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Zweiter Band. H - Z.
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634
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Stearin-Kerzen — 634 — Steingut

Analog hiermit sind die Ausdrücke: stauen (sranz. arrimcr;engl. Io stoev; holl. stuuncn; ital. slivaeo), Stauer (sranz.4rrimeur; engl. 8loncr; holl. 8lunwor; ital. 8tivol»rc),Stauerlohn (sranz. ttrrimago; engl. 8tonaxo; holl. 8tuu-'verloon; ital. 8tivagxio).

Stearin-Kerzen, Stearin-Lichte, s. Kerzen.

Stecke«, Brcnnholzmaaß im Großherzogthum Hes-sen und in Frankfurt a. M.

Stecknadeln, s. Nadeln.

Steige, s. Stiege.

Stein, ein HandelSgewicht im nördlichen Deutsch-land, in den Niederlanden, Schweden und Polen, außer-ordentlich von einander verschieden.

Steingut , Steinzeug, eine Art irdenes Geschirr,wovon man folgende zwei Arten unterscheidet: 1) das ge-meine Steingut, sranz. llror; engl. 8lono craro. Diesesverfertigt man aus einem feuerfesten, feinen, wenig eisen-haltigen, fast ganz kalkfrcien Thon, den man vorzüglichzu Flaschen für Mineralwasser, Krüge, Milchnäpfe, Apo-thekerkruken, Töpfe rc. verarbeitet. Die lufttrockene Waarewird in einem liegenden Ofen 8 Lage lang bei bedeutenderHitze gebrannt und wenn sich der Ofen in der heftigstenGluth befindet, wird Salz hineingeworfen, das verdampftund eine Glasur erzeugt. Zuweilen glasirt man auch mitSchmiede- oder Hohofenschlacken, die, fein gepulvert, aufdie feuchten Geschirre gestäubt werden. Die gebrannteMasse ist so stark gesintert, daß sie sich dem Halbgeflossencnnähert und am Stahl Funken giebt. Die Farbe "der Masseist auf dem Bruch theils bläulich grau, braun, theils gelb-lichgrau, von verschiedenen Mengen Eisenoxyd abhängig.Die Masse ist sehr dicht, weshalb die Geschirre einen Tem-peraturwechsel, ohne zu zerspringen, nicht ertragen, siepaßt daher auch nicht für Schmelztiegel. — An das gemeineSteingut reiht sich das von dem Engländer Wedgwooderfundene und nach demselben benannte Geschirr. Es wirdaus gefärbten Massen verfertigt, die beim Brennen nachArt des Steinzeugs in Halbfluß kommen, daher ein porzel-lanartiges Ansehn erhalten. Gewöhnlich werden sie nichtglasirt. Die Masse, welche durch verschiedene Metalloxydegefärbt wird, besteht aus 47 Schwcrspath, 13 Granit, 26Thon von Devonshire, 6 Gyps, 13 Kieselstein, 10 kohlen-saures Strontian; oder auch 30 Granit, 23 Gyps, 17 Kie-selst., 18 Thon, 13 Kaolin, 10 Schwcrspath. Zu denblauen Farben nimmt man Kobaltoxyd, zu BlaßgrünNickeloxyd, zu Grünlichbraun Kupferoxyd, zu SchwarzEisenoxydul und Manganoxyd rc. Man bringt gewöhnlichverschiedenfarbige Verzierungen, Abdrücke von Gemmen,geschnittenen Steinen, so wie andere Zierrathen an, welchebesonders geformt und aufgelegt werden. Die Glasur be-steht aus einem sehr leichtflüssigen, mit etwas Braunsteingefärbten Bleiglas. Nicht selten zeigen die Wedgwoodge-schirre einen glänzenden Lüster, welcher ihnen auf folgendeArt ertheilt wird. Dieselben werden in Muffeln, dereninnere Oberfläche durch Salz und Potaschc glasirt ist, zumzweitenmal gebrannt, wodurch sie, durch Verflüchtigungder Alkalitheile von der innern Fläche, einen Anflug vonGlasur erhalten, welches Verfahren in England ilie »moa-

