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Zweiter Band. H - Z.
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Steinkohlen

Steinkohlen — 638 —

dann muß die Glasur viel Bleiglätte enthalten und derGrund für Goldlüster braun sein. Der Goldlüstcr bestehtaus Gold und Zinn, in Königswasser aufgelöst, Schwcfel-^ dalsani und Terpentinöl, wird mittelst eines Bausches auf-getragen und unter der Muffel eingebrannt. Den Platin-güster erhält man auf folgende Art: Man löst Platin inKönigswasser auf und setzt die Auflösung tropfenweise zueinem Gemisch von Steinkohlcntheeröl und Schwefelbalsam,beides zu gleichen Theilen. Diese Masse aufgetragen undeingebrannt, giebt einen stahlgrauen Lüster, soll aber derLüster silberweiß sein, so bereitet man sich durch Präcipita-tion von Platinauflösung, mittelst kohlensaurem Ammoniakeinen Niederschlag, welchen man aussüßt, trocknet und mitlenem Firniß vermischt, mittelst einer weichen Bürste auf-trägt und einbrennt; man wiederholt das Verfahren mehr-mals und reibt sodann die Oberfläche mit Baumwolle, wo-> durch sich ein Silberglanz zeigt. Eine schwarze Glasur wirdiu Nottingham aus 21 Blciweiß, 8 Kiesel- und 3 Braun-stein gefertigt, auch kann man durch Cämentiren mit Kno-chenkohle eine schwarze Farbe bewirken, welche aber leichtUngleich ausfällt. In Deutschland wird die Steingutsabri-Eation auf eine von der beschriebenen etwas abweichendeMethode betriebe». Die Fabriken in Berlin und dem Re-gierungsbezirk Potsdam und Magdeburg beziehen ihrenThon aus Salzminde bei Halle; die Fabriken im Rcg.-Bez.Eöln und Trier von Vallcndar bei Koblenz. Gewöhnlichwendet man einen Zusatz von Kreide an. Das Brennengeschieht theils in einfachen, theils in Etageösen, wie beimPorzellan, mit Holz - oder auch Steinkohlenfcuerung.

In Deutschland sind Steingutfabriken zu Wien, Bi-stritz, Droß, Dalwitz, Unterkodau, Altwohlau, Dannowa,Tchumburg, Prag, Klösterle, Konopischt, Schlaggenwald,Klum, Leiniz, Amberg, Regensburg, Zell, Magdeburg,Althaldensleben, Hamburg, Hubertusburg, Rossen, Kahladei Jena rc.

Steinkohlen, franz. kouilles; engl. cool; italienisch6°rkoni mmoraii o äi coro. Dieses wichtige Brennmaterialwird auf bergmännische Weise aus dem Innern der Erdegefördert, wo sich an manchen Orten in einer eigenen Ge-üirgsbildung, der sogenannten Steinkohlenformation, sehrbedeutende, fast unerschöpfliche Lager finden. Ueber ihreEntstehung herrschen unter den Geologen sehr verschiedeneMeinungen. Als gewiß kann man annehmen, daß es vege-iubilische Ueberreste sind, welche wahrscheinlich nicht durch8euer, sondern durch chemische Zersetzung in Kohle verwan-dt wurden. — Die Steinkohlen bilden eine undurchsichtigeMasse von schwarzer, zuweilen in'S Braune oder Graueübergehender Farbe und mehr oder minder ausgezeichnetem8cttglanz. Ihr Bruch ist muschlig oder uneben; spezifischesGewicht --- 1,k6 bis 1,63. Ihrer äußern Beschaffenheit"ach unterscheidet man sie in Pechkohle, von starkemGlanz und vollkommen muschligem Bruch; — Schiefer-bohle, mit deutlich schiefriger Textur; — Blätter-bohle, eine Varietät der vorigen; — Grobkohle, mit""ebenem Bruch, grobkörnig; im Großen dickschiefrigwenig glänzend;— Cannelkohle, englisch Lannol odercool; französ. Nvuille äs llillienn^, von groß- undstachmuschligem Bruch, in'S Ebene verlaufend, schwach-

glänzend, leicht entzündlich, mit großer, Heller, weißerFlamme brennend; die Cannelkohle hinterläßt 3,1 ProcentAsche und giebt unter allen Arten am wenigsten Coaks,nämlich 32 Proccnt.

