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Zweiter Band. H - Z.
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Wollemvaarm

Wollengarn — 780 —

schwach gelockt, oder fast ganz schlicht wie Haar, ist. Dielangen Sorten derselben sind zugleich gröber, härter undweniger geschmeidig, als eine gute Streichwolle sein muß.Verarbeitet zu Fabrikaten, sowohl Strumpfwaare als Ge-webe, zeichnet sich die Kammwolle noch dadurch aus, daßsie sich nicht verfilzt, sondern glatt bleibt. Deshalb werde»aus der Streichwolle nur solche Stoffe gemacht, die gewalktwerden müssen, wie z. Vss'das Tuch, und aus der Kamm-wolle solche Fabrikate, worin die Fäden offen und frei blei-ben, wie die Thibets, Mousselin de laine ic. Die Benen-nungen dieser beiden verschiedenen Wollgattungen sind vonder Art ihrer verschiedenen Behandlung entlehnt. DieStrcichwolle wird auf Kratzmaschinen gekratzt oder gestri-chen, dagegen die Kammwolle mit stählernen Kämmen ge-kämmt, ehe sie versponnen wird. Auch ist das Garn ver-schieden. Die Streichwolle giebt im allgemeinen ein wei-ches, lockeres, mehr oder weniger rauhes, die Kammwolleein glatteres Garn. Das Schaf unterscheidet man rücksicht-lich dieser seiner verschiedenen Bedeckung als langhaarig undkurzhaarig. In England wird auf die Zucht beider Artengroße Sorgfalt gewendet.

Wollengarn, franz. ?il llo loino; engl. iVvolon ;arn.Man hat davon zwei, je nach dcrWollgaltung und der Ver-arbeitung verschiedene Arten. Das zur Tuchbereitungbestimmte Garn wird Krempel- oder Streichgarn,das zur Bereitung glatter Wollenzeuge dienende da-gegen K a m m g a r n genannt.

Fabrikation des Streichgarns. Die erste Ar-beit ist das En tsch w ei ß e n, was in einem warmen, ausUrin und Wasser zusammengesetzten Bade geschieht, wodurchdie der Wolle noch anhängenden Fetttheile (der Schweiß)entfernt werden. Hierauf wird die Wolle gespült oder ge-waschen und dann getrocknet. Nun folgt das sogenannteZupfen oder Zausen (Auflockern) der Wolle in einer Ma-schine, die Wolf, französ. «lioblc, luup; engl. nnulmill,llcvil, heißt. Alsdann muß die Wolle, damit sie geschmei-dig und biegsam werde, eingefettet oder eingesch malztwerden, wobei man auf 100 Pfund Wolle 10 bis 20 Pfundreines Olivenöl für die feinen und Rapsöl für die stärker»Garnsorten anwendet. Nach dem Einfetten folgt dasKratzen, Krempeln oder Streichen, franz. «lruus-sogo, scridloxc und corllogo; engl. scriddlmx, coriling, derWolle, welches den Zweck hat, die Wolle nochmals zu men-gen und auszuziehen, wodurch die Wollhaare parallel nebeneinander gelegt und eine bestimmte Menge derselben in einzusammenhängendes, fast durchsichtiges, knotenfreies Tuchoder Fell von angemessener Länge und Breite verarbeitetwerden. Die Skreichmaschinen sind den bei der Baumwol-lenspinnerei angewandten Kardenmaschinen sehr ähnlich.Es ist ein mehrmaliges Streichen erforderlich. Das erstegeschieht auf der Fellmaschine, welche ein seines, zusam-menhängendes Fell liefert, auf einer zweiten Fellmaschinewird dieses noch feiner und kommt dann auf die Locken-maschine, welche die Wolle in einzelnen Streifen, circa 6Zoll langen Locken, abkämmt. Diese Locken kommen aufdie Vorspinnmaschine, werden da vorläufig ausgezogen, etwasgedreht, und in einen lockern Faden, das sogenannte Vor-gespinnst, verwandt. Der Lockenapparat ist durch die Vor-

spinnkrempeln nach Götze-Hartmannscher, Offermannscherrc.Einrichtung beseitigt. Das Vorgespinnst schiebt man aufkleine hölzerne Spulen und übergießt es der Feinspinn-maschine. Wenn das zu erzeugende Streichgarn alsEinschlag- oder Schußgarn dienen soll, so wird esrechts gedreht und erhält nur geringe Drehung; das Ket-ten gärn aber muß durch eine stärkere Drehung fester ge-macht werden.

