfcrdehufe» und dergl. umge-ben und eine Stunde oder länger in der Esse geglüht, wor-auf man den Deckel der Büchse abnimmt und den Inhaltder letzter» in Wasser wirft, um die Härtung (Einsatz-härtung) zu bewirken. In neuerer Zeit hat man als einsehr wirksames, nur etwas theueres Mittel zum Einsetzen dasblausaure Kali (welches 17 Proc. Kohlenstoff enthält) an-gewandt. Weder der Rohstahl noch der Cämentstahl ist alsein vollkommenes Produkt anzusehen, denn beide sind nichtfrei von »»ganzen Stellen und sind mit dem Kohlenstoff aufeine ungleiche Weise verbunden, so daß sie härtere (kohlen-stoffrcichere) und weichere (kohlcnstoffärmere) Theile enthal-ten. Beide Stahlartcn dienen deshalb nur zu gröberen undgrößeren Arbeiten; für andere Zwecke müssen sie noch einerVerfeinerung unterworfen werden. Diese geschieht entwe-der 1) durch wiederholtes Ausschmiedcn und Schweißen,welches eine mehr gleichmäßige Vcrmengung der verschieden-artigen Theile bewirkt und Gerben und Raffiniren,franz. cori-oxo', raMnor; engl. rolmmp, osiinx, so wie derso verbesserte Stahl G e rbstahl oder rafsi n irter S ta hl
genannt wird, oder auch 2) durch Schmelzen, wodurch dievollkommenste Vermischung aller Theile und folglich der besteStahl entsteht, Gußstahl, franz. 4. komlu; engl. llast-sleci. — Man unterscheidet schweißbaren und un-schweißbaren Gußstahl. Je strengflüssigcr der Gußstahlist und bei je größerer und anhaltenderer Hitze er in Flußgebracht wurde, desto mehr besitzt er die Eigenschaft derSchweißbarkeit. Aus Ostindien kommt unter dem Name»Wootz, engl. Inüwn Steel, »volr , eine sehr harte undschwer zu verarbeitende Sorte Gußstahl. Wenn man die-sen bei geringer Glühhitze in Wasser ablöscht, so nimmt ereine sehr große Härte an und eignet sich vortrefflich zu festncn Messern. Ein gewöhnlicher Handelsartikel ist er nicht-Man soll ihn in Ostindien durch Zusammenschmelzen vonSchmiedeeisen mit Kohle bereiten. Jn> Europa hat manden Wootz auf folgende Art nachgeahmt. Es werden kleineStückchen von Schmiedeeisen oder Stahl in Kohlenpulvereingegraben und so lange heftig geglüht, bis sie sich in einedunkelgraue leicht zu pulvernde Masse (Kohleneisen) ver-wandelt haben. Diese wird gepulvert und mit reinerAlaunerde in einem verschlossenen Tiegel längere Zeit starkwcißgeglüht, wobei sie weiß und spröde wird. Ein mitbis '/^dieser weißen Metallmischung zusammengeschmol-zener Stahl giebt den Wootz. Zu feinen Schneidewerkzeu-gen, z. B. zu Nasirmessern, eignet sich vorzüglich der Sil-berstahl, engl. Lüvor-slcol, 8i!vor-comkinock sleel , ein mitVsoo Silber zusammengeschmolzener Stahl. Auch andereMetalle verbessern, wenn sie mit Stahl geschmolzen werden,denselben in bemerkbarem Grade. Eine derartige Mischungist der Nickel stuhl oder Meteor stahl, welcher auf fol-gende Art bereitet wird: 24 Theile Zink, 4 Theile Nicketund. 1 Theil Silber werden, mit Kohlenstaub bedeckt, i»einem verschlossenen Grapyitticgcl zusammengeschmolzen,in Wasser ausgegossen und zu kleinen Stücken zerschlagen-8 Theile dieser Mischung mit 6 Theil, gepulvertem Chroin-eisensteine, 1 Theil Kohlenpulver, 2 Theilen ungelöschten»Kalk, 2 Theilen Porzellanthon und 384 Theilen rohem Cä-ment-oder Blasenstahl geschmolzen, geben den Meteor-stahl. Der von Fischer in Schafhausen fabricirte gelbeStahl besteht im Wesentlichen aus 2 Theilen Stahl und1 Theil Kupfer.— Damascirter oder Damascener-Stahl heißt derjenige, welcher durchs Aetzen der vorherpvlirten Oberfläche, mittelst verdünnter Säuren, Schatti-rungen von dunkler und Heller Farbe zeigt. Diese Eigen-schaft hängt von einer ungleichartigen Beschaffenheit desStahles ab, denn je gleichartiger und weicher derselbe ist/je weniger Kohlenstoff er enthält, desto weniger tritt dieDamastbildung hervor. Der ungleichartige Roh - und Ca-mentstahl, welcher aus Gemengen von sehr hartem undweichem Stahl besteht, giebt einen sehr starken, aber sehtgroben Damast; selbst Stabcisen entwickelt in einem iniu-dern Grade dieselbe Erscheinung, weshalb man auch aushärterm und weicherm Stabeiscn, welches zusammenge-schweißt wird, Materialeisen zur Verfertigung von damas-cirtcn Gewchrläufen macht, so wie auch jeder gegerbteStahl aus demselben Grunde damascirtc Flächen zeigt'Ein solcher besitzt aber nicht die nöthige Festigkeit und Ela-sticität, welche von einem vorzüglichen Stahl verlangt wird,man schweißt daher härtern und weichern Stahl, oder statt