1Z4
Ein schlimmer Abfall unterscheidet sich von einem gutenAbfall durch seine Frühzeitigkeit, durch ein heftigeres Fieber,durch die minder heilsame Natur deö Auswurfs, und durcheine nur flüchtige Erleichterung. Beyde haben ihre Ähnlich-keiten , deren ungeachtet das zu Unterscheidende dem Auge desBeobachters nicht entgehen wird, wenn er sorgfältig genugist, auf das Ganze zu sehen. Der Abfall ist schlimm, wenndie gegenwärtige Krankheit ihren Sitz verändert, oder gar inden Tod übergeht; auch läßt der Arzt dem guten Abfall seinenLauf, dem schlimmen widersteht er. Abfälle, die nicht durch-aus gut, und nicht durchaus schlimm sind, werden nach Re-geln beurtheilt und behandelt, die aus ihrer vorziehenden Naturungezwungen fließen. Kleine Abfälle waren schon bey Hippo-krates von keiner Bedeutung.
Obschon die Natur in Ansehung der Abfälle überhaupt sodurchaus methodisch nicht scheint, als es die Alten versichern,so kann man doch mit Recht diese Abfälle nicht läugnen, dazumal HippokrateS selbst nicht erwartete, daß sich alle hitzigenKrankheiten immer durch Abfälle enden. Nur muß man inkältern, oder mit einer so reinen Luft, wie Griechenland,nicht begabten Ländern, bey unserer weniger genauen Lebens-ordnung, und hauptsächlich bey unserer heftigern Heilungsart ,bey unsern zahlreichen und bessern Arzeneyen nicht allzu aber-gläubisch auf die anzeigenden Tage des Abfalls, oder auf dieVorläufer des gegenwärtigen Abfalls, oder auf allzubestimmteTage des Abfalls, sondern vielmehr auf einen weniger um-schrünkten Zeitpunkt warten. Dieser Zeitpunkt scheint haupt-sächlich von dem Charakter der Krankheit, von den vorherge-gangenen Ursachen, von der Lebensordnung und den gebrauch-ten Mitteln abzuhängen; und zwar um so mehr, da diese heil-samen Bewegungen der Natur die Menschen zu ihrer Nach-ahmung ermuntern. Viele wollen ja durch eine Aderlässe lie-ber ihr Leben retten, als die ungewisse Hülfe eines Blmsver-lnstes hoffen; sie wollen lieber den Ausbruch der Pocken oderMasern durch eine Aderlässe befördern, als diesen Ausbruchunter unerträglichen Bangigkeiten erwarten; sie wollen lieber