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Zweiter Band. H - Z.
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Terpentin

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Terpentin

Sammt ähnlich sind die sogenannten b r ü s s e l e r T e p p i ch e,in Frankreich Illoquctteg voluutöos ot cpinglöcs, in Oester-reich linzer Teppiche genannt. Die Florschleifen indem Gewebe derselben sind nicht aufgeschnitten, sondern ste-hen geribbt, wie Knoten, weshalb sie in Frankreich auchöloquelle boucloe genannt werden. In Frankreich lieferndiese Art besonders Aubusson, Tourcoing, Abbcville, Amiens,Roubaix. Sie wird auf dem Jacquardstuhl gewebt, und hatauch Muster, aber der Farbenwechsel ist beschränkt. Zuwei-len sind die Poilschleifen des Musters aufgeschnitten, die desGrundes aber ringsum nicht. Bei den englischen öVilloncarpols ist jedoch Grund und Muster aufgeschnitten.

Terpentin, lat. lerolüntlüna, franz. lörobontlnno,engl. lurpeinlne, ist eine, aus den, in den Stamm verschie-dener Gattungen von Nadelhölzern gemachten Einschnittenausfließende, honigdickc, grau-, grünlich - oder röthlichgelbeSubstanz, theils trübe und undurchsichtig, theils klar unddurchsichtig, mehr oder minder angenehm riechend, erwär-mend, scharf, bitterlich schmeckend. An der Luft trocknet derTerpentin allmälig ein, indem das darin enthaltene äthe-rische Oel theils verdunstet, theils sich zu Harz orvdirt, undein weißes Harz (Galipot) zurück bleibt. Durch's Er-wärmen wird der Terpentin dünnflüssig; er brennt mit Hel-ler, stark rußender Flamme; in starkem Weingeist, in Aetherund ätherischen Oelen, auch in concentrirtcr Schwefelsäurelöst er sich auf, doch wird er von letzterer bei fortwährenderDigestion zersetzt. Von den verschiedenen Terpentin-Sortenkommen hauptsächlich folgende 2 im Handel vor:

1) Gemeiner französisch er Terpentin, sranz.1'. äe vorüeaux, clu pin; engl. komm«» tnrpontino,tronck t.; wird von den beiden Kieferarten ?inus s^Ivostnsund?. maritim» gewonnen, in Frankreich, besonders in derUmgegend von Bordeaux, Bayonne und in der Dauphinöe.Man fängt den Baum im 30. oder 40. Jahr an zu benutzen,und zapft ihn jährlich vom Monat Februar bis ohngefährzum Oktober an, je nachdem die Witterung gut oder schlechtwar. Zu diesem Zweck wird am Fuß des Baumes mit einemBeil eine Kerbe eingehauen, und alle 8 Tage bis in denHerbst hinein auf diese Weise der Stamm über der erstenKerbe frisch verwundet. Jede Kerbe ist 3 Zollbreit, undetwas weniger als einen Zoll hoch, so daß, wenn man die-selbe 4 Jahre nach einander auf einer und derselben Seiteeingehauen hat, man ohngefähr 8 bis 9 Fuß hoch gekommenist. Nun wird der Stamm auf der entgegengesetzten Seiteangehauen, und auf diese Weise fortgefahren, so lange nochgesunde Rinde an dem Baum ist; da sich aber während die-ser Zeit die alten Wunden vernarbt haben, so fängt man,wenn man rund um den Baum gekommen ist, über demRande dieser Wunden an, neue Kerben einzuhaucn. Aufdiese Weise kann der Stamm, wenn derselbe kräftig ist, unddas Behauen gut geführt wird, hundert Jahre aushalten.Das aus den Einschnitten ausfließende Harz wird In eineram Fuß des Baumes ausgehöhlten Grube aufgefangen.Diese Gruben schöpft man in jedem Monat aus, und bringtden rohen Terpentin, Komme moste, in Eimern von Kork-holz in die größern Behälter, wo derselbe aufgehoben wird.Ehe der Terpentin in den Handel kommt, wird er aufzweierlei Weise gereinigt: die erste besteht darin, daß man

