Krankheit wird erkannt, und die genaue Bestimmung ihrer sicht-baren Zufälle von andern Krankheiten unterschieden.
Wer also die verschiedenen Zufälle in dem Krankheiten wohlbeobachtet, wer aus ihrem Zusammentritt sich den Begriff derKrankheit so abzieht, daß er allen diesen Zufällen entspricht,und doch im Ganzen von jedem verschieden ist, verrichtetdas Werk des Geistes, der von der Betrachtung der äußernDinge in sich selbst zurücktritt, und die allzuweite Ausdeh-nung seiner erworbenen Begriffe durch die Methode zu ver-kürzen sucht. Herr d'Alembert sagt, der natürliche Fortgangdes menschlichen Geistes ist das Aufsteigen von einzelnen Din-gen zu den Gattungen, von den Gattungen zu den Arten,von den nahen Arten zu den entfernten, so daß er bey jedemSchritte sich eine Wissenschaft gestaltet, oder wenigstens andie schon gestaltete Wissenschaft einen neuen Ast hängt.
Die Aerzte vereinigen oft viele unter sich verschiedene Krank-heiten einer Art und eines Namens in eine Gattung, und un-terstehen sich, alle nach gleicher Weise zu heile». Die Entzün-dung des Augsterns muß von der Entzündung des Randesder Hornhaut genau unterschieden werden, weil beyde einan-der dem Scheine nach sehr ähnlich sind; Boerhave hat ausdiesem Irrthum Augensälbchen gebrauchen und beyde Augengänzlich zu Grund richten gesehen. Er befiehlt auch darum,daß man ohne Verweilen in der Entzündung des Augsternsbis zu Ohnmachten Ader lasse, und das Auge äußerlich sanfterwärme, damit die Entzündung nicht in eine Eiterung über-gehe, welche plötzlich den Kranken des angenehmen Lichtes be-rauben könne. Wir erkennen eine Entzündung des Augsterns ausdem entsetzlichen Schmerz, den jeder Lichtstrahl in dem Augeerweckt, da hingegen eine Entzündung in der Peripherie derHornhaut mit einem weit geringern Schmerz begleitet ist.Auch eine Entzündung des vordersten Häutleins der Augenund der Hornhaut, aus einer venerischen Ursache, muß von dereinfachen Entzündung dieser Theile sorgfältig unterschiedenwerden, weil in der ersten Gattung mehrentheils alle Mittelunnütz sind, die in der zweyten dienen. Man gibt für ein