Fabrikation des Kammgarns. Die im Handelvorkommende Kammwolle muß erst noch sortirt werden, wo-bei man nur 30 bis 60 Proc. wirklicher brauchbarer Kamm-wolle erhält. Das Kämmen geschieht auf dem Continentgrößtentheils durch Handarbeit auf stählernen Kämmen ; inEngland schon seit längerer Zeit auf Maschinen. Die ge-kämmte Wolle kommt auf mehrere nach einander folgendeStreckmaschinen, die sie in ein feines Fließ und endlich ineine fein gedrehte Lunde verwandeln, welche auf Grob - undFeinspindelbänken zu dem erforderlichen Grade von Feinheitausgezogen und zugleich gedreht wird, worauf man sie deneigentlichen Spinnmaschinen übergiebt. Das fertige Garnkommt in Packete von 10 Pfund, deren 30, 60 oder 80 einenBallen machen.

Das Wollengarn kommt roh oder gefärbt, einfach odergezwirnt in den Handel. Das feinste führt den Namen Ze-phyrwolle; berliner, englische und französische Wolle ist stär-ker und die Paladinwolle am stärksten.

Wollenwaaren sind eben so mannigfaltig als dieBaumwoll-, Leinen- und Seidenwaaren, und bestehen theilsblos aus Wolle, theils aus Wolle und anderen Stoffen.Man unterscheidet zunächst das Tuch (engl. cluth) von denWollzeugen (engl. ivorslell siulls olc.). Zu dem Tuch wirddas Streichgarn verarbeitet, weil sich dasselbe verfilzt, zuden letzter» wird hauptsächlich Kammwollgarn genommen.Bei Beurtheilung der Güte des Luchs muß die Qualität derdazu verarbeiteten Wolle, die Gleichmäßigkeit des Gespinn-stes oder des Fadens, das mehr oder minder dichte Gewebe,das Schecren und überhaupt die Appretur, so wie die Farbebeachtet werden; außerdem auch bei dem Kauf, ob es amRahmen zu sehr ausgezogen ist, was sich namentlich aus dermehr oder minder verzerrten Lage der Fäden und den sehrausgerissenen Löchern in den Leisten erkennen läßt. Ueberhaupterfordert der Einkauf von Tuch viel durch Erfahrung erwor-bene Kenntniß und Aufmerksamkeit. Gewöhnlich unterscheidetman superfeine, feine, mittle und ordinäre, aber rücksicht-lich des verschiedenartigen Gewebes einfache und geköperte,und in Rücksicht auf die Farbe einfarbige, melirte oder ge-köperte Tuche. Die verschiedene Breite der Tuche richtetsich nach deren Feinheit. Auch unterscheidet man Drops im-pcrincodics, /lcplürs, omorones, clrops ilo lontosio. Ausge-zeichnet sind die französischen und niederländischen Tuchedurch ihre Feinheit, vorzügliche Farbe und Appretur. Zuden letzter» rechnet man die in Belgien und in der preuß-Rheinprovinz zu Brüssel, Löwen, Verviers, Eupen, Jm-penbroich, Limburg, Aachen, Burtscheid, Düren, Rhevdt rc.gearbeiteten. Die englischen sind besonders in den Mittel-gattungen vorzüglich. Uebrigens leistet Deutschland nochnicht das daß Mögliche, trotzdem es die vorzüglichste Wollein seinen eigenen Gauen erzeugt. Hauptorte der Tuchfa-