Tabak
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Tabak
bestehen hier acht kaiserliche Fabriken zu Haimburg,Sedlecz,Göding, Fürstenfeld, Winiki, Mailand, Venedig und Ra-gusa, die jährlich an ^/sMill. Thlr. Reingewinn gewähren.Im allgemeinen sind die deutschen Labakssorten zwar in derGüte sehr verschieden von einander, aber alle haben einensogenannten Fuselgeruch (oder kncllern) in mehr oder weni-ger starkem Grade.
4) Ungarns Tabaksbau ist höchst bedeutend und sollgegen 100,000'Menschen beschäftigen. Die Ausfuhr gehthauptsächlich nach den österreichischen Staaten. Die deut-schen Fabrikanten beziehen nur, wenn der amerikanischeTabak im hohen Preise steht (wie das z. B. 1798 der Fallwar), bedeutendere Quantitäten. Der ungarische Tabakist lcvantischer oder asiatischer Abstammung. Die vorzüg-lichsten Sorten des ungarischen Tabaks sind: der tolnaer,kospallager, muraközer, hidaser, gömörer,arader, debröer,debrecziner,letnigcr, palan-ker, m a itzn er, karo ller, szcgcdin er, fünfkirch ner rc.Zum Schnupftabak eignen sich besonders: der szcgediner,debröer, fünfkirch ner, kapuvarcr, insulaner rc.Der Scherbell - oder wilde Tabak ist die geringste Sortezu Rauchtabak. Da das ungarische Blatt schon von Natursehr wohlriechend ist und eine schöne Farbe hat, so bleibt dergewöhnliche Rauchtabak ohne alle weitere Zubereitung, wes-halb es wohl auch der Gesundheit am zuträglichsten seinmöchte. Im Lande selbst ist der Verbrauch außerordentlichstark. Die Kultur ist nicht überall so beschaffen, daß derTabak alle Eigenschaften einer vollkommenen Waare besitzt,während es erwiesen ist, daß Klima und Boden in Ungarnden Anbau dieser Pflanze vollkommen günstig sind und beieinigem Fleiß Blätter erzielt werden, welche sich sowohldurch ihre schöne gelbe Farbe, als auch in Ansehung ihresangenehme» Geschmacks im Rauchen auszeichnen und indieser Beziehung zu den beste» Produkten gehören. KaiserJoseph II. ließ auch Versuche mit amerikanischem Tabaks-samen anstellen, die jedoch nur zum Theil gelangen. Diebannater Labakspflanzer nennen diese Sorte noch jetzt Kai-sertabak (Lrassror-Voliön^). Zur Versorgung der kaiserl.Tabaksfabriken bestanden früher in Ungarn eigene Einkaufs-ämter, durch welche die nöthigen Quantitäten an Tabaks-blättern zusammengekauft wurden. Jetzt ist deren Lieferungeiner Pachtgesellschaft überlassen. Die jährliche Tabaks«Produktion Ungarns soll über 300,000 Centner betragen.—In Siebenbürgen wird in mehreren Gegenden, ammeisten im haromszeker Stuhle, Tabak gebaut, — Gali-zien erhielt seinen Tabaksbau aus der Türkei, wie schonder aüs dem Türkischen abgeleitete Name TMm bewährt.Die Kultur wird besonders in den nach der türkischenGrenze zu liegenden Kreisen betrieben. Den besten Tabakgewinnt man an den Ufern des Pruth, im kolomcaer Kreise;auf diesen folgt der von den Ufern des Dniester.
8) Die Türkei liefert zum Theil sehr guten Tabak.Die vorzüglichste Sorte ist der jcnidsche Bartar; auf diesenfolgen der Karadagh-, Kirmalu-, Jolbachi-, Strumzza-und Petrichtabak. Die Blätter des türkischen Tabaks sindetwa handgroß, klein, zart, herzförmig, bräunlich- odergoldgelb. Beim Rauchen entwickeln sie einen eigenthümli-chen, sehr angenehmen Geruch. In der asiatischen Türkei
ist der Tabak von Ladikea (in Syrien) wegen seiner Güteberühmt. In Europa wird verhältnismäßig nur sehr wenigtürkischer Tabak verbraucht, zumal da er sehr theuer ist.Das Meiste geht nach Italien, Frankreich und Nord- ^afrika.
6) In Rußland wird in Volhynien, Podolien, derUkraine, in West-, Klein- und Weiß-Rußland, so wie inden Guverncmcnts Kursk und Orel, den woronesischcn,saratowsschen Kolonien rc. ziemlich starker Tabaksbau ge-trieben. Der gelbe und hellbraune, leichte Sarepta-Tabakwird meist in den inländischen Fabriken zu Rauchtabak, derschwarzbraunc, fette Saratow zu Schnupftabak gebraucht;von lctzterm wird jedoch auch viel ausgeführt und bei hohe»Preisen des amerikanischen Tabaks ist in den deutschen Fa-briken viel davon verarbeitet worden; der daraus verfertigteSchnupftabak ist aber nicht so haltbar, als der von virgini-schen Blättern. Der in der Ukraine gebaute Tabak ist asia-tischen Ursprungs. Die Hauptniedcrlage desselben ist zuRiga und andern Ostseehäfen, wo ihn die Broker in Krön,Wrak und Wrak-Wrak sortiren. Die Blätter der erstenSorte sind groß, gelblich und hellbraun, die der zweitenetwas kleiner und zum Theil zerrissen und unreif, die derdritten aber ganz klein, zerrissen und der Abfall aus beidenerster», meistens ungebunden. Der ukrainer Tabak ist, wiedie meisten russischen Sorten, sehr stark und berauschend,auch hat er einen Fuselgeruch und herben Geschmack.
Die Tabaksproduktion der übrigen europäischen Länderist nur sehr unbedeutend.
VI. Ostindischer Tabak.
Es kommen jährlich einige Partien desselben durch dieostindische Compagnie, in viereckigen Packen von 300 bis800 Pfund nach England. Die Blätter sind dick, braunund schwarzbraun und von sehr geringer Qualität. Sieeignen sich, ihrer betäubenden Eigenschaft wegen, weit we-niger für den Europäer als für den Asiaten. Der Ceylon-Tabak ist von ebenso großem Blatt als der Domingo, abervon schwarzer oder schwarzbrauner Farbe; er wird nur zumKauen gebraucht, kommt aber selten nach Europa. — DerJava-Tabak kommt in verschiedener Qualität in denHandel. Die bessere Qualität wird zu Deckblatt gebrauchtund theuer bezahlt.
Für die amerikanischen Labakssorten sind Bremen,Hamburg, Rotterdam, Amsterdam, London, Cadix undSevilla die Hauptmärkte.
Wir haben bisher nur vom rohen Tabak gehandelt.Beim Kauf achtet man darauf, ob die Blätter schön, gleich-farbig, ganz sind und viel Blatt haben, d. h. ob die Waareüberhaupt blattreich ist und die Sorten auch rein, d. h. nichtvermischt oder die schlechteren Blätter unter die Guten ver- csteckt sind und dergl. Viele Sorten werden vor ihrem Ver-brauch zum Rauchen durch Brühen rc. entweder ihrer schar-fe» und narkotischen Bestandtheile beraubt, oder auch nochschmackhafter gemacht. Dies geschieht in eigenen Anstalten,den Tabaksfabriken, die sich aber auch noch mit der Verfer-tigung der Cigarren, des Schnupf- und Kau-Ta-baks beschäftigen. Die erste Arbeit in jeder Tabaksfa-hr ik ist das sorgfältige Sortiren der Blätter, besonders