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über jeden Umstand in den Krankheiten richtig zu schließen;durch die genaue Betrachtung der Wirkungen gelangen wirzu der Kenntniß der Ursachen, von diesen zu den Anzeigen,zu den Methoden und den Mitteln: sie allein lehrt uns, obdiese oder jene Erscheinung der Krankheit eigen, oder eineWirkung der gebrauchten Mittel, ob die Heilung ein Werkder Natur oder des Arztes sey. Derjenige ist immer der besteArzt, der, durch die Kenntniß dieser Naturgeschichte erleuchtet,die Winke der Natur wahrnimmt, und da, wo die Kunstnicht alles thun muß, die Natur durch die Kunst unterstützt.
Sydenham hat darum auf die Erforschung der Naturge-schichte der Krankheiten alle seine Kräfte verwendet. Er warüberzeugt, die Kenntniß der Wege der Natur in den Krank-heiten führe allein zu der Kunst, sie zu heilen, und sie alleinentferne den sonst unvermeidlichen Irrthum. Hofmann hieltauf einer einzigen nach den Regeln verfaßten Geschichte einerKrankheit mehr als auf tausend hochgepriesenen Geheimnissen,und prächtigen Zusammensetzungen alles verheißender Arze-neyen.
Nach dieser allgemeinen Betrachtung der Nothwendigkeit,der Eigenschaften und des Nutzens guter Beobachtungen bleibtmir noch übrig, einige nähere Beziehungen derselben auf dieErfahrung zu bestimmen. Man vermuthet insgemein bey demArzte die meiste Erfahrung, der die meisten Krankheiten sieht;diese Vermuthung ist falsch. Der Arzt, der die meisten Kran-ken sieht, und der Arzt, der in der gleichen Stadt die wenig-sten sieht, sehen beyde sehr oft gleich viel Krankheiten. JedesLand, jede Stadt, jedes Dorf haben gewisse Krankheiten, diezu gewissen Zeiten am häufigsten sind, und daher den Aerztenam meisten sich darbieten. Der sehr beschäftigte Arzt beob-achtet aus Mangel der Zeit diese Krankheiten obenhin; der wenigbeschäftigte Azrt beobachtet bey mehrerer Muße jeden Fall mit un-gleich größerer Sorgfalt. Die beständige Abwesenheit, die nächt-liche Unruhe, die Menge der Kranken und besonders das unendlichbeschwerliche Wesen der Umstehenden nimmt dem sehr beschäftigtenArzte die Zeit und den Muth, seine Beobachtungen recht zu