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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
Entstehung
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die Hochachtung der jungen Aerzte eilt ihm entgegen; sie nen-nen ihn ihren Vater, ihren Führer, ihren Schutzgas! in denGefahren. Aber ein Alter, das auf eine unrühmliche Jugendfolgt, oder das Alter eines schlechten Kopfes ist ein nichtsbe-deuteudeS Alter; die Weisheit kann nicht die Wirkung sieben-zig geistlos durchwanderter Jahre seyn. Ein unwürdiger Greisist in meinen Augen mehr nichts als ein erwachsenes Kind,seine ganze Stärke ist Hartnäckigkeit, sein zahnloser Mund dieQuelle seines Stolzes. Alte Dummköpfe betrachten nicht,daß sie schon im Mutterleibe grau gewesen.

Man sieht also, daß die falsche Erfahrung nichts andersist als die regellose alte, oder blinde Uebung (routine). Dieregellose Uebung ist der oft wiederholte Umgang mit einer Wis-senschaft oder Kunst, deren Grundsätze man nicht einsieht; derPöbel glaubt, diese Grundsätze seyen unnütz. Ich verstehe indiesem ganzen Werke durch Pöbel (1e vulzaire) diejenigenMenschen, die unbekümmert um das, was man in allen ZeitenGroßes und Wahres gesagt hat, und selbst unfähig , das Großeund das Wahre einzusehen, alles, was über den gemeinstenGesichtskreis hinaus ist, falsch sehen, und doch damit ein sehrgroßes Geräusche machen. Dieser Pöbel nun hält die blindeUebung für die Grundfeste der menschlichen Erkenntniß, undfolglich für Verstand.

Er baut die Auferziehung der Kinder auf diese Grundfeste.Der wohlhergebrachten Uebung zufolge soll der Lehrer alleinbemüht seyn, anstatt den Verstand seines Lehrlings zu öffnen,sein Gedächtniß zu füllen; anstatt ihm die Augen auf alles,was ihn umgibt zu richten, ihm abgezogene Begriffe vonDingen beyzubringen, die beyde nicht begreifen. Rousseau,sagt man, fülle die Köpfe der Kinder mit der Kenntniß,die am meisten sichtbar ist, und sich am leichtesten auskramenläßt; das Kind lege diese Waare aus, wenn eS um die Unter-suchung dieser Waare zu thun ist; der Vater sey entzückt,und der Sohn packe wieder ein. Daher sieht man, daß Kin-der, die man in der ersten Jugend bewundert hat, bey vorgerück-ter» Jahren immer in der Mittelmäßigkeit bleiben, und daß gndere