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Zweiter Band. H - Z.
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dieselbe Gestalt annehmen mag, so sehr das auch die meistenProducenten wünschen; denn außer den beiden großenWeltmärkten, welche jährlich in Pesth abgehalten werden,kann man von keinem einzigen sagen, daß er zu den Welt-^ Märkten zu zählen sei. So ist z. B. der in Prag einge-gangen, und außer jenem giebt es aber in der ganzen großenösterreichischen Monarchie nicht einen einzigen, welcher alswichtig zu nennen wäre. In Oesterreich ist die Schafzuchtam bedeutendsten in Mähren, Schlesien und Ungarn,welches letztere jährlich über 12,000,000 Pfd. Wolle aus-führen soll. In Sachseu war die Schafzucht schon in derMitte des vorigen Jahrhunderts bedeutend, die bedeutendsteVerbesserung derselben erfolgte aber 1708, als FriedrichAugust eine Heerde spanische Schaft einführen ließ. DurchThätigkeit und Sorgfalt ward die Güte der Wolle so sehrvermehrt, daß jetzt die feinste sächsische selbst der spanischenvorgezogen wird. 1811 rechnete man schon 2,000,000veredelte Schafe in Sachsen, die einen Ertrag von 204,343Stein Wolle, mit einem Werth von 4,000,000 Thlrn. lie-ferten. 1834 zählte man in dein, nach dem wiener Kongreßbedeutend kleiner gewordenen Sachsen 026,000 Schafe.Veredelte Schäfereien sind zu Lohmen, Stolpen, Ren-nersdorf rc. Der wichtigste Wollhandel befindet sich inLeipzig. Ueber die einzelnen deutsche» Staate» vergl. dieeinzelnen Artikel. — In Frankreich hat die Regierungstets viel gethan, um die Schafzucht zu heben und die Wollezu veredeln, doch kommt die französische Merinowolle dersächsischen nicht gleich. Im Jahr 1818 zählte man 706,310' Merinos, 3,378,748 Bastard- u. 30,843,832 gemeine Schafe.Sämmtliche Departements gewinnen jährlich über 40 Will.Kilogr. Wolle, im Werth von 190 Mill. Francs. DieProduktion reicht aber für den starke» Bedarf der Wollma-nufakturen nicht hin, und es findet daher noch eine Einfuhrvon mehr als 10 Mill. Kilogr. statt. Die beträchtlichstenWollmärkte in Frankreich sind Lliü!c>ns-s»r-ziorno, ?,ov!n8(achttägig), Llwrtros (zwei), Saint-sluoritin (achttägig), L1W-teauiluil, Iwvruux, LHSteauroux, Issouäun, Vaton, lo-ilen-burg (Deport, Lure), Ocoucmre, loulouso. — I» England,dessen bedeutende Wollproduktion wir schon weiter obenerwähnten, wird ebenfalls eine bedeutende Quantität Wolleaus dem Auslande eingeführt, so z. B. 1842 fast 46 Mill.Pfund. Davon gab Deutschland das Meiste, nämlich13,613,269 Pfd., Australien 12,989,671 Pfd., Rußland(namentlich von Odessa viel) 4,368,834 Pfd., Bcitisch-Ost-indien und Ceylon 4,246,083 Pfd., Spanien nur 670,239Pfd. rc.— Spanien war früher dasjenige Land, welchesden größten Theil von Europa mit Wolle versorgte. Diemeisten Heerden gehörten damals (vor 8 bis 600 Jahren)der Krone, jetzt sind sie Eigenthum der Klöster, Edelleuteund Privatpersonen. Man unterscheidet in Spanien die^ Schafe in wandernde (Ovojos morinos oder trasliumontos)und inbleibende (estantes.) Von erster» rechnete manzu Ende des vorigen Jahrhunderts 3, von letztem 3 Mill.Stück. 1820 soll ihre Gesammtzahl aber nur 4 bis 8 Mill.betragen haben. Die spanische Wolle unterscheidet man imHandel nach den Provinzen, aus denen sie stammt, und hathiernach: Leonesas (aus Leon, wo im Sommer die Schaf-heerden auf den Bergen weiden, und im Herbste nach Estre-, madura wandern, auf der Rückreise aber in Castilien ge-

