sten Schriften von der Lustseuche waren zu jener Zeit die ein-zige Aufsticht deS großen Boerhaave, und er selbst erzählt mitEntzücken, wie er in der kleinen Schrift des von Hüttennicht nur die Kunst, in den verzweifeltesten, die Kraft desQuecksilbers weit überwiegenden, Fällen zu helfen gefunden;sondern, wie er in derselben auch alles schon beschrieben undempfohlen gesehen, waS die neuern Geheimniskrämer in Absichtauf die Methoden und die Mittel wider die Lustseuche Eigeneszu haben lügen.
> ' Alle Krankheiten sind uns nicht einmal dem Namen nacht bekannt; ihre Anzahl ist so groß, daß sich der beschäftigtsteß Arzt nicht schmeicheln darf, er habe sie alle gesehen. ESkönnen auch in einem Lande sehr wohlbeschriebene, aber indiesem Lande nicht bekannte Krankheiten erscheinen; sie raffeneine Menge Menschen weg; die Regierung wendet sich an diePraktiker, die Praktiker an ihre Erfahrung; das Orakel iststumm, und oft gibt ein junger Arzt die Antwort. Ingemeinen Fällen kommt freylich, wie HippokrateS schon gesagthat, die Unwissenheit des Arztes so wenig an den Lag, alsdie Unwissenheit eines Steuermannes, wenn das Meer stillist und die Winde gut sind. Aber bey schweren Gewitternlernt man den Steuermann kennen.
Die Vortheile der Gelehrsamkeit sind so beträchtlich, daßjeder gewissenhafte Arzt gezwungen ist gelehrt zu seyn, sobald er weiß, wie er es seyn soll.
Viertes Capitel.
Von dem eigentlichen Charakter der Gelehrsamkeit des Arztes.
9?ur wenige Gelehrte sind wahrhaft gelehrt. Die Kennt
niß der meisten verhält sich wie das Gold in dem Schrankeines Geitzigen. Es würde nützlich in bessern Händen, idies!» liegt es todt.
Man muß die Gedächtnißgelehrsamkeit (örucliston) voder wahren Gelehrsamkeit (scieucs) sorgfältig unterscheiden