Tagewerk — 661 — Talg
Rechnung, Münzen, Maaße und Gewichte sind die rus-sischen.
Tagewerk wird in einigen Gegenden Deutschlandsder Acker, Juchart oder Morgen Landes (ein Feld-waaß) genannt.
Tagskauf, s. unter Staatsschulden, Staats-papiere.
Taim, Längenmaaß im hinterindischen Reich Birma.
Talara, Thaler, frühere polnische Silbermünze.
Talaro, Talari heißt in Persien, Arabien undandern asiatischen Ländern der deutsche (namentlich derösterreichische, dann auch der baiersche ic.) Conventions-Speciesthaler. Auch die spanischen Piaster werdendaselbst häufig Talaris genannt.
1)-<le la Ilexna, Stadt in Spanien,W. bei Toledo, rechts am Tajo, in einer schönen und frucht-baren Ebene, mit 8000 Einw., einer ökonomischen Gesell-schaft, vorzüglichen Seidenzeug- und Fapencefabrikcn undTöpferei. — 2)-Ia keal, Flecken ebend., OSO. bei Badajoz,am Guadiana, mit 2200 Einw., Seidenschnüren- undMaroquinfabrikation.
Talg, Unschlitt, Jnsclt, franz. 8uik; engl. Gal-ion-; ital. 8evo, 8opo; holl. Ongel; russ. 8alo wplenoo; lat.8cbam, ist das feste, aus den fetthaltenden Theilen mehrerervierfüßigen Thiere durch Ausschmelzen gewonnene Fett.Von den übrige» Fettarten unterscheidet sich der Talg durchseine größere Härte und Festigkeit und seinen eigenthümli-chen, starken und unangenehmen Geruch und Geschmack.Der wichtigste Theil jener Thiere für die Lalgbereitung istdas sehr fettreiche Zellgewebe. Für den Handel sind beson-ders zwei Arten wichtig: der Talg des Rindviehes, Rinds-talg,und der der Schafe, Schöpsentalg, Hammel-talg, Schaftalg. Der Rindstalg ist von Heller,blaßgelber Farbe, widerlichem aber schwachem Geruch undfester als der Schöpsentalg, welcher anfangs weiß ist,an der Luft aber nach und nach gelb wird und allmälig einenhöchst unangenehmen, ranzigen Geruch annimmt. Jenerist im allgemeinen häufiger als der letztere und wird diesemvorgezogen, damit kommen beide Arten größtenteils ver-mischt (zusammengeschmolzen) vor. Je nach der größernReinheit von fremdartigen Theilen unterscheidet man rohenoder ausgelassenen Talg, worunter derselbe in demZustande begriffen wird, in welchem er gleich nach der Tren-nung von den fleischigen und sas'rigen Theilen, blos ausge-lassen, erscheint, — und geläuterten oder gereinig-ten Talg, worunter man denjenigen versteht, welchernochmals mit Wasser eingeschmolzen, hierauf durchgeseihtund auf diese Weise gereinigt ist. Bei letzterem Verfahrenverliert der Talg 4 Procent seines ursprünglichen Gewichts.
Die Bestandtheile des Talgs sind: ein fester, weißer,geruchloser, das sogenannte Stearin oder Talgfett, undein flüssiger, gelblicher, stinkender, das Olein oder Oelfett;der erstere ist der wesentliche Bestandtheil, und man hat inneuerer Zeit mit Glück versucht, ihn behufs der Lichterberci-tung abgesondert darzustellen, indem man das Olein durchAuspressen entfernte, wodurch man denn auch einen sehrschönen, weißen und festen, dem Wachs ähnlichen Lichter-
talg erhält.— Die Hauptanwendung des Talgs ist bekannt-lich die zur Seifen- und Lichterbereitung; beide Zwecke gebenzu einer fernern Unterscheidung zweier Sorten die Veran-lassung: Lichtertalg und Seifentalg. Der erstere,welcher sich zur Lichterbereitung besser eignet, ist frischer,reiner und weißer, der Seifentalg dagegen ist weniger reinund fest, vielmehr ziemlich schmierig. Der ungemcin großeVerbrauch des Talgs zu jenen zwei Artikeln erhebt denselbenzu einem sehr wichtigen Gegenstand des Handels, welcherbesonders für die nördlichen Gegenden von großem Vortheilist, indem der in kalten Ländern gewonnene und im Winterbereitete jedem andern mit Recht vorgezogen wird. — Nachden Ländern seiner Bereitung unterscheidet man viele ein-zelne Sorten, wovon folgende die vornehmsten sind:
Deutscher Talg ist zwar nach den einzelnen Ortenetwas verschieden, im allgemeinen aber vorzüglicher als alleandern Sorten und gut geläutert; da jedoch die Fleischerihn meist in geringern Quantitäten gleich an die Seifen-sieder verkaufen, so bildet er keinen Gegenstand des größerenHandels; auch erzeugt Deutschland für seinen Bedarf beiweitem nicht genug, so daß noch viel fremder, namentlichrussischer, eingeführt wird.
Holländischer und irländischer Rinds talg,und dänischer Talg sind ebenfalls gute und reine Sorten,die dem vorigen nahe stehen.
Polnischer Talg wird sehr geschätzt und dem russi-schen vorgezogen, kommt in langen Fässern von 100 bis ISOStein vorzüglich über die preußischen und russischen Ostsee-häfen in den Handel und wird hauptsächlich nach den Kü-stenplätzen der Nordsee, nach England und Frankreichverführt.
Russischer Talg, etwas geringer als der vorige,die am häufigsten und in der größten Menge vorkommendeSorte. I» Rußland, wo die Talgschmelzerei ein besonde-res Gewerbe bildet, unterscheidet man weißen und gel-ben Lichtertalg, weißen, besten und mittlernSeifentalg, endlich Mittel- und schlechte Sorte.Der gelbe ist im allgemeinen besser als der weiße und kommtin Fässern, der weiße in Kübeln. Die Hauptmärkte Ruß-lands für den Lalghandel sind Petersburg und Archangel,weshalb man im Auslande gewöhnlich auch Petersbur-ger und archangelschen Talg unterscheidet. Fast ebensobedeutend ist die Exportation über das schwarze Meer, nachder Levante und europäischen Türkei, zum Theil auch nachItalien, für welche Odessa und Ekaterinodar die Haupt-plätze sind. Der Talg wird geliefert aus den Guvern. Kiew,Wolhynien, Podolicn, Cherson, Poltawa, Jekaterinoslaw,Bessarabien und Laurien. Der Markt von St-Petersburgist zwar größer, als der von Odessa, aber die Preise sollensich hier billiger stellen. Der odessaer Talg ist kein wei-ßer oder gereinigter, wie der von St.-Petersburg; derweiße ist nämlich Hammel-Talg, der das Pud 30 bis SO Ko-peken wohlfeiler bezahlt wird, als der Ochsen-Talg; über-haupt wird der odessaer Talg in England mehr geschätzt,weil er frischer ist und auch besser ausgewählt, und über-haupt der russische Talg consistenter als der südamerikanischesein soll. Aus Bessarabien kommt auch etwas Talg zurAusfuhr in den Häfen Jsmael und Reni. Odessa führt