denselben in einem großen Kessel schmelzen und durch einStrohfilter laufen läßt; bei der zweiten, welche nur imSommer vorgenommen werden kann, wird der Terpentin,welcher in einem großen viereckigen, mit einem fei» durch- >löcherten Boden versehenen, hölzernen Kasten enthalten ist,der Sonne ausgesetzt. Der in der Hitze zergangene Ter-pentin fließt in ein untergestelltes Gefäß ab, während dieUnreinigkeiten in dem obern Kasten zurückbleiben. Der aufdiese Weise gereinigte Terpentin wird höher geschätzt als derandere, weil derselbe weniger von seinem ätherischen Oel ver-loren hat und einen stärker» Geruch besitzt. — Der franz.Terpentin ist weißlich, trübe und dickflüssig, besitzt einen wi-derliche» Geruch und einen scharfen, bittern, ekelhaften Ge-schmack. — Eine Abart des französischen Terpentins ist derStraßburger, I. <Io Strasbourg, äu eaäln, von der ge-meinen Fichte oder Rolhtanne, klnus XKios, und von derWeiß- oder Erdtanne, p. picca. Man sammelt ihn inSavoyen und der Schweiz aus den Beulen und Gallen derTannen, in denen er sich im Frühjahr und Herbst befindet.

In den Vogesen und auf der schwäbischen Alp gewinnt manihn durch Einschnitte in den Stamm. Er ist blaßgelblich,ziemlich durchsichtig und weniger dick im frischen Zustande.

2) Venetiani scher Terpentin, franz. I. äo Ve-wce, I. <>u molöro; engl. Vonice t. Diesen liefert der inFrankreich, der Schweiz, den deutschen Alpen, Ungarn, Si-birien rc. wachsende Lerchenbaum, I'inus karix. Früher be-zog man ihn vorzüglich, von Venedig, jetzt erhält man ihnaber aus den genannten Ländern. Der venetianische Ter-pentin fließt von selbst aus der Rinde des Stammes, docherhält man mehr, wenn man einen Fuß hoch über der Erdeein Loch in den Stamm bohrt, und eine Röhre hineinsteckt,welche in ein Faß geleitet wird. Die Reinigung geschiehtwie bei der vorigen Sorte. Er ist blaßgelb, ziemlich durch-sichtig, klar, von angenehmem, etwas den Citronen ähn-lichem Geruch, und liefert durch Destillation >/o bis '/, äthe-risches Oel.

Der ungarische oder karpathische Terpentin,von llinus kombru gewonnen, ist dünnflüssig, durchsichtig,beinahe farblos, und hat einen den Wachholdern ähnlichenGeruch und Geschmack. — Der cyprische Terpentinstammt von lllstucia lorebintbus, einem im südlichen Europa,besonders auf den Inseln des griechischen Archipels, wach-senden, niedrigen Baum. Er ist durchsichtig, dick, vonblaßgclblicher, in's Grünliche stechender Farbe, angenehmemCitronengcruch und bitterlichem aber nicht scharfem Ge-schmack.

Der kanadische Terpentin oder kanadischeBalsam, franz. 6u flunoll», englisch llal-am ok Onaäo,auch wohl unächter Balsam von Gilead genannt,wird in Nordamerika von der Balsamtanne, pinus dslsuwo», jgewonnen. Er ist zäh und dickflüssig, sehr durchsichtig, ^farblos, von einem angenehm gcwürzhaften Geruch u»dmildem, balsamisch-bitterm Geschmack. Gebraucht wer-den die verschiedenen, in ihren Haupteigenschaften aber über-einkommenden Tcrpcntinsorten zur Darstellung von Harz*seifen, Siegellack, zu Kitten, in der Medizin, und umdaraus Terpentinöl, Geigenharz und andere Harzsorten zubereiten.