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Von der Erfahrung in der Arzneykunst / von Dr. Joh. Georg Ritter v. Zimmermann
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in der Welt sich hervor thun, die in ihrer Jugend niemandbewundert hat.

Die Kenntniß des Menschen, die Kunst zu leben, die ersteder Künste, die vornehmste Quelle unserer Glückseligkeit, istdieser blinden Lehrmeisterin heimgestellt. Man will, daß esohne die geringste Vorbereitung möglich sey, diese erhabeneKunst in dem Umgänge von Menschen zu lernen, die sie selbstnicht verstehen. Ein Jüngling, der seinen Catechismus, seineGrammatik, seine lateinischen und französischen Wörter, undwenn es hoch kommt, seine Tanzkunst in dem Gedächtniß hat,wird plötzlich in die Welt geworfen, ehe man ihm auch einesinnliche Idee von der Welt gegeben hat. Eine Menge alterLeute rühmen sich daher ihrer Erfahrung von der Welt, undsind nicht fähig, auch in den kleinsten Dingen das Verdecktezusehen, einem Worte seine Absicht, und der Absicht ihre Triebfe-dern zu finden. Beständig in sich selbst und in seine wohlherge-brachtcn Begriffe eingesponnen, baut der helle Haufen der schulge-lehrten Moralisten, Juristen und Theologen Systeme, Gesetze undfalsche Religionen in die Lust, weil er weder die Natur nochden Menschen kennt. ES ist eine große Wahrheit, und eineWahrheit, die in unsern Zeiten alle wahren Philosophen pre-digen, daß unter allen menschlichen Wissenschaften die nützlichsteund noch zur Zeit die unvollkommenste, die Kenntniß desMenschen ist.

Der Landbau war seit undenklichen Zeiten verdammt, un-ter den Händen unwissender Sklaven der dummen Uebung zuschmachten. Es ist nicht zu fordern gewesen, daß der Land-mann von selbst, ohne die Anleitung der Philosophen oder dieBegünstigung der Fürsten, die Natur untersuche. Er hatinsgemein nicht mehr Verstand als er zum Brechen und Pflü-gen, zum Säen und Erndten bedarf; und eben darum hat erauch nicht Verstand genug zum Gehorchen. Die Macht desVorurtheils ist so groß, daß auch der elendeste Bauer die Reizeder Freyheit in dem Eigensinn sucht. Er spricht: ich hätte esnicht geglaubt! wenn ein geschickter Landbau in einem Jahremehr abwirft, als der seine in zehn; aber er will lieber ver-