r> nz genannt wird. Man bringt selbst auch absichtlich eineleichtflüssige, flüchtige Composition in die Muffeln, uwjenen Lüster gehörig zu erreichen. Auf solche Waare wer-den auch farbige Drucke aufgetragen. Auch an mehreren >Orten des Kontinents hat man das Wedgwoodgeschirr nach-gebildet, so gehört z. B. hierher die schwarze Masse, ausder Fabrik von Utzsch neider zu Saargemünd, doch kanndasselbe wegen des theuren Preises nicht allgemein in Ge-brauch kommen und bleibt mehr Künstgegenstand. Daserste Porzellan, welches Böttcher 1703 in DreSden fer-tigte, war eigentlich ein rothbraunes Steingut.

2) Das englische Steingut, sranz. ?aionce linssonglaiscj; l'. lle tone !>c plpc; engl. Larllien NLI'I!, putter)im engern Sinne, wurde in seiner vollkommene» Art zu-erst von Wedgwood dargestellt und seit 1763 im Große»fabricirt. Die Steingutfabriken Englands befinden sich i» ^Staffordshire auf einem Landstriche von 8 englischen Meile» ^Länge und 6 Meilen Breite, wo man feuerfeste, aber min-der feine Thonarten und Kohlen in Ueberfluß findet. DieseGegend, welche man gewöhnlich tbo lloliories nennt, ist vo»30,000 Mensche» bewohnt, die fast sämmtlich bei der Stci»-gutfabrikation beschäftigt sind. Der Thon wird, so wie eraus den Gruben kommt, sogleich auf eisernen Platten ge-trocknet, auf einer Mühle durch Steine, auf einer eiserne»Bahn zermahlcn, fein gesiebt, mit Wasser gemahlen und alsSchlamm durch Siebe in große Behälter geleitet. Deenöthige Zusatz von Kieselerde wird aus Feuersteinen beschafft,daher auch der ältere Name k'Ilntcvaro (Feuersteinwaare, ,sranz. Ollloutagv), welche gebrannt, in kaltem Wasser ab-geschreckt unter Pochstempcln oder Hammerwerken zerklopftund auf eigenen Mühlen gemahlen werden. Die milchig?Flüssigkeit wird durch feine Siebe geleitet und in große»Behältern mit Thonschlamm gemischt. Die Verhältnisseder Mischung sind verschieden; zu der llream colour Wallt?nimmt man 100 Thon, 20 Kieselsteine und 2 zersetzte»Granit; zu den zu bedruckenden Waaren 40 Maaß Tho»-schlamm, 13 M. Kieselsteinschlamm, 12 M. Kaolinschlaiw»und 1 M. Granitschlamm. Die gemischte Thonmasse wirdin eigenen Abdampföfen abgedampft und in einen steift»Teig verwandelt. Diesen bearbeitet man nochmals in ei»??Thonmühlc, formt dann Ballen daraus, welche man >»einem feuchten Keller längere Zeit aufbewahrt. Vor dc»?Verarbeiten wird die Masse noch mehrmals durchschnitte»und mit den Händen stark gegen einander geworfen, da»»auf der Scheibe geformt und wenn sie etwas abgetrocknet,auf einer Drehbank abgedreht. Ovale, flache und unregel-mäßige Arbeiten werden in Gypsformen geformt; mit ei»e? ^Schablone aus Messing bildet man den Rand rc. Nach den?Trocknen in geheizten Gruben wird die Waare in Kapsel??

40 bis 48 Stunde» lang gebrannt, dann in eine Glasur a»6Bleiweiß, zersetztem Granit, Kiesel und Flintglas getautund wieder in Kapseln gebrannt, die innerlich mit Salz u»??Potasche glasirt sind. Waare, die bedruckt oder bcw»^werden soll, erhält eine aus andern Verhältnissen bestehend?Glasur. Will man die Glasur bedrucken, so wird die Stell?vorher mit einer Auflösung vo» Copal oder Terpentin >»Terpentinöl bcstrichen und der Abdruck unter dereingebrannt. Das Malen und Vergolden findet seit»??statt, dagegen trägt man oft einen metallischen Lüster a?^>