schoren werden). In Segovia, Buitrago rc. wäscht mandie Wolle; sie ist gekräuselt, fleischröthlich, seidenartig, kurzund elastisch; sie heißt auch superfeine oder schöne Se-govia s. Segovias ist von der gleichnamigen Stadtbenannt. Die vorzüglichste gewinnt man von den Heerdenbeim Kloster el Escurial, nach welchem sie auch benanntwird. Sie ist auch fleischfarbig, aber nicht so seidenartigals die Leonesas. Soria, aus der gleichnamigen Provinz,wird wieder in mehrere Sorten getrennt. Die sogenannteSoria Segovias steht der feinen Segovia fast gleich; gerin-ger sind die Sorten de los Rios, dc los Cavaleros und delCampo de Lubricas. Avila, der besten Segovia gleich.Burgalesas (von Burgos), rosenfarbig, selten weiß,einige Monate nach der Wäsche etwas starr, was von demdurch de» Bergschnee gckältetcn Flußwasser herrührt. Mo-lina in Cucnza, Ortigosa in Burgos, Albaracia inAragonien, Badajoz in Estremadura liefern Wolle vonnicht wandernden Schafen, die einen Theil des Winters inStällen zubringen. Die Sevilla ist eine halbfcine Wolle.Die Hccrdeiibcsitzcr in Spanien verkaufe» die in drei Sortengeschiedene Wolle jeder Schur nicht einzeln, sondern alledrei zusammen in Sortimenten, von denen gewöhnlich jedes13 Ballen hat, welche aus 12 Balle» l! (lMOna, die feinste),2 Ballen !>' (bina) und einem Ballen 8 (l'orcora) bestehen.Noch wird eine vierte Sörte (Loz-il.i) von den Füßen rc. ge-macht. Im Durchschnitt halten die spanischen Wollballen130 Pfund (früher waren sie 30 Pfd. schwerer). — Ita-lien hat in neuerer Zeit auch Merinos eingeführt. Livornotreibt starken Handel mit Wolle aus LoScana, Rom undNeapel.— In Rußland ist die Schafzucht hauptsächlichauf die südlichen Provinzen beschränkt. Die Anzahl derSchafe wird auf 00 Millionen Stück angegeben. Bedeu-tend ist die Ausfuhr der Wolle aus Odessa, und betrug1842: 137,873 Pud, und war Merino (99,387 Pud),Zighai (9660 Pud), ordinäre (28,326 Pud). — Sowohldie asiatische als europäische Türkei liefern Wolle, diezum Theil sehr fein, aber meist schlecht behandelt ist. Unterden europäischen Provinzen sind die Moldau, Wallachei,BoSnien und Bulgarien, in den asiatischen: Syrien, Tur-komanicn und Salonichi am wichtigsten für die Wollpro-duktion. In Nord-Amerika hat man in neuerer Zeitviel gethan, um die Schafzucht zu heben, es sind auch dortMerinos eingeführt worden, allein im Jahr 1810 bezog man13,000 Schaft aus Spanien. In Süd-Amerika liefernBuenos-Ayres (in den la-Plata-Staaten), Peru,Chile und Monte Video Wolle zur Ausfuhr nachEuropa.

Hinsichtlich der Anwendung derWollealler Sorten mußman zwei Klassen, nämlich Streichwolle und Kamm-wolle unterscheiden. Sie sind beide wesentlich in ihrer Be-schaffenheit verschieden und werden auch verschieden bearbeitet,um zu je besonderen Fabrikaten verarbeitet zu werden. ZurStreich wolle gehören alle Wollgattungen, die mehr oderweniger gekräuselt, und nicht über 4 Zoll im ausgespanntenHaar lang sind. Der besseren derselben ist zugleich eine grö-ßere Feinheit, Weichheit und Geschmeidigkeit eigen, als dieKammwolle gewöhnlich hat. Kammwolle sind alle die-jenigen Sorten, deren Haar mindestens ohngefähr 4 Zollund selbst bis 12 Zoll lang, wenig gekräuselt oder nur

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