Wenn man die Steinkohlen einer trockenen Destillationunterwirft, so erhält man, unter andern Produkten, eineKohle als Rückstand, welche Coak (s. diesen Art.) genanntwird. Bei'm Vercoaken zeigt sich eine auffallende Verschie-denheit in der äußern Gestalt der Coaks. Einige behaltendie Form der Steinkohle» unverändert, bei verringertemVolum; die zerkleinerten Theile bleiben in einem pulverigenZustande; bei andern ändert sich auch das Volum nicht, dieTheilche» fritten zu einem festen Klumpen zusammen;andere endlich blähen sich auf und bilden eine mehr oderminder lockere Masse; jedoch findet hierbei nicht überall einescharfe Grenze statt. Nach den eben angegebenen Eigen-schaften unterscheidet man die Steinkohlen auch in Sand-kohlen, Sinterkohlen und Backkohlen; die beidenersten Arten sind mehr grau als schwarz, schwerer entzünd-lich und enthalten meist ziemlich viel Schwefeleisen, weshalbsie auch einen stinkenden schwefligen Geruch und eine bläu-liche Flamme geben. Der Werth und das Verhalten derSteinkohlen im Feuer läßt sich nach ihrer äußern Beschaf-fenheit nicht genau beurtheilen, doch kann man im allgemei-nen annehmen, daß eine Kohle um so kohlenstoffreicher ist, jereiner schwarz die Farbe, je stärker u. glasartiger der Glanzund je spröder die Substanz derselben erscheint.

Der Verkauf der Steinkohlen geschieht gewöhnlich nachdem Maaß, z. B. scheffel- oder tonnenweise. Wenn mandie Steinkohle im verschlossenen Raum, oder bei nur schwa,chcm Luftzutritt glüht, so erleidet sie eine Zersetzung und esentwickelt sich daraus eine große Menge brennbares GaS(Kohlenwasserstoffgas), welches schon seit längererZeit in vielen Orten im Großen, in eigenen Anstalten be-reitet und zur Beleuchtung (Gasbeleuchtung) benutztwird.

Die wichtigsten und bedeutendsten Steinkohlenlagersind die in England; aus denselben sollen jährlich 800 Will.Ccntner gewonnen werden. Die Werke von Rewcastleallein liefern jährlich 80 Will. Ctr., fast ü'/z-mal mehr alsder preuß.Staat. Belgien liefert nächstEngland die meistenSteinkohlen in 300 Steinkohlengruben, die jäbrl. eine Aus-beute von 67 Mill. Ctr. liefern. Frankreichs Stcin-kohlenausbeute betrug im Jahr 1839 ohngefähr 88 Mill.Ctr., jedoch werden auch englische, belgische und preußischeSteinkohlen eingeführt. Im preußischen Staat,welcher in Ober- und Niederschießen, im Saalkreis, imSaarbrückschen, bei Aachen, Eschweiler, in der Grafsch. Mark,bei Münden, bei Jbbenbühren, bei Halle oder vielmehrWettin Steinkohlengruben besitzt, wurden 1812 :14,900,932Tonnen a 4 Scheffel gewonnen. In Sachsen liefern dieStcinkohlcnwerke bei Zwickau, Döhlen, Potschappel, Po-sterwitz, Dresden rc. jährlich ohngefähr 1,300,000 CentnerSteinkohlen. Barern gewinnt namentlich in der Rhein-provinz viel Steinohlen ; auch Baden hat Steinkohlen -werke, Sachscn-Meiningc», Nassau, Kurheffen. Auch inOesterreich, Schottland, Irland, Spanien, Nordamerikaund Neuholland befinden sich bedeutende Steinkohlen-

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